So wird was aus pfiffigen Einfällen

Wie ein Ideenmanager von Schaeffler Mitarbeiter zum Mitdenken bringt

Herzogenaurach. Da reicht ein kleines, grünes Kunststoff-Klötzchen – und schon fällt ein ganzer Arbeitsschritt weg. „Es sind manchmal ganz einfache Änderungen, die viel bringen“, sagt Peter Badum (38), Ideenmanager im Industrie- und Automobilzuliefererkonzern Schaeffler in Herzogenaurach.

Das grüne Mini-Teil, entworfen von einem Mitarbeiter, erleichtert die Fertigung: Es federt in den Produktionsmaschinen den Schwung von Bauteilen ab und fixiert sie dann in einer Halterung.

Ohne zu verwackeln, kann die Prüfkamera jedes Teil aufnehmen und zack, zack mit dem Musterbild vergleichen. Vorteil: Auf die bisher nötige zusätzliche Sichtkontrolle kann verzichtet werden.

Das Unternehmen sammelte 2013 mehr als 13.000 Ideen

Badum hat schon viele solcher guten Einfälle von Mitarbeitern begleitet – bis zu ihrer Umsetzung in der Werkhalle. Seit zehn Jahren ist es sein Job, dafür zu sorgen, dass die Beschäftigten mitdenken. Und dass sie munter pfiffige Vorschläge einreichen, wie man Produkte und Arbeitsalltag verbessern kann. Badum ist sich sicher: „Jeder Mensch trägt gute Ideen in sich. Am besten, er teilt sie uns auch noch mit.“

Als Industriemeister ist er zwar vom Fach. Dennoch kann er die Fülle der Vorschläge natürlich nicht selbst bewerten. Da kommt ganz schön was zusammen: 2013 sammelte die Firma an den deutschen Standorten über 13.000 Ideen.

Sie alle folgen einem festen Weg: Fällt jemandem eine Möglichkeit zur Verbesserung ein, tippt er sie selbst in die dafür vorgesehene Software im Intranet ein. Zunächst landet der Vorschlag auf dem Tisch des direkten Vorgesetzten. Der gibt eine erste Einschätzung ab und reicht den Vorschlag weiter an die Gutachter im Fachbereich. Die Spezialisten kalkulieren den Nutzen – daraus ergibt sich die Höhe der Prämie für den Mitarbeiter.

„Mitdenken lohnt sich also“, sagt Badum. „Denn eine gute Idee kann durchaus auch eine gute Prämie bringen.“ Um die Motivation der Mitarbeiter zusätzlich anzukurbeln, lässt sich das Team vom Ideenmanagement immer wieder Sonderaktionen einfallen, etwa für die am schnellsten umgesetzte Idee. Den Gewinnern winken zum Beispiel Gutscheine für ein Erlebnis-Wochenende.

Die meisten Vorschläge bei Schaeffler stammen aus der Fertigung. „Wer tagtäglich an der Maschine steht, sieht am besten, wo man was verbessern kann“, so der Ideenmanager. Doch auch die Mitarbeiter in der Verwaltung machen sich Gedanken darüber, wie sie Abläufe optimieren können. Damit zum Beispiel Angebote schneller beim Kunden sind.

„Ab und zu muss ich den Führungskräften allerdings auf die Finger klopfen“, erzählt Badum mit einem Schmunzeln. Nämlich dann, wenn ein Vorschlag zu lange liegen bleibt. 30 Tage hat jeder Vorgesetzte Zeit, um einen Einfall zu bewerten. Ist die Frist um, wird gemahnt. Badum und das vierköpfige Team in Herzogenaurach gehen mit System an die Sache: „Das ist wichtig, damit keiner vergessen wird.“

Innovation gehört für ihn dazu, beruflich wie privat. Der Ideenmanager repariert zu Hause fast alles selbst und probiert gern Neues aus. Sein Hobby ist Eishockey: In dem Sport muss man hart arbeiten und im Spiel kreativ sein. Badum: „Diese Mischung bringt fast immer den Erfolg, ähnlich wie im Ideenmanagement.“

Besonders freut sich Badum, wenn aus dem Vorschlag eines Mitarbeiters etwas wirklich Großes wird. Auch wenn er sein „Baby“ dann weiterreichen muss – an die Patentabteilung von Schaeffler. Auch die hat gut zu tun: Das Unternehmen belegte letztes Jahr Platz zwei in der Statistik des Deutschen Patentamts.

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?
Ich komme aus dem Sondermaschinenbau. Dort ging es darum, Anlagen immer wieder zu optimieren – ganz wie im Ideenmanagement.

Was reizt Sie am meisten?
Die Vielfalt der Einfälle. Es ist schön zu sehen, wie selbst die einfachsten Ideen großen Nutzen für das Unternehmen bringen können.

Worauf kommt es an?
Man muss dranbleiben und hartnäckig sein. Und jedem, der einen Vorschlag einbringt, mit Wertschätzung begegnen.


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