Effizienz im Betrieb

Wie ein Energiemanager mit vielen Ideen für weniger Verbrauch sorgt

Roth. Sein Rezept ist einfach, aber wirkungsvoll: „Einige Kollegen muss ich fragen, ob sie das zu Hause auch tun“, sagt Carsten Diedrichs (44). Also das Licht anlassen in Räumen, in denen sich niemand aufhält. Oder Zimmer überheizen. „Dann macht’s meistens klick“, erzählt der Energiemanager des Leoni-Kabelwerks in Roth bei Nürnberg.

So holt er auch die ins Boot, die bisher nicht besonders auf den Energieverbrauch am Arbeitsplatz achten. Möglichst alle 830 Beschäftigten in Roth für Sparsamkeit zu sensibilisieren, ist für Diedrichs Alltag.

„Wir haben gar keine andere Wahl“

Genauso wie das Messen: „Erst einmal ist es wichtig zu wissen, wo im Werk wie viel Energie verbraucht wird“, sagt der gelernte Maschinenschlosser und Diplom-Wirtschaftsingenieur. Er leitet auch die Instandhaltung und ist für das Anlagen- und Gebäude-Management zuständig.

An einem Fünftel der Maschinen im Rother Stammwerk sind mittlerweile Zähler installiert. „Wenn gewisse Verbräuche von Strom, Druckluft oder Wasser unverhältnismäßig hoch sind, bekomme ich automatisch eine Warnung per E-Mail“, erklärt Diedrichs. Dann heißt es: Schnell die Ursache finden und Fehler beheben.

Die Anstrengungen für den effizienteren Einsatz von Energie lohnen sich auf jeden Fall: Von 2007 bis 2013 hat Leoni in Roth den Verbrauch in der Fertigung um gut 15 Prozent gesenkt.

„Um die Industrie am Standort Deutschland zu halten, haben wir gar keine andere Wahl“, mahnt Diedrichs. Denn im internationalen Vergleich sind hier die Stromkosten mit am höchsten. Großverbraucher in der deutschen Industrie zahlten nach Daten des EU-Statistikamts Eurostat zuletzt im Schnitt 10,2 Cent je Kilowattstunde. Für die meisten Konkurrenten in Europa kostet sie weniger, in Frankreich zum Beispiel nur 6 Cent.

Umso wichtiger ist mehr Effizienz. „Es sind viele einzelne Stellschrauben“, sagt Diedrichs. „Aber in der Summe zahlen sich unsere Anstrengungen aus.“ Beispiel Druckluft: Sie wird vor allem benötigt, um Kabel zu trocknen. Denn nach dem Ummanteln mit bis zu 400 Grad heißem Kunststoff werden diese in Wasserbecken gekühlt.

Den Verbrauch von Druckluft wegen undichter Stellen hat Leoni in Roth halbiert – dank regelmäßiger Prüf-Aktionen und eines Ultraschall-Messgeräts. „So können wir Lecks auch während der Produktion orten und direkt beheben“, sagt Diedrichs. Ersparnis: immerhin 18.000 Euro in jedem Jahr.

Und auch ein relativ einfacher Kniff bringt Erfolg: Mithilfe von Sensoren wird das Licht in einer Produktionshalle gedimmt oder ausgeschaltet – je nach der Helligkeit, die von außen durch die Dachfenster dringt. Die Lampen bleiben auch aus, wenn keiner im Gebäude ist. „Denn hier laufen Flechtmaschinen oft stundenlang, ohne dass Kollegen dabei sein müssen“, berichtet Diedrichs. Das Ganze spart fast zwei Drittel des Stroms für Licht.

Lernen für die „Fabrik der Zukunft“

Solche „intelligente Beleuchtung“ wird es in der „Fabrik der Zukunft“ überall geben: Für das neue Werk am Standort Roth, das das alte ersetzen wird, steckt Leoni mitten in der Planung. Angestrebt wird die Eröffnung im Jahr 2017 – zum 100. Geburtstag des Unternehmens.

„Wir lernen hier, was wir in der neuen Fabrik noch besser, einfacher und effizienter machen können“, sagt Diedrichs. Dann sollen etwa an allen Maschinen Energiezähler installiert und miteinander vernetzt werden. „Da werden wir noch einiges herausholen können.“

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?
Ich habe eine Ausbildung zum Maschinenschlosser gemacht, weil ich Lokführer werden wollte. Später habe ich mich zum Maschinenbau-Techniker weitergebildet und per Fernstudium das Wirtschaftsingenieur-Diplom erworben.

Was reizt Sie am meisten?
Die Aufgaben sind sehr vielseitig. Es geht darum, ständig Verbesserungen zu finden und durchzusetzen. Energieeffizienz ist wichtig, um Industrieproduktion in Deutschland zu halten.

Worauf kommt es an?
Vor allem auf die Zusammenarbeit im Team. Jeder kann nur so gut sein wie die ganze Mannschaft.


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