Scharfer Blick für Beruf und Hobby

Wie ein Licht-Messtechniker als Sportschütze für die Olympischen Spiele trainiert


Regensburg. Winzig wie ein Zwei-Cent-Stück ist das Ziel. Daniel Brodmeier trifft aus 50 Metern Entfernung. Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Sportschützen. Bei den Olympischen Spielen in London im Sommer kam er im Wettkampf „Kleinkaliber liegend“ auf Platz fünf. Sein nächstes sportliches Ziel: Olympia 2016 in Rio de Janeiro (Brasilien).

Präzision und einen scharfen Blick braucht Brodmeier auch im Job: Der 25-Jährige ist Elektroniker in der Messtechnik-Entwicklung des Leuchtdioden-Herstellers Osram Opto Semiconductors in Regensburg.

„Jeder Schießstand hat seine Tücken“

Der Olympionike aus Oberbayern war der Jüngste im Londoner Finale. Das will was heißen. Denn ein Schütze braucht vor allem eins, wie Brodmeier betont: Erfahrung. „Jeder Schießstand hat seine Tücken. Licht, Wind- und Wetterverhältnisse sind überall anders.“ Brodmeier führt daher genau Buch über jede Anlage. „Der Olympia-Schießstand der königlichen Artillerie-Kaserne in London war einer der schwersten, auf denen ich je war.“

Trotzdem hat er die Nerven behalten und den Einzug ins Finale geschafft.
Der Weg dorthin war lang. „Zwei Jahre vor Olympia ging die Jagd nach Quotenplätzen los“, so Brodmeier. Seinen ganzen Urlaub hat er in die Vorbereitung gesteckt. Für die Wettkämpfe gab es Sonderurlaub vom Unternehmen. Die deutsche Sporthilfe pufferte den Verdienstausfall ab.

Am Arbeitsplatz in Regensburg sprangen die Kollegen ein. „Ohne ihre Unterstützung hätte ich das nie geschafft“, so Brodmeier. Seine Sportler-Karriere hat früh begonnen. Mit acht Jahren wurde er Mitglied im Schützenverein. Sein Vater, ebenfalls Sportschütze, trainierte ihn.

Täglich Sport bis abends um zehn

Als Teenager zählte Brodmeier zum bayerischen Nationalkader, nahm an landesweiten Wettkämpfen teil. 2006 qualifizierte sich der Junior für die WM in Zagreb. Er erinnert sich: „Das war ein Jahr vor meiner Zwischenprüfung.“
Trotz der vielen Trainingsstunden hat er den Abschluss als Elektriker für Geräte und Systeme geschafft. Mit 21 Jahren wechselte er zu den erwachsenen Schützen. Brodmeier: „Ab da ging’s richtig los.“ 2010 folgte der erste Weltcup in Peking, 2011 in Sydney.

Nach der Arbeit trainiert Brodmeier fast täglich am Schießstand in München. Bis abends um zehn. Er wohnt in Niederlauterbach, verkehrsgünstig am Dreieck Holledau zwischen München und Ingolstadt. „Schießen ist ein Amateursport“, sagt er. „Es geht alles nebenher.“

Genauigkeit, das verbindet für ihn Sport und Job. Brodmeier: „In der Messtechnik ist es wie beim Schießen. Man muss die Toleranzen so gering wie möglich halten.“ Die kleinsten Bauteile, Leuchtdioden für Mobiltelefone, die er nach bestimmten Eigenschaften wie elektrischer Spannung oder Farbtemperatur vermisst, sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen.

Noch besser sehen können muss Brodmeier am Schießstand. 40 Sekunden hat er für einen Schuss. „Wenn da plötzlich der Puls hochgeht, ist das eine Katastrophe.“ Um ruhig zu bleiben, meditiert er jeden Tag.

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Meine Arbeit

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Eigentlich wollte ich Schreiner werden wie mein Vater. Dann habe ich ein Praktikum in einem Elektrotechnik-Unternehmen gemacht. Da durfte ich auch löten. Das hat mir gefallen.

Was reizt Sie am meisten?

Im Job wie im Sport suche ich nach Perfektion. Es tut einfach gut zu wissen: Das können auf der ganzen Welt nur wenige.

Worauf kommt es an?

Auf Genauigkeit, Disziplin, Konzentration und innere Ruhe. Dann klappt’s am Schießstand und auch in der Arbeit als Messtechniker für Licht.

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