Bei Gisela Döbbeling machen Mathe und Physik richtig Spaß

Wie Deutschlands Super-Lehrerin ihre Schüler für Zahlen begeistert


Heidelberg. Bah, Mathe! Bei der Frage nach dem unbeliebtesten Unterricht nennen 38 Prozent der Schüler dieses Fach oder eine Naturwissenschaft, so das Mannheimer Zentrum für Sozialforschung. Doch ein Blick ins Klassenzimmer von Gisela Döbbeling zeigt: Zahlen können richtig Spaß machen.

Roboter bauen

„Ich ergänze den Unterricht mit Praxis-Projekten“, sagt die Mathe- und Physiklehrerin. Wenn sie mit dem Riesen-Rechenschieber anrückt, sind nicht nur die Mädchen und Jungen des Hölderlin-Gymnasiums in Heidelberg begeistert. Die Uni Oldenburg und die Stiftung des Energieversorgers EWE haben ihr den Klaus-von Klitzing-Preis verliehen – als „Lehrerin des Jahres für naturwissenschaftliche Fächer“.

Bei Döbbeling lernen viele Schüler nachmittags freiwillig weiter. In ihrer MINT-Arbeitsgruppe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) bauen sie etwa Lego-Roboter und programmieren die Maschinen für einen Wettbewerb.

„Um so nah wie möglich an der Wirklichkeit zu sein, ist mir der Kontakt zu Wissenschaft und Unternehmen wichtig“, sagt die 56-Jährige. Entsprechend begehrt sind die 13 Plätze in ihrer MINT AG, für die es jedes Mal mehr Interessenten gibt.

Als zusätzlichen Motivationsanreiz lässt Döbbeling die Jugendlichen den Part des Lehrenden übernehmen. „Die Schüler lernen, indem sie ihre Erkenntnisse anderen vermitteln oder in der Öffentlichkeit präsentieren, bei Wettbewerben und Ausstellungen“, sagt sie. So zeigten sie bei „Jugend präsentiert“, wie man andere für Naturwissenschaften begeistern kann.

Die Arbeitsgruppe ist nur eines von vielen Angeboten, das die Lehrerin als Ergänzung zum Pflichtprogramm initiiert hat. So spornt sie Siebtklässlerinnen an, beim Club „Physik und Astronomie“ der Uni Heidelberg teilzunehmen. „Man kriegt dafür ja auch die Rückmeldung von den Schülern, dass sie die Projekte klasse finden“, sagt sie. „So etwas macht mir viel mehr Spaß als Strichlisten wegen nicht gemachter Hausaufgaben zu führen.“

Walnüsse untersuchen

Wie erfolgreich sie damit ist, zeigt das Beispiel von Bendix Labeit. „Ich habe in Frau Döbbelings MINT AG mit einigen Mitschülern einen Hefe- und Kolihemmstoff in Walnüssen entdeckt“, erzählt er.

Ein paar Jahre liegt das zurück, jetzt studiert er Medizin. Und bei der Preisverleihung an seine ehemalige Lehrerin hielt er eine Laudatio. Um Jugendliche für Naturwissenschaften zu gewinnen, brauche es mehr, „als nur einen coolen Film über die Mondlandung zu zeigen“, so der Student. Ein Lehrer müsse für die Komplexität eines Faches begeistern.

Damit ihr das gelingt, kann die Super-Lehrerin jetzt investieren. Mit 15.000 Euro ist der Preis dotiert, zwei Drittel davon müssen für Projekte eingesetzt werden.

Artikelfunktionen


Schlagwörter: Schule Ausbildung

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang