In Deutschland angekommen

Wie ein früherer Irak-Flüchtling das Exportgeschäft im Nahen Osten ankurbelt

Mainburg. Tiefe Dankbarkeit. Die empfindet Schamschoun Youkhana (27) immer noch. Obwohl seine Schulzeit schon mehr als zehn Jahre zurückliegt: „Meine Lehrer haben sehr viel Geduld gezeigt, als sie mir Deutsch beigebracht haben.“ Denn am Anfang, als seine Familie mit ihm aus dem Irak nach Deutschland geflohen war, verstand der 13-Jährige hier – kein Wort.

„Der Start in Deutschland war brutal, ein Sprung ins kalte Wasser“, erzählt der gebürtige Araber heute in perfektem Deutsch. Längst hat er nicht nur einen deutschen Pass, sondern auch einen gut bezahlten Job in der Exportabteilung der Firma Wolf im niederbayerischen Mainburg. Dort kann er seinen persönlichen Hintergrund zum Vorteil der Firma einbringen.

Immer wieder Chancen genutzt

Dabei hatte Youkhana nach dem qualifizierenden Hauptschulabschluss eigentlich andere Pläne: Er hoffte auf eine Ausbildung in der Automobil-Branche – doch es hagelte Absage um Absage. Das Arbeitsamt vermittelte dann den Kontakt zu dem Hersteller von Heiz- und Klimatechnik. Schnell war ein Angebot da: „Ich schlug sofort zu“, erzählt der junge Mann. Bei Wolf absolvierte er die Ausbildung zum Fertigungsmechaniker. Und nutzte dann jede Aufstiegsmöglichkeit, die sich ihm bot: zunächst mehr Verantwortung in der Fertigung, dann die Weiterbildung und der Wechsel ins Kaufmännische.

„Ich habe mich immer engagiert – und bin daraufhin auch gefördert worden“, berichtet Youkhana zufrieden. „Ich bin froh, dass ich nun etwas für das Vertrauen zurückgeben kann, das viele Menschen in mich gesetzt haben.“

Für seine Firma ist der Mann ein Gewinn. Damit steht er beispielhaft für viele andere Zuwanderer, die ihre Kompetenzen in unsere Betriebe einbringen. Und Wirtschaftsverbände fordern ja schon lange, stärker auf Zuwanderung zu setzen, um der drohenden Fachkräftelücke zu begegnen. Deutschland hat inzwischen erkannt, welche bislang ungenutzten Potenziale in vielen Menschen stecken. Um sie besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren, will die Bundesregierung jetzt zum Beispiel die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse noch mehr erleichtern.

Möglichst vielen möglichst gute Chancen zu geben – das würde Youkhana natürlich sofort unterschreiben.

Er arbeitet bei Wolf in einem kleinen Team, kümmert sich um die Märkte in Nordeuropa, Nordafrika und dem Nahen Osten. Er reist viel, um neue Vertriebspartner zu gewinnen, über die Heizungen sowie Klima- und Energietechnik im Ausland verkauft werden können.

Herkunft macht Geschäfte leichter

Gerade im arabischen Raum ist sein persönlicher kultureller Hintergrund sehr wertvoll. „Aufgrund meiner Herkunft verstehe ich besonders gut, wie die Partner dort denken“, erklärt Youkhana. „Und wenn ich in einem Gespräch anbiete, vom Englischen ins Arabische zu wechseln, erzeugt das eine sehr große Nähe und schafft Vertrauen.“ Das nutzt der smarte Wolf-Mitarbeiter dann natürlich auch fürs Geschäft.

„Ich arbeite und lebe sehr zielorientiert“, sagt er. Zahlen, Fakten, Organisation – das bedeutetet ihm viel. Klingt alles nicht typisch arabisch? „Stimmt“, sagt Youkhana. „Aber ich ticke ja auch deutsch.“


Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ich hatte nach der Schule keine große Wahl, das Arbeitsamt hat geholfen. Beim Wechsel ins Kaufmännische war dann Glück dabei.

Was reizt Sie am meisten?

Erfolg ist befriedigend. Und den kann ich an Umsatzzahlen sehr gut messen. Außerdem präsentiere ich die Firma gerne nach außen.

Worauf kommt es an?

Ein gesundes Selbstbewusstsein ist Voraussetzung – und ich muss sehr kommunikativ sein. Zudem braucht es Geduld, Ausdauer und Menschenkenntnis.

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