Sauberes Trinkwasser dank Hightech

Wie die Metall-Firma Kemper gefährlichen Bakterien in Leitungen vorbeugt

Olpe. Fabio Mariano hat bei Kemper eine rasante Entwicklung mitgemacht. Als der Zerspanungsmechaniker 1991 in dem Unternehmen in Olpe anfing, gab es noch keine der modernen Maschinen, die Rotguss-Bauteile bearbeiten, die fräsen, die Gewinde drehen. Eine davon richtet Mariano gerade ein. „Der Roboterarm hier kann die Maschine automatisch bestücken, und eine Kamera erkennt die genaue Position der Teile, die bearbeitet werden“, erklärt er.

Präzision ist alles. Aus dem vor 150 Jahren gegründeten Familienbetrieb der Gebr. Kemper GmbH & Co. KG ist ein Hightech-Unternehmen geworden. Das gilt auch für die Gießerei, die als eine der modernsten in Europa gilt und die in der Lage ist, hoch komplizierte Bauteile für die Sanitär-, Steuerungs- und Regeltechnik im Sandgussverfahren zu produzieren.

Armaturen für die Trinkwasserversorgung

Das Unternehmen, das 840 Mitarbeiter beschäftigt, hat nicht nur technische Sprünge gemacht. Es ist heute ein Systemanbieter, das soll die Zukunft sichern. Ein wichtiger Bestandteil dieser Strategie ist einer, der optisch nicht allzu viel hermacht: das Kemper Hygienesystem, kurz „KHS“.

Diese speziellen Armaturen für die Trinkwasserversorgung haben einen Strömungsteiler, der sich die Wirkung der sogenannten Venturi-Düse zunutze macht. Sie erzeugt immer dann, wenn Wasser läuft, einen Mitsaugeffekt, und zwar im ganzen Leitungssystem. Das bedeutet, dass alle Rohre mit allen Abzweigungen durchgespült werden, sobald nur durch einen Teil von ihnen Wasser fließt.

Wie wichtig das ist, erklärt Marketingleiter Stefan Pohl. „Viele gefährliche Lungenentzündungen zum Beispiel können auf eine Infektion mit Legionellen zurückgeführt werden. Das sind Bakterien, die sich in den Trinkwasserleitungen vermehren können.“

Grund dafür ist, dass das Wasser zu lange in den Leitungen steht und entweder nicht kalt genug oder nicht warm genug ist. „Bei unter 20 Grad passiert nichts, bei mehr als 55 Grad auch nicht. Alles dazwischen ist ein absolutes Wohlfühlklima für die Legionellen und andere Erreger“, sagt Pohl.

Um das Kaltwasser wirklich kalt zu halten, müssen die Leitungen häufig durchgespült werden. Und dafür gibt es in Krankenhäusern, Altenheimen, Hotels und anderen Großbetrieben eigene Teams, die nach einem verbindlichen Plan ganz einfach die Wasserhähne aufdrehen – an jeder einzelnen Entnahmestelle.

Das Hygienesystem von Kemper automatisiert diese Arbeit und spart so auch Wasser ein. Nach etwa zweieinhalb Jahren hätten sich die Kosten für das System in aller Regel schon amortisiert, so Pohl. Ingenieure und Installateure werden im hauseigenen Technikum geschult. Überhaupt bekommen die Planer ein komplettes Paket: Zum System gehört die im Tochterunternehmen entwickelte Software, die die gesamte Gebäudeinstallation berechnet und sogar simulieren kann.

Es geht auch um Energie-Effizienz

Mit der bloßen Herstellung von Gussteilen für das Leitungssystem ist es also längst nicht mehr getan. Kemper hat in Ergänzung zum Hygienesystem auch noch „KTS“ entwickelt, wobei „T“ für „Thermo“ steht: Das System sorgt für eine möglichst hygienische und energiesparende Erwärmung von Trinkwasser.

Derweil richtet Fabio Mariano die nächste Maschine ein. In der Gewissheit, dass sie gleich hochpräzise ans Werk geht.


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