Da steckt noch mehr drin

Wie Domo Caproleuna die Leistung einer Anlage für ein Kunststoff-Vorprodukt stetig steigert

Leuna. Große Worte macht Helmut Bühnemann nicht, wenn er über die Riesenanlage spricht. Dabei ist sie so was wie sein Lebenswerk. Der 63-Jährige ist als Betriebsassistent verantwortlich für die Produktion des Kunststoff-Vorprodukts Caprolactam. Und er steckt viel Herzblut in die Anlage – um die Leistungsfähigkeit seiner Fertigungslinie immer weiter zu steigern.

Dort arbeiten 50 der insgesamt 525 Beschäftigten von Domo Caproleuna in Leuna (Sachsen-Anhalt). Und Bühnemann ist seit 42 Jahren hier tätig. Er kennt sozusagen jede Schraube und jedes Ventil der Anlage mit Vornamen. „Zurzeit ziehen wir gerade den letzten Schritt der Modernisierung durch“, berichtet er. Die holt wieder einige Prozent mehr aus dem Riesen und steigert die Jahreskapazität auf knapp 170.000 Tonnen. Zum Vergleich: Vor zwei Jahrzehnten waren es 50.000 Tonnen.

In mehreren Prozessstufen wurden nämlich Zusatzkapazitäten installiert, kleinere Apparate durch größere ersetzt. Was genau er und seine Kollegen verbessert haben, verrät Bühnemann nicht. „Der Wettbewerb schläft nicht“, sagt er. Nur so viel: Die Anlage in Leuna gehöre heute zu den effizientesten ihrer Art in der ganzen Welt.

Vor 20 Jahren übernahm Domo die Produktion

„Aus dem hier hergestellten Caprolactam gewinnt man den Kunststoff Polyamid 6“, erläutert der Betriebsassistent. Gleich gegenüber beim Tochterunternehmen Xentrys zum Beispiel.

Den vielseitigen Kunststoff findet man überall: „Als Benzintank im Auto, als Auslegware, Dübel oder Kabelbinder, als Gehäuse von Küchen- und Bohrmaschinen oder in Nylon-Strumpfhosen“, zählt der 63-Jährige einige Produkte auf.

Dank der Produktivitätssteigerung kann der Betrieb die hohen Energie- und Rohstoffkosten teilweise ausgleichen. Und sie ist eine schöne Jubiläumsgabe: Genau vor 20 Jahren hat der belgische Domo-Konzern die Caprolactam-Produktion übernommen. Bis dahin stellte Domo ausschließlich Teppichböden aus Polyamid-Garnen her. Nun begann man, auch die Rohstoffe selbst zu produzieren.

Werk in Leuna ist der Umsatzbringer

Über 600 Millionen Euro hat Domo seitdem investiert, fast alles im Werk wurde erneuert. Heute ist es ein Schmuckstück, ein „wettbewerbsfähiger, moderner und stark integrierter Chemiestandort“. So formulierte es kürzlich bei der Jubi-läumsfeier Alex Segers, geschäftsführender Vorstand der in Gent (Belgien) beheimateten Domo-Gruppe. Der Manager mahnte aber auch die anwesenden Politiker, alles für bezahlbare Energiekosten zu tun, damit die Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleibt.

Der Standort Leuna erwirtschaftet heute einen Großteil der gut 900 Millionen Euro Jahresumsatz des Konzerns (weltweit sechs Werke, 825 Mitarbeiter). Ohne die engagierte Mannschaft wäre der Standort in Sachsen-Anhalt nicht so erfolgreich, hebt Segers hervor.

Das verdankt er Leuten wie Helmut Bühnemann. Auch wenn dessen Rente naht: Er und sein Team denken schon über die nächste Verbesserung nach.


Schon gewusst?

Vorprodukt Caprolactam. Foto: Sturm
Vorprodukt Caprolactam. Foto: Sturm

Wie aus Vorprodukt der Kunststoff Polyamid 6 wird

  • Die Herstellung des Vorprodukts Caprolactam für den Kunststoff Polyamid 6 ist aufwendig. Ausgangsstoff Nummer eins namens Cyclohexanon wird bei Caproleuna aus Erdöl selbst hergestellt; Ausgangsstoff Nummer zwei gewinnt man aus Schwefelsäure und Ammoniak.
  • In vielen Verfahrensschritten mit einer Menge Zwischenprodukte entsteht aus diesen Substanzen das Caprolactam, das zum Schluss noch destilliert und gereinigt wird.
  • Aus Caprolactam wird dann durch Polymerisierung der Kunststoff Polyamid 6 hergestellt. Bei dieser Reaktion verbinden sich die Caprolactam-Moleküle zu langen Ketten.

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