Fitness

Wie geht´s uns eigentlich?


Mitarbeiter von Dunkermotoren halten inne und achten auf ihren Körper: beim „Gesundheitsmarkt“

Bonndorf. Dieser Arbeitstag fällt für Nina Zoller (20) ziemlich aus der Reihe. Sie lässt sich den Blutdruck messen. 120 zu 80, alles prima. „Nachher gehe ich zum Pilates“, sagt sie. „Da will ich mich für den Kurs anmelden, der den ganzen Winter stattfindet.“ Sie krempelt den Ärmel runter und taucht zwischen Lungenfunktionstest und Körperfettmessung ins Gewühl der Kollegen ein.

An diesem Tag kommt die Produktion bei Dunkermotoren in Bonndorf (Südschwarzwald) etwas durcheinander: Hier findet ein „Gesundheitsmarkt“ für die 820 Mitarbeiter statt. 530 von ihnen arbeiten in der Produktion, wo elektrische Antriebe entstehen, etwa für Aufzugstüren und Rasenmäher.

Krankenstand auf Dauer senken

Mitarbeiter Florian Keller (27) probiert gerade den „Stresspiloten“ aus. Er hat einen Clip am Ohr und kann am Computer beobachten, dass sein Puls beim Ausatmen langsamer wird. Sportlehrer und Anti-Stress-Trainer Klaus Baier erklärt: „Daran erkennt man, dass sich jemand gut an Belastungen anpassen kann.“ Kellers Werte sind absolut in Ordnung, der Hobby-Fußballer nickt zufrieden.

Geschäftsführer Nikolaus Gräf hat das Ziel, den Krankenstand zu senken. Der liegt bei Dunkermotoren leicht über dem Durchschnitt. Der Firmenchef sieht das als Ansporn: „Hier liegt ein großes Potenzial für Verbesserungen.“ Ein gutes Gesundheitskonzept sei auch deshalb wichtig, weil der Altersdurchschnitt der Belegschaft steigt.

Um die Gesundheit dreht sich nicht nur dieser Tag. Betriebsarzt Christoph Kusch ist bei Dunkermotoren Stammgast. Und für psychische Probleme gibt es eine externe Anlaufstelle.

Nach Feierabend zieht es viele zum Laufen, Kegeln und Kicken. Personalleiterin Renate Heizmann: „Wir haben ungefähr 40 Betriebssportgruppen.“ Zusätzlich beginnen mit dem Gesundheitsmarkt vier Kurse, darunter Wirbelsäulengymnastik und eine Entspannungsschule. Heizmann: „Wir wollen etwas initiieren, was weiterlebt.“

Betriebsrat Lothar Isele lobt die Gestaltung der Arbeitsplätze: „Die Firma tut alles, damit die Leute hier wenig Belastungen haben.“ Nur ein Prozent der Krankheitsfälle geht auf das Konto von Arbeitsunfällen – und das sind meist „Wegeunfälle“, die ebenfalls dazu zählen.

Anreiz zum Mitmachen

Für den Gesundheitsmarkt müssen die Mitarbeiter zwar ausstempeln, aber wenn sie vier oder mehr Stationen besuchen, bekommen sie eine Stunde geschenkt. Deshalb hat Nina Zoller jetzt keine Eile. Sie kann beim Pilates tief durchatmen.

 

So gesund sind wir

Der Krankenstand sinkt langfristig: An einem durchschnittlichen Arbeitstag fielen im vergangenen Jahr nur 3,4 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten aus. Im Jahr 2000 waren es noch 4,2 Prozent, in den 70er-Jahren sogar mehr als 5 Prozent.

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang