Im Abenteuerland Technik

Wie die Wirtschaft geschickt um Nachwuchs wirbt


Essen. Auf dem Tisch steht eine Glaskugel. Aber was für eine! Scheint von der Seite eine Lampe drauf, dreht sich drinnen eine Mühle. Da bekommen die sechsjährige Kara und ihr Schwesterherz Julia (vier) große Augen. Der Trick: Die vier Flügel dieser sogenannten Lichtmühle sind vorne silbrig, hinten schwarz. Fällt das Licht auf die schwarzen Plättchen, erwärmen sie sich und bringen das Ding in Gang.

Zu sehen war die Glaskugel im ThyssenKrupp IdeenPark. Der Stahlkonzern hatte das zweiwöchige Super-Event im August in der Messe Essen organisiert – mit Unterstützung des Landes NRW und zahlreicher Partner aus Industrie und Forschung. In dieser Technik-Erlebniswelt mit rund 400 Exponaten und Experimenten gab es jede Menge zu gucken und auszuprobieren.

Normalerweise tourt die Lichtmühle, die Kara und Julia so fasziniert, durch die Grundschulen des Landes – mit 53 einfachen Physik- und Technik-Experimenten. Sie ist eine Station aus der „Miniphänomenta“, die unter anderem von der Landesvereinigung der Unternehmensverbände NRW gefördert wird.

Wettbewerb der kleinen Schrauber

Ein paar Meter weiter macht sich ein zehnjähriger „Monteur“ daran, einen Dichtungsring an die Ölleitung einer Servolenkung zu schrauben.

Unterdessen misst Frank Schmolke vom Autozulieferer Presta SteerTec, einer Tochter des Thyssen-Krupp-Konzerns, die Zeit: Der schnellste Teilnehmer bekommt einen Preis, die anderen Gummibärchen.

Zwei Minuten Bestzeit sind zu toppen. „Ein gelernter Monteur braucht dafür höchstens 40 Sekunden“, so Schmolke. „Diese Anlage haben wir direkt aus der Produktion geholt.“

Ausprobieren – und seine Stärken erkennen

Die achtjährige Judith und ihre Mutter schauen derweil zu, wie ein 3-D-Drucker eine Hand Schicht um Schicht aus buntem Plastik formt. Einfache 3-D-Drucker für zu Hause kann man sich aus dem Internet herunterladen, erklärt Betreuerin Carola Borovnik. Kompliziertere Geräte nutzt die Industrie – etwa für die Fertigung von Auto-Prototypen.

Der Arbeitgeberverband METALL NRW und das Technikzentrum Minden-Lübbecke haben hingegen eine abgespeckte Version ihres Berufsparcours aufgebaut. An einem der Tische versucht Jette, einen Metallwürfel zusammenzusetzen. Neben ihr überlegen zwei Mädchen, wie sie einen Stromkreis verkabeln sollen, damit es am Ende piepst. Andere biegen Figuren aus Draht oder versuchen, eine Rennstrecke nachzuzeichnen, die sie im Spiegel sehen.

Kinderspiel? Nein! So prüft man die eigene Eignung für verschiedene Berufe wie Elektrotechniker, Mechatroniker, Monteur oder Industrie-Designer.

„Wir machen in diesem Jahr zwölf Berufsparcours im Land für alle Schularten“, sagt Organisatorin Heike Hunecke von METALL NRW. „Dabei laden wir die Betriebe vor Ort ein, ihre Ausbildungsinhalte in Übungsstationen zu präsentieren.“ Während die Jugendlichen schweißen und schrauben, gucken ihnen Ausbilder zu – und bieten Interessierten einen Schnuppertag oder ein Praktikum im Betrieb an.

Hunecke weiß, dass viele Firmen Probleme haben, geeignete Bewerber zu finden. „Nach einer solchen Veranstaltung hat manch ein Betrieb mehr als 50 Jugendliche eingeladen.“

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