Comeback der Marke Flott

Wie eine Remscheider Traditionsfirma wieder flottgemacht wurde


Remscheid. Viktor Steinborn repariert eine Standbohrmaschine – und kann sein Glück immer noch nicht richtig fassen: „Als mit der Insolvenz hier vor vier Jahren für uns alle die Lichter ausgingen, war auch mein Arbeitsplatz weg.“ Seit Mitte 2012 ist der Russlanddeutsche wieder an Bord beim Remscheider Werkzeugmaschinenbauer Flott: „Ich wollte unbedingt zurück, denn Maschinen zusammenbauen, das ist mein Traumberuf.“

Heute investiert das Unternehmen in neue Arbeitsplätze. „Wir stellen Leute ein“, verkündet Geschäftsführer Jan Peter Arnz. Und Steinborn ist der Erste einer neuen Montagetruppe, für die der Betrieb in diesem Jahr sieben weitere Kräfte sucht.

Neustart nach der Insolvenz

Mit der Finanzkrise im Jahr 2009 war der Umsatz um die Hälfte auf 4 Millionen Euro eingebrochen. Die Insolvenz war unumgänglich. 70 Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz.

Doch schon Mitte 2009 wagte die Gründerfamilie mit 15 Mitarbeitern in Verwaltung, Vertrieb, Marketing und Entwicklung den Neuanfang. Um flexibel agieren zu können, lagerte Flott Fertigung, Montage, Ersatzteilversorgung und Service zum Anlagenbauer Voith nach Radebeul bei Dresden aus. Arnz: „Es war ein Neustart ohne Schulden und nur mit eigenem Geld. Uns half unser guter Ruf und der in Europa bekannte Markenname.“

Flott-Tisch- oder Standbohrmaschinen gelten als unkaputtbar. Mit ihnen erzielt der Betrieb 5 Millionen Euro Umsatz im Jahr, die restlichen 20 Prozent steuern Schleifmaschinen und Metallsägen bei.

Flott-Bohrmaschinen stehen in vielen Werkstätten, Ausbildungszentren und Fertigungshallen. „Wir machen keine Dünnbrettbohrer“, sagt Arnz: „Ein 50-Millimeter-Loch in Stahl zu bohren, ist für so eine Maschine kein Problem. Dabei kann es bis zu 150 Millimeter tief ins Material hineingehen.“

Dreieinhalb Jahre nach dem Neustart führt die Firma alle Abteilungen in Remscheid zusammen. Montage und Logistik werden zurückgeholt und die Fertigung in Nordrhein-Westfalen konzentriert. Hier will der Familienbetrieb bis Ende des Jahres 30 Mitarbeiter beschäftigen. Ein Hoffnungsträger ist eine neue Tisch-Bohrmaschine – die einzige weltweit, bei der das Bohren und Gewindeschneiden komplett elektronisch gesteuert werden.

Und seit Anfang des Jahres hat Flott sich auch die exklusiven Vertriebsrechte für die Dreh- und Fräsmaschinen des renommierten britischen Herstellers „XYZ machine tools“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz gesichert. Arnz: „Die Briten bauen dabei auf unser gutes Image.“

Fakten

Fabrik in historischer Maschinenbau-Region

Der Schmied Friedrich Karl August Arnz gründete das Unternehmen 1854 in Remscheid. Damit zählt die Flott GmbH zu den ältesten Maschinenbaubetrieben der Welt.

Die Region um Remscheid gilt seit Generationen als einer der wichtigsten Maschinenbau-Standorte der Welt. Um das Jahr 1900 kamen 80 Prozent der weltweit produzierten Werkzeuge von hier. Wegen der Exporte trug Remscheid auch den Namen „Seestadt auf dem Berg“.

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