Menschen

Wie der Vater, so die Tochter


Beeindruckt: Bereits als Kind wurde Verena Poloczek von solchen Großtransformatoren in den Bann gezogen. Sie sind heute bis zu 400 Tonnen schwer. Foto: Karmann

Verena Poloczek verschickt Trafos von Siemens – in der zweiten Generation

Nürnberg. Erfahrene Unternehmer und Kollegen, die zu Beginn eines Gesprächs kurz stocken – Verena Poloczek kennt das mittlerweile. Gerade langjährige Geschäftspartner verwirrt die 30 Jahre junge Siemens-Mitarbeiterin immer mal wieder. Die Verkehrsfachwirtin braucht nur ans Telefon zu gehen.

Manche glauben, der Papa ist am Hörer

Grund dafür ist ihr Familienname. Poloczeks Vater arbeitete 34 Jahre lang im Nürnberger Trafowerk von Siemens, bevor er sich 2008 in die Rente verabschiedete. Den Großteil seines Jobs übernahm damals die Tochter – ebenso seine Durchwahl.

„Manche glauben, sie hätten meinen Papa aus Versehen auf der Privatnummer angerufen, wenn ich mich melde“, erklärt Tochter Poloczek. Dann muss die junge Frau schmunzeln. Familien-Nachfolge in einem Weltkonzern: Damit rechnet eben niemand.

Wie ihr Vater verantwortet die gebürtige Fürtherin, dass Großtransformatoren unbeschadet zu ihren Käufern gelangen. Sie helfen etwa, riesige Mengen Strom ohne großen Verlust über lange Strecken zu transportieren.

Die größten Trafos sind 400 Tonnen schwer und 14 Meter lang. Die Wege nach China, Indien oder in die USA sind weit, die Logistik kompliziert. Der schnelle und einfache Weg per Luftfracht ist da die absolute Ausnahme – viel zu teuer.

Der typische Transport benötigt Lkw, Binnenschiff und den Seefrachter – sowie jede Menge Koordination. Hinzu kommt für Poloczek: Sie muss die Route auf Sicherheit überprüfen und mit Transportunternehmern ums Geld feilschen. Und auch die Zoll-Abwicklung kostet Zeit.

Trotzdem gibt’s kaum eine Verladung am Nürnberger Hafen, bei der die junge Frau nicht dabei ist – egal ob am Wochenende oder spät in der Nacht. „Die Trafos sind meine Babys, sie sind mein Leben und waren es schon immer“, sagt Poloczek.

Bereits als Kind wurde Poloczek von ihrem Papa mitgenommen, wenn Trafos spektakulär verschifft wurden. Doch trotz dieser Eindrücke wurde sie nach dem Abitur zunächst Krankenschwester: „Ich wollte mir damals einfach nicht eingestehen, dass ich das Gleiche machen will wie meine Eltern.“

„Ich habe mir Respekt verschafft“

Heute ist die Tochter glücklich, dass sie in einer Spedition noch  ihre zweite Ausbildung gemacht hat – zur Speditionskauffrau, dem Beruf nicht nur des Vaters, sondern auch der Mutter. Es war die Basis für den „Traum-Job“ im Siemens-Trafowerk. Anfangs sahen einige Kollegen die Familiennachfolge etwas skeptisch. „Ich habe mir aber längst Respekt in der Firma verschafft“, sagt Poloczek. „Und wegen Gerede lasse ich mir meinen Traum bestimmt nicht kaputtmachen.“

Die Tochter weiß, wie groß die Fußstapfen ihres Vaters sind, der im Werk alles und jeden kennt. Vielleicht spricht sie deshalb auch privat so gerne mit ihrem Vorgänger. Fast jedes Wochenende besucht sie ihre Eltern. Der Papa gibt dann am Küchentisch bereitwillig seinen Rat – wenn er gefragt wird.

Nur einmal war Poloczek bislang ganz auf sich allein gestellt. Für eine Luftfracht durfte sie das riesige russische Transportflugzeug Antonow buchen und bei der Verladung dabei sein. Ihrem Vater war das in Jahrzehnten nicht vergönnt gewesen.

„Als ich zu Hause davon erzählt habe“, sagt Poloczek, „war er richtig neidisch.“


Meine Arbeit

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Bereits während meiner Ausbildung zur Kauffrau für Spedition und Logistik habe ich das Interesse für Schwergut- und Spezialtransporte entdeckt. Als die Stelle im Werk frei wurde, habe ich diese Chance genutzt!

Was gefällt Ihnen besonders?

Wenn nach langer Planung und Vorbereitung der Transport genauso abläuft wie vorgesehen und alle Beteiligten zufrieden sind.

Worauf kommt es an?

Auf Fachwissen, Genauigkeit, Konzentration, Zielstrebigkeit und enge Zusammenarbeit mit Kollegen und Geschäftspartnern.

 

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