Ausbildung

Wie der Weltkonzern Pirelli in Hessen den Nachwuchs rekrutiert

Breuberg im Odenwald. Rings um Markus Dächert schnaufen, zischen, brummen die Maschinen. Er lässt sich nicht stören: Sorgfältig testet er die Steuerung eines stählernen Ungetüms, das Reifen-Einzelteile zu Rohlingen für die Vulkanisation montiert.

„Wir warten die Anlagen regelmäßig, damit sie nicht überraschend ausfallen“, erklärt Dächert, Schicht-Elektriker bei Pirelli in Breuberg im Odenwald (Hessen). 2012 hat er bei dem Reifen-Hersteller seine Mechatroniker-Lehre abgeschlossen. Er wurde übernommen, ist mit dem Job sehr zufrieden: „Die Arbeit ist wie die Ausbildung – abwechslungsreich und anspruchsvoll.“ Er lerne immer noch hinzu, etwa aus den Erfahrungen der älteren Kollegen.

Die Azubis werden an die Hand genommen – aber Händchen halten gibt’s nicht

Jahr für Jahr bekommen in dem Pirelli-Werk 30 junge Leute einen Ausbildungsvertrag. Aus jeweils etwa 800 Bewerbern werden sie ausgewählt. Und kaum ein angehender Kaufmann, Mechatroniker, Zerspanungs- oder Verfahrensmechaniker hat sich je als Leichtgewicht erwiesen. Verantwortlich dafür: Tilo Schwarz und Christian Heckmann, die Ausbildungsleiter für technische und kaufmännische Berufe.

„Die Jugendlichen werden an die Hand genommen, aber Händchen halten gibt’s nicht“, bringt Schwarz das Konzept auf den Punkt. Nach einem halben Jahr Grundausbildung (für die Kaufleute vor Ort und für die technischen Berufe im IHK-Bildungszentrum im nahen Erbach) durchlaufen die jungen Leute die einzelnen Abteilungen im Werk, angeleitet von deren Ausbildungsbeauftragten.

„Die Azubis wollen gefordert werden, und ihre Arbeitskraft wird gebraucht“, unterstreicht Heckmann. „Es ist manchmal fast unglaublich, wie sie sich in den drei Jahren zu selbstständigen Persönlichkeiten entwickeln.“

Schwarz und Heckmann kümmern sich früh um den Nachwuchs. Sie holen jährlich 60 Schülerpraktikanten, präsentieren ihre Ausbildungsberufe in Schulen und am Wochenende auf Ausbildungsmessen. Sie bieten Werkbesichtigungen, Bewerbungstrainings, freiwillige Ferienpraktika.

Und so wissen hier viele schon früh, was sie wollen. Wie Joël Eckweiler, der nach einem Praktikum in der neunten Klasse eine kaufmännische Ausbildung bei Pirelli anstrebte – und bekam.

Auch er kann schnell mit anpacken. Etwa im Mitarbeiter-Shop „Pirelli Young Inside“, eigenverantwortlich betrieben von den kaufmännischen Azubis und von Studenten.

Der eine an der Maschine, der andere im Shop: Hier gibt es große Vielfalt unter einem Dach. Mit einer kulturellen Klammer – die Personalchef Josef Lottes so formuliert: „Fairness im Umgang miteinander, viel Eigenverantwortung für jeden Einzelnen, gute Führungskultur sowie ein bei allen verinnerlichtes Qualitätsstreben.“


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