Der Harz kommt in Schwung

Wie Jan-Patrick Viebrans beim Maschinenbauer Piller eine sichere Perspektive fand

Im strukturschwachen Harz geht es aufwärts. Zum Beispiel beim Maschinenbauer Piller. Davon profitiert auch Jan-Patrick Viebrans. Er machte eine Ausbildung bei Piller, studierte Elektrotechnik und startet nun im Vertrieb der Firma.

Der junge Ingenieur: Jan-Patrick Viebrans fing nach dem Studium wieder bei Piller an. Foto: Schaarschmidt

Der junge Ingenieur: Jan-Patrick Viebrans fing nach dem Studium wieder bei Piller an. Foto: Schaarschmidt

Erfolgsmodell: Geschäftsführer Detlev Seidel am Schwungrad einer Anlage zur unterbrechungsfreien Stromversorgung. Foto: Schaarschmidt

Erfolgsmodell: Geschäftsführer Detlev Seidel am Schwungrad einer Anlage zur unterbrechungsfreien Stromversorgung. Foto: Schaarschmidt

Okertalsperre: Das Naturidyll befindet sich im Nationalpark Harz, nicht weit von Osterode. Foto: Mauritius

Okertalsperre: Das Naturidyll befindet sich im Nationalpark Harz, nicht weit von Osterode. Foto: Mauritius

Osterode. Der Harz gilt als strukturschwache Gegend: viele Berge, viele Wälder, wenig Jobs. Deshalb rechnete Jan-Patrick Viebrans damit, Osterode verlassen zu müssen, als er 2008 die Schule abschloss. In der Stadt am Rand des Harzes gab es damals kaum berufliche Perspektiven für junge Leute. „Viele meiner Freunde sind in die Großstädte gezogen“, sagt der heute 27-Jährige.

Nicht so Viebrans. Er bewarb sich auf eine Zeitungsannonce hin als Azubi beim Unternehmen Piller, einem Hersteller von Stromversorgungsanlagen. Er bekam eine Lehrstelle und blieb in Osterode.

Heute, neun Jahre später, ist Viebrans immer noch bei Piller oder besser gesagt: wieder bei dem Unternehmen. Nach einem Studium der Elektrotechnik fuchst sich der junge Ingenieur als Trainee in die verschiedenen Produkte der Firma ein. Viebrans will im Vertrieb arbeiten. „Da habe ich viel mit Technik zu tun, aber auch engen Kundenkontakt. Das gefällt mir“, sagt der Ingenieur.

Viebrans verdankt diese Berufsperspektive neben seinen Leistungen in der Ausbildung auch der guten Konjunktur und der positiven Entwicklung beim Unternehmen. Wie Piller profitieren auch andere Firmen in der strukturschwachen Region von der guten Lage. Immer mehr Betriebe übernehmen ihre Azubis und schaffen neue, unbefristete Stellen.

Eine neu entwickelte Technik bescherte Piller anhaltendes Wachstum

Bei Viebrans Arbeitgeber Piller geht es seit der Übernahme durch den britischen Konzern Langley Holdings im Jahr 2005 aufwärts. „Am Anfang dachte ich noch, die anhaltend gute Geschäftslage sei Glück“, erinnert sich Geschäftsführer Detlev Seidel. Aber es war das richtige Produkt zur richtigen Zeit, das die Firma wieder in Schwung brachte.

Ende der 90er Jahre hatten Ingenieure von Piller eine neue Technik entwickelt, die bei einem Stromausfall eine unterbrechungsfreie Versorgung gewährleistet. So lange Strom fließt, dreht sich dabei ein Schwungrad aus Metall mit. Fällt der Strom aus, wird das Rad zwar langsamer, erzeugt aber durch seine Drehung noch für kurze Zeit Strom.

„Damit kann man genau die wenigen Sekunden überbrücken, die nötig sind, um einen großen Dieselmotor als Notstrom-Generator zu starten“, erklärt Seidel. So eine unterbrechungsfreie Stromversorgung ist wichtig für Krankenhäuser und Flughäfen sowie für Rechenzentren, Telekommunikations- und Industriefirmen.

Piller beschert das anhaltendes Wachstum. „Über Entlassungen reden wir seit Jahren nicht mehr“, sagt Seidel. Stattdessen werden Jobs geschaffen, vor allem in Vertrieb und Entwicklung. 650 Mitarbeiter zählt Piller in Osterode. Fünf Stellen sind ausgeschrieben und weitere Mitarbeiter nötig, weil künftige Pensionäre Nachfolger brauchen, die Produktpalette wächst und das Geschäft im Ausland expandiert. Stets gibt es 40 Auszubildende in der Firma, sagt Seidel. „Die beste Erfahrung haben wir mit Mitarbeitern gemacht, die das Handwerk bei uns gelernt haben.“

So wie der junge Ingenieur Viebrans. Er wurde erst zum Elektroniker für Geräte und Systeme ausgebildet, begann dann sein Elektrotechnik-Studium in Hannover und jobbte in den Semesterferien bei Piller. „Elektrotechnik hat mir schon in der Schule Spaß gemacht“, erzählt er. „Damit will ich mich auch für den Rest meines Berufslebens beschäftigen.“ Anders als bei anderen Firmen geht Viebrans Trainee-Vertrag automatisch in eine Festanstellung über. Junge Nachwuchskräfte wie ihn versucht das Unternehmen zu gewinnen, indem es eng mit den Schulen kooperiert und seit 2007 begabten Auszubildenden das Studium mitfinanziert.

Viebrans wie Seidel sehen die Region im Aufwärts-Trend. „Es gibt mehrere Unternehmen im Harz, die wieder wachsen“, sagt Seidel. Und Viebrans kennt Beispiele aus dem Freundeskreis. „Einige meiner Bekannten, die auf der Suche nach einem Job in ganz Deutschland unterwegs waren, kommen jetzt zurück in ihre Heimat.“

Piller Group sorgt für sicheren Strom

  • Das Maschinenbau-Unternehmen Piller Group fertigt Technik für unterbrechungsfreie Stromversorgung und Frequenzumformung.
  • 1909 gegründet, gehört es seit 2005 zur britischen Ingenieurgruppe Langley Holdings PLC.
  • Am Stammsitz Osterode hat Piller 650 Mitarbeiter, weltweit sind es insgesamt 1.000 Beschäftigte.
  • Zu den Kunden zählen Banken, Versicherungen, Rechenzentren, Rundfunksender, Telekommunikations-Firmen, Flughäfen, die Flugsicherung und Krankenhäuser.
  • Piller ist für große Anlagen der MW-Klasse weltweit führend und rechnet für 2017 mit einem Umsatz von mehr als 250 Millionen Euro.

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