Industrie 4.0

Wie das Unternehmen Pilz die Zusammenarbeit mit dem Roboter sicherer macht

Ostfildern. Christoph Goschurny und Heiko Böhringer tüfteln noch an Feinheiten: Hat der Roboterarm das Schokotäfelchen mit der richtigen Farbe gegriffen? Ihre Modell-Installation führen sie immer wieder Interessenten vor – etwa bei der großen Industriemesse in Hannover.

Das Besondere: Der Roboter muss nicht nur Schokotäfelchen erkennen und richtig sortieren, er muss auch Hand in Hand mit Menschen arbeiten. Das stellt höchste Anforderungen an die Sicherheit: „Wenn ein Mitarbeiter in seine Nähe kommt, wird er langsamer“, erklärt Ingenieur Böhringer. Denn bei einem Kontakt könnte der Facharbeiter verletzt werden.

Eine Spezialkamera überwacht alles

Für Sicherheit sorgt das an der Decke montierte „Safety Eye“, eine Kamera, die den ganzen Raum um den Roboter beobachtet. Entwickelt wurde dieses „Sicherheitsauge“ beim Unternehmen Pilz in Ostfildern. Auch in der digitalisierten Industrie spielt die Sicherheit der Mitarbeiter eine große Rolle. Gerade bei der Mensch-Maschine-Kommunikation: Mit dem Kamerasystem Safety Eye wird verhindert, dass es überhaupt zu einem Kontakt kommt.

Der „Botschafter der Sicherheit“, wie das Unternehmen sich selbst nennt, gehört zu den innovativsten Unternehmen der Automatisierungstechnik und hat weltweit 2.030 Mitarbeiter, 972 davon in Ostfildern. Das von Renate Pilz und ihren Kindern Susanne und Thomas geführte Unternehmen ist schwäbisch bescheiden, gehört zu den „Hidden Champions“, den versteckten Weltmarktführern.

Das „Sicherheitsauge“ ist bis heute das einzige sichere Kamerasystem zur 3-D-Raumüberwachung. Pilz hat es bereits vor zehn Jahren mit Partnern entwickelt. Es ist ein Meilenstein auf dem Weg zu Industrie 4.0.

Geschichte schrieb das Unternehmen auch mit dem weltweit ersten Sicherheitsschaltgerät, das es 1987 auf den Markt brachte und im vergangenen Jahr über eine Million Mal verkaufte.

Der Name „PNOZ“ steht für „Pilz-Not-Aus-Zwangsgeführt“. Und ist so geläufig wie „Tempo“ für Papiertaschentücher. Es sorgt in Maschinen und Anlagen ebenso für Sicherheit wie in der Achterbahn oder im Skilift.

Doch ein Not-Aus-System reicht für die vernetzte Produktion nicht mehr aus: Es wäre zu teuer, wenn die Fertigung bei jeder Störung stillstehen würde. Die Ingenieure bei Pilz haben auch dafür eine Lösung entwickelt: das Automatisierungssystem „PSS 4000“. Damit können einzelne Module in einer vernetzten Produktionsstraße sicher gesteuert werden, ohne die ganze Fabrik zum Stehen zu bringen. Bei Pilz spricht man hier von dynamischer Sicherheit: Die soll helfen, kostengünstig und effizient zu produzieren.

Jeder fünfte Euro fließt in die Entwicklung

Um an der Spitze zu bleiben, arbeitet Pilz mit Forschungseinrichtungen zusammen und steckt jährlich ein Fünftel des Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Pilz war der einzige Mittelständler, der in die „Forschungsunion Wirtschaft-Wissenschaft“ berufen wurde, die 2006 bis 2013 die Hightech-Strategie der Bundesregierung begleitet hat.

Von der guten Entwicklung profitieren auch die Mitarbeiter. Ihre Zahl soll heuer weltweit um weitere 260 wachsen.


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