Projekt „Förderung der Ausbildungsfähigkeit“

Wie ein neues Verbandsprojekt schwer vermittelbare Jugendliche fit für die Ausbildung macht

Hagen/Iserlohn. Um Punkt halb sieben in der Früh stehen sie an der Werkbank. Sie sind höflich, aufgeschlossen, konzentriert. Fehlzeiten? Kein Thema! „Das ist eine top Truppe“, betont Andreas Weber, Geschäftsführer der überbetrieblichen Ausbildungsgesellschaft Mittel-Lenne. Die ersten Wochen mit den 16 jungen Männern und einer jungen Frau stimmen ihn zuversichtlich, dass alle ihr Ziel erreichen: einen Ausbildungsvertrag zum 1. September.

Die Jugendlichen nehmen am neuen Projekt „Förderung der Ausbildungsfähigkeit“ des Märkischen Arbeitgeberverbands mit Geschäftsstellen in Iserlohn und Hagen teil. Sieben Monate lang werden sie auf eine Lehre in der Metall- und Elektro-Industrie vorbereitet.

Im Vordergrund steht die praktische Arbeit. Erst fünf Monate lang in der Ausbildungswerkstatt, danach folgt ein zweimonatiges Praktikum. Bei erfolgreicher Teilnahme ist ein Ausbildungsplatz in einem Mitgliedsunternehmen des Verbands garantiert.

Erste Bewerbungen waren erfolglos

Bis Anfang Februar hatten die Teilnehmer ein Berufskolleg in Hagen besucht. Für die meisten eine Notlösung: Ihre Lehrstellen-Bewerbungen waren ins Leere gelaufen. „Ein Hauptschulabschluss reicht wohl nicht“, hat Marvin Schwarz festgestellt. „Als Mädchen ist es eben doch schwerer, in einen Betrieb hineinzukommen“, glaubt Melanie Guse.

Außerdem waren die Noten nicht die allerbesten, die Einstellung wohl auch nicht immer. „Viele hatten Fehlstunden auf dem Zeugnis“, erklärt Andreas Weber. Gemeinsam mit den Lehrern hat er die Schüler im Berufsgrundschuljahr auf das Projekt angesprochen.

Die Lehrer sind baff – sie erkennen ihre Schüler nicht wieder

Dylan Chiarelli hat sofort zugegriffen. Industriemechaniker will er werden und sieht sich an der Drehbank auf einem guten Weg: „Das ist spannend.“ Auch Melanie Guse fühlt sich, allein unter Männern, wohl: „Es macht Spaß hier.“

In der Lehrwerkstatt Iserlohn-Letmathe, die zu Webers Ausbildungsgesellschaft gehört, können sie sich beweisen. Schweißen, Drehen, Fräsen sowie Steuerungs- und Elektrotechnik stehen auf dem Plan. „Sie sollen Fähigkeiten lernen, die ihnen später nutzen. Aber wir nehmen nichts aus der Ausbildung vorweg“, erklärt Weber. Schule gibt es natürlich auch: Jeden Dienstag verbringt die Gruppe als eigene Klasse am Berufskolleg.

Bis Ostern sollen sich die jungen Leute orientieren und ihre Bewerbungen fertig machen. Und bis dahin bieten die Firmen ihre zugesagten Plätze für Industrie-, Verfahrens- und Zerspanungsmechaniker oder Elektroniker an.

Das Praktikum im ausgewählten Betrieb steht ab Juli an – und dann, im Idealfall, die Unterschrift unterm Ausbildungsvertrag. Weber ist optimistisch. Eins haben die 16- bis 18-Jährigen schon geschafft: Die Lehrer sind baff. Sie erkennen ihre Schüler nicht mehr wieder.

Fakten

Info: Förderung der Ausbildungsfähigkeit

  • Das Projekt will Jugendliche in der „Wartescheife“ als Fachkräfte-Nachwuchs gewinnen. Die Qualifizierung orientiert sich an den Lehrinhalten der Ausbildung für gewerblich-technische Berufe in der Metall- und Elektro-Industrie. Gleichzeitig soll sie die Sozialkompetenzen der jungen Leute stärken.
  • Die Jugendlichen erhalten zunächst 75 Prozent der regulären Ausbildungsvergütung, bei erfolgreicher Teilnahme wird sie staffelweise erhöht. 

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