„Es geht nicht nur ums Geld“

Wie Industriebetriebe ihre Leute motivieren – drei Beispiele


Rostock/Hamburg/Leer. Kinderbetreuung kostet – doch das sieht IT-Fachmann Kristian Richter gelassen: Die 120 Euro für die Kita seiner Tochter Jazmine (5) bezahlt sein Arbeitgeber, der Rostocker Elektrotechnikspezialist SEAR. Richter gehört zu den ersten Mitarbeitern, die den neu eingeführten Zuschuss von maximal 150 Euro bekommen.

„Das entlastet natürlich die Haushaltskasse. Aber es geht mir nicht nur ums Geld“, betont Richter, der als Projektleiter für Softwareentwicklung zuständig ist. „Wichtiger ist mir das Gefühl, dass mich die Firma trotz meiner Führungsposition bei den familiären Aufgaben unterstützt.“ So kann er flexible Arbeitszeiten nutzen. Und jeder hat Verständnis, wenn er mal kurzfristig ausfällt, weil Jazmine krank ist. „Beim Arbeitgeber meiner Frau ist das leider ganz anders, da interessieren familiäre Belange überhaupt nicht“, so Richter.

Auch für Mitarbeiter ohne Kinder hat Mittelständler SEAR einiges zu bieten. „Wir legen sehr viel Wert darauf, gute Leute im Unternehmen zu halten“, sagt Personalleiter Gunnar Hänsel. Die 185 Mitarbeiter profitieren daher von ungewöhnlich guten Sozialleistungen.

Unternehmen, die sich um ihre Leute kümmern, sind erfolgreicher

Dazu kommen Veranstaltungen für die Belegschaft, etwa ein Familienfest zur Einweihung der neuen Zentrale. Das Engagement zahlt sich aus, die Leute fühlen sich wohl: „Ich kann mir momentan nicht vorstellen, den Arbeitgeber zu wechseln“, sagt IT-Experte Richter.

So wie SEAR bemühen sich viele Firmen der Metall- und Elektro-Industrie – aus gutem Grund: „Unternehmen sind erfolgreicher, wenn sie sich systematisch um die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter kümmern“, erklärt Andrea Hammermann, Forscherin am Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Die Wirkung besonderer Zusatzleistungen sei oft stärker als die von Geld. „Extras wie gutes Kantinenessen oder ein Dienstwagen machen zufriedener, letztlich drücken sie ja Wertschätzung durch den Arbeitgeber aus.“

So sieht man es zum Beispiel auch am Philips-Standort Hamburg. Mit einem bunten Strauß ganz unterschied­licher Maßnahmen kümmert sich der Betrieb um die rund 2.500 Köpfe zählende Belegschaft. Nicht zuletzt bekommt jeder Mitarbeiter einen individuellen Entwicklungsplan: „Wir besprechen regelmäßig die persönlichen Wünsche und planen die entsprechende Weiterbildung“, sagt Charlotte Ruminak, die den Bereich Human Resources leitet. Das Programm wendet sich ausdrücklich auch an ältere Mitarbeiter, die noch mal durchstarten möchten.

Gesundheitsförderung hilft dem Betrieb und dem Einzelnen

Ehrgeizige Frauen unterstützt Philips besonders, ein Beispiel: „Selbst eine optimal organisierte Kinderbetreuung kann mal ausfallen“, so Ruminak, „für solche Notfälle haben wir in einem Kindergarten kurzfristig nutzbare Betreuungsplätze reserviert.“

Auch Beschäftigte, die Angehörige pflegen, finden Hilfe: „Wir bieten eine Pflegeberatung an. Und selbstverständlich kann der Mitarbeiter vorübergehend seine Arbeitszeit verringern.“

Natürlich investiert ein Unternehmen, das in erster Linie Produkte für Gesundheit und Wohlbefinden herstellt, auch in die Gesundheit seiner Leute. So bieten die Hamburger diverse Vorsorge- und Therapieangebote an.

Beim Ofenbauer Leda im ostfriesischen Leer stehen Gesundheit und Teamgeist ebenfalls ganz oben: „Wir wollen den Zusammenhalt fördern. Und natürlich hat jeder Mensch ein Interesse daran, gesund und fit zu bleiben“, sagt Personalleiter Frank Boese. Das betriebliche Gesundheitsmanagement bietet den 170 Beschäftigten daher unter anderem einen Kurs zur Raucherentwöhnung an.

Jedes Jahr beteiligt sich die Firma am Leeraner City-Lauf, dessen Erlös für einen guten Zweck gespendet wird. In diesem September gingen gleich vier Leda-Teams mit insgesamt 16 Mitarbeitern an den Start – in Shirts, die vom Betrieb gesponsert wurden. So machten sie ganz nebenbei Werbung für ihren Arbeitgeber.

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