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Wie ein Sauerländer Gurthersteller seinem übermächtigen US-Konkurrenten Marktanteile abjagen will


Arnsberg. Wenn Barack Obama und sein Team mit der Präsidenten-Maschine „Air Force One“ abheben, vertrauen sie Sicherheitsgurten aus der deutschen Provinz. Im sauerländischen Arnsberg produziert die Firma Schroth seit fast 70 Jahren zwar vor allem Gurtsysteme für den Motorsport und für Militärfahrzeuge. Doch jetzt will sie mit Passagiergurten für die Luftfahrt durchstarten.

Außer der US-Regierung statten inzwischen Fluggesellschaften wie Air Berlin, Condor, Lufthansa und Etihad (Vereinigte Emirate) einen Teil ihrer Flotte mit Gurten aus Nordrhein-Westfalen aus. Alles in allem bringt die zivile Luftfahrt inzwischen ein Drittel des Unternehmensumsatzes von insgesamt 16 Millionen Euro.

Geschäftsführer Martin Nadol will aber viel höher hinaus: „In den nächsten vier bis fünf Jahren wollen wir unseren Marktanteil bei Passagiergurten von heute 5 auf 25 Prozent steigern.“

Ein recht ambitioniertes Ziel, bedenkt man, dass ein US-Konkurrent auf satte 90 Prozent kommt. Doch das kann Nadol nicht schrecken: „Schon im abgelaufenen Geschäftsjahr haben wir unsere Produktion von 5.000 auf 30.000 Gurte gesteigert. Unser Ziel sind 200.000.“

Aber kann das bei einem so übermächtigen Wettbewerber gelingen? Der Hamburger Luftfahrt-Experte Cord Schellenberg hält das Ansinnen der Arnsberger keinesfalls für abgehoben: „Die größte Einstiegshürde ist die Zertifizierung durch die Luftfahrtbehörden.“ Und die hat Schroth längst genommen. Danach stehe, so Schellenberg, einem Wachstum kaum etwas entgegen: „Vorausgesetzt, Produkt und Strategie stimmen.“

Schroth hat sich für seine Expansionspläne mit einem Giganten zusammengetan. Seit dem vergangenen Jahr gehört der Betrieb mit rund 180 Beschäftigten (einschließlich US-Tochter) zum japanischen Takata-Konzern, der weltweit 35.000 Mitarbeiter hat. Während Schroth etwa mit Spezialgurten für die Formel 1 oder Obamas Riesenvogel in der Nische erfolgreich ist, fertigt das asiatische Großunternehmen in gewaltigen Mengen normale Autogurte. Der Spezialist und der Massenhersteller könnten sich perfekt ergänzen.

30 Kilo weniger Gewicht pro Flugzeug

Und der Gurt selbst: Er ist leichter als die meisten Konkurrenzprodukte, reduziert pro Maschine das Gesamtgewicht um mehr als 30 Kilo. „Die jährliche Ersparnis für eine Airline kann sich da auf einen sechsstelligen Euro-Betrag summieren“, so Nadol.

Luftfahrt-Experte Schellenberg betont noch einen ganz anderen Aspekt: „Die Airlines sind froh, dass ein Zweiter in der Gurtbranche hochkommt. Denn durch den Wettbewerb sinken bekanntlich die Preise.“

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