Riesen-Greifer sind ihre Spezialität

Wie der Weltmarktführer Salzgitter Maschinenbau Marktschwankungen besser begegnen will

Salzgitter. Mit geübten Handgriffen und viel Gefühl steuert Lina Walkowiak den 38 Kilo schweren Stahlbolzen zur Drehmaschine hin. Die Werkzeuge hat die angehende Zerspanungsmechanikerin dort schon eingebaut. „Der Bolzen ist für das Gelenk eines Greifers bestimmt“, erklärt die 20-Jährige. „Dafür müssen der Spannansatz und die Gewinde weggedreht werden.“ Auf Knopfdruck beginnt der Revolver zu rotieren, das Metall wird bearbeitet.

Zu Besuch in den riesigen „Hallenschiffen“ der Salzgitter Maschinenbau AG (SMAG). Hier entstehen Greifer jeder Art und Größe – mit zwei und mehr Schalen, mit Motor-, Hydraulik- oder Seilantrieb, für Schüttgut, Holz, Schrott und Agrarrohstoffe. „Kürzlich haben wir einen Mehrschalengreifer mit 54 Kubikmeter Volumen nach Indonesien ausgeliefert“, berichtet Rainer Kupetz, Leiter Operations. „Bei Greifern dieser Größe sind wir Weltmarktführer.“

Unter der Marke „Peiner Greifer“ vertreibt die SMAG auch spezielle Hebezeuge wie Spreader für Container oder Schwenkwerke. Zudem produziert man in Salzgitter mobile Antennenmasten für den Einsatz bei Katastropheneinsätzen, Funkübertragungen oder beim Militär.

Es ist das breite Spektrum an Greifern und das weltweite Servicenetz, das die SMAG an die Weltspitze gebracht hat. „2013 mussten wir allerdings, bedingt durch die Schifffahrts- und China-Krise, massive Auftragseinbrüche bei den Greifern verkraften und Personal abbauen“, berichtet der Vorstandsvorsitzende Sebastian Brandes. Doch jetzt gebe es neue Wachstumsperspektiven. Unter anderem will man stärker in Stahlwerken, bei der Müllverbrennung sowie in der Bau- und Holz-Industrie präsent sein.

Um die Arbeit in Salzgitter langfristig zu sichern, investiert das Unternehmen in neue Maschinen – und strukturiert die Fertigung neu: Künftig soll ein Mitarbeiter mehrere Maschinen bedienen können, und Prozesse sollen automatisiert werden. „Wir wollen den Standort höherwertig und damit zum Leitwerk machen“, so Brandes.

Schon heute ist Salzgitter Modell für die Greifer-Fertigung an den SMAG-Standorten in China und Indien. Azubi Lina Walkowiak, die im Januar ihre Lehre abschließen wird und schon einen Jahresvertrag in der Tasche hat, könnte in ihrem Arbeitsleben also noch viel herumkommen. „Ich bin froh, dass ich zur SMAG gekommen bin“, sagt sie. „Ursprünglich wollte ich mit Tieren arbeiten. Der Job hat mir gezeigt, dass ich bei Metall und Maschinen besser aufgehoben bin.“

Das Unternehmen

Salzgitter Maschinenbau AG

  • Das mittelständische Unternehmen Salzgitter Maschinenbau AG (SMAG) mit Hauptsitz in Salzgitter entwickelt und produziert seit 1919 Spezialmaschinen. Umsatz 2013: 170 Millionen Euro.
  • Dazu gehören die Marken „Peiner Greifer“ und „Salzgitter-Mast“ (Trägersysteme) sowie „Matec“ (Fahrkabinen, Döbeln), aber auch mobile Bergwerkstechnik und Bohrgeräte.
  • Weltweit beschäftigt die SMAG 900 Mitarbeiter, davon 350 in Salzgitter. Man produziert auch in Braunschweig und Peine.

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