„Altlasten wollen wir nicht vererben“

Wie der Chemie- und Pharma-Konzern Merck Verantwortung im In- und Ausland übernimmt


Darmstadt. Ein Bagger frisst sich in einen Parkplatz am Rhein beim hessischen Gernsheim und holt eine feste, weiße Masse aus dem Boden – Tonne um Tonne. „Das sind kritische Produktionsrückstände aus den 60er-Jahren“, erklärt Daniele Bruns, Leiterin Sicherheit und Umwelt beim Chemie- und Pharma-Konzern Merck in Darmstadt. Der Abfall wird jetzt aufwendig entsorgt. Bruns: „Altlasten wollen wir nicht vererben!“

Rückblick. Um 1935 entdeckten Wissenschaftler ein Mittel (Lindan), das Raps, Kohl, Kartoffeln, Möhren und anderes Gemüse vor gefräßigen Insekten schützt. Die Welt feierte den Wirkstoff Hexachlorcyclohexan (HCH) als Heilsbringer. Von 1954 bis 1972 produzierte Merck das Mittel am Standort Gernsheim.

Die Produktionsreste, ein gipsartiges Pulver, füllte das Unternehmen mit behördlichem Segen zwischen zwei Dämme am Rheinufer. Und baute darauf einen Parkplatz. „Der Abfallstoff wurde damals von verschiedenen Fachleuten als unbedenkliches Baumaterial eingestuft“, so Bruns, selbst promovierte Chemikerin.

1970 ging die Lindan-Produktion weltweit zurück: Denn das Mittel schadete der Umwelt und zeigte gesundheitsgefährdende Eigenschaften. Seit 1984 wird es in Deutschland nicht mehr hergestellt, war aber noch bis Ende 2007 europaweit im Einsatz.

Auch der Abfallstoff erweist sich nachträglich als problematisch. Besonders, wenn er ins Wasser gelangt. Da Merck bereits 1970 große Brunnen für die Gewinnung von Produktionswasser am Standort baute, saugt man seitdem auch deshalb das gesamte Grundwasser ab und reinigt es mit Aktivkohlefiltern, bevor es in den Rhein fließt.

Ein Zustand, der den rechtlichen Anforderungen genügt – nicht aber Merck: Seit dem Jahr 2004 gibt es ein millionenschweres Programm, um das Restelager am Rhein zu säubern. Projektleiter Wolfgang Prinz: „Bisher haben wir gut 20.000 Tonnen entfernt“, so der Chemie-Ingenieur, „in vier Jahren wollen wir fertig sein.“ Das abgebaute Produkt lässt Merck in Spezialanlagen verbrennen und gewinnt dabei Chlor, ein Ausgangsprodukt für Kunststoff.

Zukunftsinitiative „Chemie hoch 3“

Die Altlasten sind ein Stück Geschichte, mit dem Merck offen umgeht: „Wir kehren hier nichts unter den Teppich“, sagt Prinz. Das passt zu dem Familienunternehmen, das sich zur Nachhaltigkeit bekennt und trotz eines internen Sparprogramms an der teuren Säuberungsaktion festhält: „Nachhaltigkeit umfasst langfristiges Denken zum Wohle von Umwelt, Mensch und Wirtschaft“, so Merck-Chef Karl-Ludwig Kley, Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie, anlässlich der Vorstellung der Zukunftsinitiative „Chemie hoch 3“ in Frankfurt.

Das gilt nicht nur für Deutschland: In Afrika bekämpft Merck seit 2007 mit der Weltgesundheitsorganisation WHO die Wurmerkrankung Bilharziose, an der über 200 Millionen Menschen leiden. Und spendete seitdem über 100 Millionen Tabletten mit „Praziquantel“ – dem einzigen Wirkstoff, der gegen alle Formen des Übels hilft. Merck arbeitet daran, sein Engagement auf 250 Millionen Tabletten pro Jahr anzuheben.

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Schlagwörter: Chemie Umwelt

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