Nach Elternzeit erfolgreich im Beruf

Wie eine Frau bei der Maschinenfabrik Reinhausen dank Förderung durchstartet

Frauen in der Chefetage bei Metall- und Elektrofirmen sind noch eher selten. Kein Wunder: Vor allem Männer wählen technische Berufe. Gezielte Unterstützung hilft, Frauen mit Führungspotenzial auf ihrem Weg zu bestärken.

Optimiert Prozesse: Projektleiterin Astrid Niedermeier (Mitte). Foto: Werk

Optimiert Prozesse: Projektleiterin Astrid Niedermeier (Mitte). Foto: Werk

Voller Energie: Bei Reinhausen Power Composite entstehen Isolatoren für Hochspannungsanlagen. Foto: Werk

Voller Energie: Bei Reinhausen Power Composite entstehen Isolatoren für Hochspannungsanlagen. Foto: Werk

Regensburg. Erst mal einen Fuß in der Tür haben, das wollte Astrid Niedermeier nach ihrer Elternzeit. Rund zehn Jahre später hat sich die heute 53-Jährige wieder sehr gut im Job etabliert.

Dazu beigetragen hat auch ihre Teilnahme an dem Weiterbildungsprojekt „Frauen in Führungspositionen“. Ihr Arbeitgeber, die Maschinenfabrik Reinhausen (MR), hatte ihr die Teilnahme ermöglicht. „Es hat mich inspiriert zu überlegen, wo ich noch hinwill“, sagt sie. „Dadurch war ich ermutigt, diesen Schritt auch zu wagen.“

Das Projekt bieten die bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme und vbm für ihre Mitgliedsunternehmen an. Es richtet sich an weibliche Fachkräfte mit dem Potenzial für Führungsaufgaben. In Workshops erarbeiten die Teilnehmerinnen unter anderem Strategien und Praktiken zur Übernahme von Selbstverantwortung und trainieren Soft Skills.

Das Projekt verfolgt einen unternehmensorientierten Ansatz und bezieht die Geschäftsführung und die direkten Führungskräfte der involvierten Frauen mit ein. Überdies steht ihnen ein Mentor aus dem eigenen Betrieb zur Seite. Das Programm dauert etwa zwei Jahre. Seit dem Start der ersten Staffel im Jahr 2010 haben rund 160 Frauen erfolgreich das Programm absolviert, 52 durchlaufen derzeit die vierte Staffel. Die Maschinenfabrik Reinhausen hat sich bereits frühzeitig beteiligt. Die Notwendigkeit liege auf der Hand, sagt Geschäftsführer Nicolas Maier-Scheubeck: Immer noch ergreifen zu wenig Frauen technische Berufe.

In den Studienfächern, die für das Unternehmen relevant sind, liegt der Anteil der Absolventinnen bei höchstens 14 Prozent. Bei der MR sind 16 Prozent aller Angestellten Frauen – die klassisch weiblichen Jobs in der Verwaltung eingerechnet. Einstellungsquoten nützen nichts: Der weibliche Nachwuchs fehlt schlicht und einfach.

Maier-Scheubeck ist daher von dem Weg überzeugt, Frauen Chancen aufzuzeigen: „Jenseits qualitätsferner Quoten orientiert sich das Projekt an der persönlichen und betrieblichen Situation und leistet konkrete Hilfestellung zur Entwicklung von Karriereperspektiven sowie zum Wandel der Unternehmenskultur.“

Für Astrid Niedermeier war das Programm ein Glücksfall. „Auch wenn ich Vorbehalte hatte, einen Kurs nur für Frauen zu besuchen“, gibt sie schmunzelnd zu. Doch die rein weibliche Besetzung habe Vorteile: Die Probleme und Sichtweisen bei vielen Themen sind ähnlich. „Wir haben schnell Vertrauen gefasst und uns sehr offen ausgetauscht.“

Mentoren aus dem eigenen Betrieb stehen den Frauen als Berater zur Seite

Insgesamt 15 Jahre hatte die Chemikerin ihre Karriere ausgesetzt und sich um ihre drei Kinder gekümmert. Um wieder im Beruf Fuß zu fassen, startete sie bei einem schweizerischen Verlag als Assistentin. „Das hatte mit Chemie gar nichts zu tun“, sagt sie. „Aber ich konnte arbeiten.“ Einige Zeit später zog sie in die Oberpfalz und wechselte zur MR.

Ihr neuer Chef förderte ihr Potenzial und meldete sie für das Projekt an. Schon während der ersten Zusammenkünfte kam die Chemikerin ins Grübeln: „Bin ich beruflich da, wo ich sein möchte?“, fragte sie sich. Und antwortete entschieden mit Nein. Also fing sie an, sich aktiv im Unternehmen nach Aufgaben umzuschauen, die stärker ihren Neigungen entsprechen. Die fand sie bei der Reinhausen Power Composites GmbH.

Das Tochterunternehmen der MR stellt sogenannte Verbundhohlisolatoren für Energieversorger her. Niedermeier leitet dort verschiedene Projekte. Unter anderem beschäftigt sie sich damit, wie Herstellungsprozesse verändert werden können. Außerdem wirkt sie an der Weiterentwicklung der Unternehmensorganisation mit. „Es geht um die Kultur der Zusammenarbeit, darum, wie zufrieden die Mitarbeiter sind“, sagt sie.

Ihr zweijähriges Fortbildungsprojekt hat sie längst abgeschlossen: „Es hat sich gelohnt, weil ich den Impuls bekommen habe, selbst etwas für meinen Berufsweg zu tun“, zieht sie das Fazit. Zudem: Mit ihrem Mentor tauscht sie sich noch regelmäßig aus. „Das Netzwerk, das man aufbaut, bestärkt einen, den eigenen Weg zu verfolgen.“

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ich habe Chemie studiert und war erst bei einem Autohersteller. Nach der Geburt der Kinder habe ich 15 Jahre pausiert. In Regensburg habe ich 2010 angefangen.

Was reizt Sie am meisten?

Meine Kernkompetenz ist das Multiprojektmanagement, also unterschiedliche Dinge im Auge zu behalten und zu verknüpfen.

Worauf kommt es an?

Es lohnt sich, zu träumen und zu überlegen, wo man hinmöchte, auch für Wiedereinsteiger. Man muss nur Mut fassen und den ersten Schritt wagen.


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