Neuer Metallarbeitgeberpräsident

Wie der Unternehmer und Chef von Metall NRW, Arndt G. Kirchhoff, tickt

Attendorn. Ob etwas wirklich Fortschritt ist oder nur scheinbar, das testet man in der Firma von Arndt G. Kirchhoff auf einem drei mal vier Meter großen Metallpodest. Einer „Dauerschwinganlage“. Sie ermittelt die Lebensdauer der komplexen Metall- und Verbundstrukturen, die bei Kirchhoff Automotive im südwestfälischen Attendorn entstehen: Rohkarosserien und Fahrwerke für Autohersteller weltweit.

„Innovation ist immer die nächste konkrete Verbesserung am aktuellen Produkt“, sagt Firmenchef Kirchhoff, als er Mitte September Wirtschaftsjournalisten aus ganz Deutschland durch das Werk führt. Die sind angereist, um ihn näher kennenzulernen. Denn seit Juni ist Kirchhoff (59) als Nachfolger von Horst-Werner Maier-Hunke Arbeitgeberpräsident der Metall- und Elektro-Industrie in NRW.

Wie tickt der Neue, auch im Hinblick auf die demnächst anstehende Tarifrunde?

Kirchhoff eilt durch das Werk in Attendorn (900 Mitarbeiter, eine von 46 Fabriken in 16 Ländern) und schwärmt von der Faszination des nächsten Schritts. Die neue Laserschweißanlage, futuristische Konstruktionen aus Alu und Kunststoff: „Sie alle wollen schließlich, dass Ihr Auto robust ist – trotzdem soll es immer leichter und sparsamer sein.“

Er hält vor einem Frontgestell, das für den US-Markt konstruiert wurde. Das Teil weicht vom Europa-Produkt stark ab, weil in Amerika andere Zulassungsnormen gelten. Ein Beispiel, sagt Kirchhoff, warum das geplante Freihandelsabkommen TTIP so wichtig ist. „Wenn man sich einigt, haben alle was davon.“ Und: „Man sollte nicht mit den 20 Prozent anfangen, die uns trennen, sondern mit den anderen 80 Prozent. Wir sollten das umsetzen, was trägt.“

So geht er auch die Tarifrunde an. Dass die Industriegewerkschaft Metall außer über Geld auch über flexible Wege in die Rente und neue Modelle der Fortbildung reden möchte, findet Kirchhoff erst einmal okay. Vielleicht kommen ja Konstruktionen heraus, die dem Dauerschwingungstest standhalten. „Aber am Ende ist natürlich die Frage: Was kostet das?“

Die Lohnstückkosten, also die Arbeitskosten je Produkteinheit, hätten sich ja zuletzt „in die falsche Richtung“ entwickelt. Noch seien die Zahlen „eigentlich ganz gut“, vor allem am Arbeitsmarkt und bei den Steuereinnahmen. „Aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht übermütig werden.“

Der Mann wohnt am Ort, führt die Kirchhoff Gruppe (10.500 Mitarbeiter, 1,6 Milliarden Euro Jahresumsatz) zusammen mit seinen beiden Brüdern. Zu der „Muckibude“ neben der Fabrik, in der Mitarbeiter in der Mittagspause verschwinden, merkt er an: „Ich geh da auch hin.“ Konkreter Belastungstest eben. Auf den vertraut er, im Großen wie im Kleinen.

Firmen-Steckbrief

Kirchhoff Gruppe

  • Die Wurzeln des Familien­unternehmens mit Sitz in Iserlohn reichen bis 1785 zurück.
  • Das Geschäft teilt sich in die Bereiche Automotive (Metallstrukturen), Mobility (Fahrzeugumbauten), Faun Umwelttechnik und Witte Werkzeuge.

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