Zwei Jobs auf einen Streich

Wie ein Industriemechaniker von Fendt als Unternehmer einen Bio-Hof am Laufen hält

Marktoberdorf. Wettervorhersagen sind für Manfred Neher ganz wichtig – genauso wie die Terminpläne für die Entwicklung neuer Traktoren. Denn der gelernte Industriemechaniker muss zwei Jobs unter einen Hut bringen. Dazu auch noch in zwei Funktionen: als Arbeitnehmer und als Unternehmer.

Der 39-Jährige fertigt Prototypen im Musterbau des Traktorenherstellers Agco/Fendt im Allgäuer Ort Marktoberdorf. Und mit seiner Frau betreibt er einen Bio-Hof mit 40 Milchkühen und 40 Hektar Wiesen und Wald – fünf Kilometer vom Werk entfernt im Weiler Engratsried. Vor allem im Sommer spielt das Wetter eine große Rolle: Für das Mähen der Futterweiden muss es warm und trocken sein.


„Abwechslung habe ich immer“

60 Stunden dauert eine normale Arbeitswoche für Neher. „Solange ich das gesundheitlich und organisatorisch hinbekomme, mache ich beides“, sagt er mit fester Stimme. Denn der eine wie der andere Job bereitet ihm Spaß. „Und Abwechslung habe ich auch immer.“

Außerdem ist es ihm eine Herzensangelegenheit, den Hof weiter zu betreiben, den seine Frau von ihrer Mutter geerbt hat. „Wir tun das auch zum Dank an ihre Vorfahren“, erzählt Neher. „Sie haben sich immer dafür eingesetzt, dass der Hof bestehen bleibt.“ Ohne Flexibilität, vom Arbeitgeber, den Kollegen, ihm selbst und seiner Familie, wäre das allerdings nicht möglich.

Wie in vielen Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektroindustrie gehören Zeitkonten und Gleitzeit seit langem zum Alltag von Fendt. „So ist vieles machbar, für das Unternehmen und für die Beschäftigten“, sagt Nils Mütze, der Personalchef von Agco/Fendt: „Besonders für Mitarbeiter, die auch in der Landwirtschaft tätig sind.“ Mütze schätzt, dass mindestens ein Fünftel der 3.000 Stammkräfte in Marktoberdorf einen Hof bewirtschaftet oder immerhin in einer Bauernfamilie aufgewachsen ist.

„Sie haben ein besonderes technisches Verständnis für Traktoren und begeistern sich für Landmaschinen“, betont der Personaler. „Das ist ein enormer Vorteil in der Entwicklung und der Produktion, aber auch im Marketing und im Vertrieb.“

Im Notfall darf die Arbeit im Werk auch kurzfristig unterbrochen werden – nach Absprache mit dem Vorgesetzten. „Wenn es auf dem Hof mal Probleme gibt“, erzählt Bio-Bauer Neher, „kann ich schnell nach Hause.“ Auch als vor zehn Jahren seine Zwillingstöchter geboren wurden, kam ihm sein Arbeitgeber entgegen: „Drei Jahre lang habe ich im Werk auf 20 Wochenstunden reduziert.“

Allerdings: Die Meilensteine in der Entwicklung der Traktoren müssen pünktlich erreicht werden. „Zu den Montage-Terminen im Musterbau mit den Konstrukteuren muss ich auf jeden Fall da sein“, berichtet Neher.

Die Nachbarn unterstützen sich gegenseitig

Wenn dann seine Frau dringende Arbeiten auf dem Hof, wie das Mähen der Wiesen, nicht allein bewältigt, ist Hilfe gefragt. „Entweder erledigt das eine Lohnfirma oder der Sohn vom Nachbarhof springt ein.“ Neher weiß also ganz genau, wie wichtig Flexibilität für einen Unternehmer ist.

Dank der gegenseitigen Unterstützung in der Nachbarschaft kann er mit seiner Familie auch ab und zu wegfahren und Urlaub machen: „Im Sommer wandern und im Winter Ski fahren.“

Den Rest seines Jahresurlaubs verbringt Neher auf dem Hof. Dort hat er drei eigene Fendt-Traktoren – darunter einen mehr als 30 Jahre alten Oldtimer. Andere Marken kommen für ihn erst gar nicht infrage.

Persönlich

Herr Neher, wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Mein Vater hatte eine Hobby-Werkstatt. Dort hat er auch Oldtimer-Traktoren repariert. Und ich hatte schon immer den Wunsch, bei Fendt zu arbeiten.

Was reizt Sie am meisten?

Das Kreative. Da kann ich mich mit meinen Ideen richtig ausleben. Und ich arbeite immer am neuesten Produkt.

Worauf kommt es an?

Natürlich auf das Fachwissen, aber auch darauf, Lust an der Arbeit zu haben und sich für Technik zu begeistern.

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