Übernahme als Chance

Wie der Verkauf des Isolierkannenherstellers Alfi 170 Jobs sicherer machte

Wertheim. Waldemar Erbes bereitet Isolierkannen-Gehäuse vor: Gleich werden sie vollautomatisch verchromt. Dass es diesen Arbeitsplatz in Wertheim gibt, ist vielleicht Glück. Oder Schicksal. Jedenfalls wussten die 170 Stammbeschäftigten des Isolierkannenherstellers Alfi im Jahr 2014 nicht, wie es weitergehen sollte – ausgerechnet, während sie das 100. Firmenjubiläum feierten. Denn die WMF-Gruppe, zu der sie gehörten, verschlankte sich, ging auf Sparkurs.

„Es war eine Zeit zwischen Bangen und Hoffen“, erzählt Alfi-Geschäftsführer Hubert Sauter mit einer Falte auf der Stirn. Die Alfi-Isolierkanne made in Wertheim: Immer wieder hat sie Designpreise geholt. Einer der Klassiker, die „Juwel“-Kanne, wird sogar „Kanzler-Kanne“ genannt, weil sie im Kanzleramt auf die Tische kommt. Und nun sah manch einer aus der Belegschaft schon vor sich, wie in dieser Traditionsfirma ein Teil der Lichter ausgeht.

Was dann folgt, ist wie eine Liebesgeschichte. Der US-Kannenhersteller Thermos kauft Alfi. In beiden Unternehmen schlägt das gleiche Herz: Thermos stammt, wie Alfi, aus Thüringen, entstand dort zehn Jahre früher. „Wir profitieren sehr stark voneinander“, schwärmt Sauter.

„Besser hätte es nicht kommen können!“

Kein einziger Arbeitsplatz sei verloren gegangen, erzählt der Firmenchef, der schon sein ganzes Berufsleben lang in diesem Betrieb ist. „Wir haben ganz neue Perspektiven.“

Alfi hatte bisher zwar schon Kunden in fast 90 Ländern, doch jetzt ist der Draht zu Staaten wie China und Japan noch stärker. Immerhin ist Thermos mit einem Jahresumsatz von rund einer halben Milliarde US-Dollar ein Riese im Vergleich zu Alfi (etwa 25 Millionen Euro Umsatz) und hat Produktionsstätten in verschiedenen Ländern. „Umgekehrt sind wir für Thermos eine wichtige Hilfe, um im europäischen Markt Fuß zu fassen“, erläutert Sauter.

Ralf Müller, technischer Leiter, beschreibt: „Gerade die Tatsache, dass bei uns alles made in Germany ist, war für Thermos von größtem Interesse.“ Damit sich die Produktion in Wertheim trotz hoher Arbeitskosten weiterhin lohnt, musste sie allerdings bereits in den vergangenen Jahren stark modernisiert werden. Heute arbeiten die Mitarbeiter Hand in Hand mit Robotern, zum Beispiel an der neuen Siebdruck-Anlage.

Die Mitarbeiter konnten neue Arbeitsplätze mitgestalten. Es sei nicht leicht, durch Produktivitätssteigerung die Tariflohnerhöhungen der vergangenen Jahre wieder wettzumachen, schildert Sauter. „Deshalb müssen wir den Fortschritt der Technik nutzen, wo es nur geht.“ Für den technischen Leiter Müller gehen die gesetzlichen Auflagen etwa zu Arbeitsschutz und Produktionsabläufen hierzulande über ein vernünftiges Maß hinaus: „Die Überregulierung ist ein typisch deutsches Problem, das Geld und Zeit kostet“, meint er, „und das uns kein Kunde bezahlt.“

Dennoch sind die Aussichten jetzt wieder rosig. Sauter: „Der Teamgeist ist viel stärker geworden, und sogar Wachstumspläne sind wieder drin.“


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