Per Anschub zur Ausbildung

Wie eine junge Frau nach schwierigem Start eine Lehrstelle in der Industrie findet

Mittenwalde. Willkommen im Berufsleben! Nun steht fest, dass Melanie Bode (17) zum 1. August als Lehrling bei der Motzener Kunststoff- und Gummiverarbeitung anfangen kann. Die zweijährige Ausbildung zur Fachpraktikerin für Lager wird sie mit Erfolg abschließen. Davon sind bei dem in Mittenwalde (Brandenburg) ansässigen Spezialisten für Mehrkomponenten-Spritzgießen alle Verantwortlichen überzeugt.

„Vor einem Jahr hätte ich mir das nicht zugetraut“, gesteht die junge Frau. Schließlich hat sie im vergangenen Jahr den Hauptschulabschluss nur knapp geschafft. Und es ist nun einmal so: Ohne mindestens den Realschulabschluss findet man in vielen deutschen Industriebetrieben kaum einen Einstieg.

Doch die elf Monate, die Melanie Bode hier schon im „berufsvorbereitenden Jahr“ arbeitet, haben sie verändert. „Sie ist regelrecht aufgeblüht“, sagt Dirk Parant, der als Leiter der Endbearbeitung ihr Ansprechpartner ist. Die junge Frau, die auch Fußball spielt und demnächst bei den Deutschen Jugendskatmeisterschaften antritt, sagt: „Ich fühle mich hier wohl, die Arbeit macht Spaß, und ich habe tolle Kollegen. Es ist schön, gebraucht zu werden.“

Vor allem Mathematik und Deutsch fielen ihr in der Schule schwer – doch sie hat jetzt eine Perspektive, und das kommt nicht von ungefähr. Seit der neunten Klasse wurde sie von Sieglinde Böhmer betreut, einer Sozialpädagogin von der Gesellschaft für regionale Sozialentwicklung Frankfurt/Oder. Sie stellte auch den Kontakt zum Unternehmen her: auf der regionalen Ausbildungsmesse in Königs Wusterhausen.

In einem vierwöchigen Praktikum zeigte Melanie „Einsatz und eine positive Entwicklung“, so Abteilungsleiter Parant. So kam es zum berufsvorbereitenden Jahr und nun, unterstützt von der Arbeitsagentur und der Industrie- und Handelskammer Cottbus, zum Ausbildungsvertrag.

Und: Jürgen Westphal, der bei den Motzenern die Ausbildung und die Abteilung Konstruktion und Technik leitet, stellt klar: „Wir nehmen gerne junge Leute, bevorzugt aus der Umgebung, die vielleicht nicht die guten Noten haben – aber Engagement, Charakter und den Willen, etwas aus sich zu machen.“ Die mit den Bestnoten hätten ja meist hochfliegende Pläne: „Sie wollen in die Großstadt, und ein Arbeitsplatz in der Industrie interessiert die wenigsten.“

Dieser pragmatische Ansatz zahlt sich aus. Seit 20 Jahren bilden die Motzener aus, kaum ein Lehrling enttäuschte. Im Gegenteil, mancher ist zum Vorarbeiter oder Maschineneinrichter aufgestiegen. Die Bestätigung für diesen Weg kommt von den Kunden aus aller Welt: Die Firma sieht sich derzeit zu 100 Prozent ausgelastet.


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