Autos einfach kleben

Wie Dow Automotive Systems das Schweißen überflüssig macht

Schkopau/Leipzig. Der BMW i3 nimmt langsam Gestalt an: Gerade montieren zwei Arbeiter im Leipziger Werk des bayerischen Autokonzerns das Dach auf die Karosse. Beide Teile sind aus Karbon, einem extrem leichten und festen Material aus Kohlenstofffasern. Bei dem Vorgang wird weder geschraubt, genietet oder geschweißt – hier wird geklebt!

Das gilt für viele Teile des „Stromers“ und ganz generell im Automobilbau. Ob Frontkonsolen, Dacheinlagen, Sitzelemente, Scheiben, Außenspiegel, Innenverkleidungen, ja sogar Motoren und Karosserie-Elemente: alles geklebt. Warum das so ist, weiß Verfahrenstechniker Frank Lücking, Qualitätsmanager bei Dow Automotive Systems in Schkopau (Sachsen-Anhalt).

„Schweißen oder Bohren schwächt das Material der Fügeteile, das Kleben nicht“, so der Experte. Und: Das Crash-Verhalten geklebter Autos sei besser als das geschweißter. Zudem spart der Einsatz von Klebstoff 20 Prozent Gewicht im Vergleich zum herkömmlichen Fügen – was den Spritverbrauch senkt.

In Schkopau produzieren 150 Mitarbeiter seit 2008 rund um die Uhr Klebstoffe für den Fahrzeugbau, aber auch für ICE-Züge. Die jährliche Menge reicht aus, um eine Klebstoffspur zehnmal um den Globus zu ziehen.

Elastisch, fest, durchsichtig, bunt: Aufs Rezept kommt’s an

Jede Anwendung braucht eine eigene Rezeptur. Entscheidend ist: Soll der Kleber Stahl mit Kunststoff verbinden? Langsam oder schnell fest werden? Als Ein- oder Zweikomponenten-Kleber zum Einsatz kommen? Elastisch oder fest aushärten, durchsichtig, schwarz oder farbig sein? „Wir produzieren unsere Produkte genau so, wie sie der Kunde benötigt“, erklärt Lücking. Deshalb bleibt zum Beispiel der Kleber von Frontscheiben elastisch, damit Erschütterungen nicht zu Rissen im Glas führen.

Im Auto stecken 15 bis 18 Kilo Klebstoff

Das Know-how der Klebstoff-Herstellung ist vor allem ein sehr sorgfältiges Mischen: Die Inhaltsstoffe müssen in einer bestimmten Reihenfolge, bei bestimmten Temperaturen und mit festgelegten Rührzeiten zu einer stabilen Verbindung verarbeitet werden. Die diversen Produkte lagern anschließend in riesigen Kesseln. „Die sind über Rohrleitungen mit der Abfüllung verbunden“, so Holm Lüttig, Technisch Verantwortlicher für den Bereich.

Dort befüllen Mitarbeiter große Fässer für die Taktstraßen der Auto-Industrie, aber auch kleine Reparatur-Kits für Werkstätten mit den diversen Klebstoffen – insgesamt über 100 Sorten.

Die Nachfrage ist groß: „Ein Auto enthält heute rund 15 bis 18 Kilo Klebstoff, Tendenz steigend“, weiß Lüttig. Darum wurde auch der Klebstoff-Bereich vor Ort kürzlich ausgebaut.


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