Interview: „Datenschutz geht alle an“

Wie der NSA-Abhörskandal und andere Affären unsere Betriebe tangieren


Worms. Der Abhörskandal rund um den US-Nachrichtendienst NSA, die Enthüllungen des Ex-Agenten Edward Snowden – viele Bürger sind besorgt um ihre Privatsphäre. Wie sieht das aus betrieblicher Sicht aus? Fragen an Dirk Ehlert, den Datenschutzbeauftragten beim Kunststoff-Verarbeiter Renolit in Worms (4.500 Mitarbeiter).

Der Fall Snowden erregte Aufsehen. Haben Sie in Ihrem Unternehmen eigentlich mit „Datenklau“ zu tun?

Edward Snowden hat mit seinen Enthüllungen gezeigt, was alles möglich ist. Dass Daten flächendeckend abgeschöpft wurden, ist alarmierend – es ist gut, dass sich die Bundesregierung jetzt für eine IT-Strategie auf europäischer Ebene einsetzen will. Wir bei Renolit haben in unseren Rechenzentren ausgeklügelte Sicherheitssysteme – die sind für Angreifer schwer zu überwinden. Wir bringen das immer auf den neuesten Stand. Parallel sensibilisieren wir unsere Mitarbeiter.

Sensibilisieren? Wofür denn?

Mitarbeiter sind bevorzugte Ziele von Angreifern. Erst dadurch, dass Links oder Dateianhänge in E-Mails geöffnet oder gar Passwörter preisgegeben werden, können Angriffe über Trojaner oder andere Schadsoftware erfolgreich gestartet werden. Zudem basieren die meisten Datenschutzskandale, von der NSA-Affäre mal abgesehen, oft ebenfalls auf menschlichem Fehlverhalten oder Unachtsamkeit.

Wie gehen Sie als Datenschutzbeauftragter da vor?

Ich gebe zum Beispiel bei aktuellen Anlässen per E-Mail „Datenschutzbriefe“ an die Mitarbeiter heraus. Mit Themen wie „Speichermedien richtig löschen“, „Das Einmaleins des Datenschutzrechts“ oder „Mobiles Internet“. Vor allem aber überwache ich die Prozesse, in denen personenbezogene Daten verarbeitet werden. Von Bewerber- über Mitarbeiter- bis zu Kundendaten. Da geht es auch um die an manchen Stellen unumgängliche Videoüberwachung.

Wie sicher sind denn zum Beispiel die Mitarbeiterdaten?

Bevor eine Verarbeitung von personenbezogenen Daten erfolgt, werde ich mit ins Boot genommen. Die damit befassten Kollegen haben den entscheidenden Satz aus dem Bundesdatenschutzgesetz verinnerlicht: „Personenbezogene Daten dürfen nur erhoben, verarbeitet oder genutzt werden, wenn eine Rechtsvorschrift dies ausdrücklich erlaubt oder eine wirksame Einwilligung des Betroffenen vorliegt.“

Ist der Datenschutz inzwischen wichtiger als früher?

Zweifellos. Das Datenschutzniveau bei Renolit hat in den letzten zwei Jahren stark zugenommen. Man kann sagen: In der Vergangenheit wurde der Umgang mit personenbezogenen Daten nicht hinterfragt, heute sind wir da sehr gewissenhaft. Das geht alle Mitarbeiter an – mir ist es wichtig, dass wirklich alle aktiv am Datenschutz teilnehmen. Wir informieren unsere Mitarbeiter über soziale Netzwerke und geben auch Hilfestellung im privaten Bereich, etwa zum Thema „Internetfallen für Kinder“.

Wenn Sie selbst privat ins Internet gehen – hat sich da Ihr Verhalten geändert?

Ich bin in letzter Zeit noch vorsichtiger geworden. Nach Möglichkeit gebe ich so wenige Daten von mir weiter, wie es der Vorgang erlaubt. Ich gebe zum Beispiel Bestellungen oder Informationen nur über sichere Seiten weiter, deren Adresse mit „https“ anfängt. Viele User wissen gar nicht, dass die gewöhnlichen „http“-Seiten unsicher und nicht geschützt sind.

Lesen Sie hier auf AKTIVonline: Dirk Ehlert empfiehlt zehn goldene Datenschutz-Regeln zur Nutzung sozialer Netzwerke.

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