Turboschnell mit Strom unterwegs

Wie ein neues Antriebssystem den Spritverbrauch senkt


Regensburg. Wo sonst das Navi steckt, dockt im Testfahrzeug von Christoph Korbel die Zukunft an: Das Steuergerät an der Instrumententafel zeigt ihm, dass das Auto gerade „rekuperiert“: Es speist Bremsenergie in einen neu entwickelten Energiespeicher. Der ist aufladbar wie ein Handy-Akku.

„Mit weiteren Innovationen wie elektrischer Antriebsunterstützung wird das eine kleine Revolution“, sagt der Versuchsingenieur von Continental in Regensburg.

13 Prozent weniger Kohlendioxid

Der Zulieferer-Konzern entwickelt unter Hochdruck ein „Mildhybrid-System“ mit dem Namen „48 Volt Eco Drive“. Es erweitert den Verbrennungsmotor um elektrische Antriebsteile. „Das bedeutet 13 Prozent weniger Kohlendioxid und etwa einen Liter weniger Spritverbrauch auf 100 Kilometer“, erklärt Carsten Götte, Entwicklungschef für Bordnetz-Systeme von Continental.

Für die Regensburger ist das Bordnetz ein Schlüssel zur Elektromobilität. Die überall im Auto verteilten Kabelstränge müssen immer mehr leisten, weil es zusätzliche Stromabnehmer gibt, zum Beispiel elektrische Lenkhilfen oder Abstandsmessgeräte. Daher kommt zum 12-Volt-Netz ein zweites mit 48 Volt hinzu.

„Ein weiterer Vorteil ist, dass der Motor deutlich schneller anspringt als bei der herkömmlichen Start-Stopp-Automatik“, sagt Götte. „Das ist Start-Stopp der zweiten Generation.“ Auch Klimaanlage, Fensterheber und Radio sind sofort einschalt­bereit.

Und warum sinkt der Spritbedarf? Wenn der Fahrer vom Gaspedal geht, schaltet der Wagen den Motor ab, bleibt aber im Modus „Coasting“ (Deutsch: Segeln) lenkfähig.

Weniger Abgase gibt es, weil der Verbrennungsmotor in turboschnellen 200 Millisekunden volle Drehzahl erreicht.

Dafür ist neben der neuen Batterie eine elektrische Maschine an Bord, sechs- bis zehnmal stärker als die bisherige Lichtmaschine. Sie liefert den Strom für das 48-Volt-Netz. Mit der Technologie will Continental der klimafreundlichen Elek­tromobilität einen Schub geben: Weil sie deutlich günstiger sein soll als vollelektrische Fahrzeuge.

Aufgebaut wurde das „48 Volt Eco Drive“-System in Regensburg. Mit 6.400 Mitarbeitern, ein Drittel davon in der Fertigung, ist die Oberpfälzer Fabrik eine der größten des Konzerns mit Hauptsitz in Hannover.

„Weil wir Forschungs- und Produktionsstandort in einem sind, punkten wir mit kurzen Wegen“, erklärt Thomas Ebenhöch, Standort- und Werkleiter in Regensburg. „Viel Erfahrung verbindet sich mit Tests und schnellen Schlüssen, die wir für neue Produkte ziehen.“ Ein Vorteil im globalen Wettbewerb – den die Mitarbeiter herausholen.

Der Preis für das System, das bis Ende 2016 serienreif sein soll, ist noch offen. Versuchsingenieur Korbel sagt trotzdem schon: „Das setzt sich durch, denn jeder am Steuer spürt die Vorteile nach Sekunden.“

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