Weidmüller hat in der Fertigung „Bus-Haltestellen“

Wie das Elektronikunternehmen seine Abläufe optimiert


Jeden Tag ein bisschen besser: Wie das Elektronik-Unternehmen Weidmüller seine Fertigung optimiert

Detmold. Olaf Schaffarczyk steuert den Ort mit dem vertrauten Verkehrsschild „Bushaltestelle“ an – doch hier steigen keine Menschen zu. Sondern Karten mit Materialbestellungen. „Die Kollegen legen sie hier immer dann ab, wenn ihre Maschine neues Material braucht“, erklärt der Logistiker auf dem gelben Karren – und schwingt sich wieder hinters Lenkrad.

Weiter geht’s: Der Karren fährt die Material-Haltestellen nach festem Plan an, zweimal pro Schicht, liefert Bestellungen aus und holt die fertigen Produkte ab. Willkommen bei Weidmüller in Detmold: Die pfiffige Logistik-Lösung ist nur ein Beispiel dafür, wie das Elektronik-Unternehmen seine Fertigung optimiert hat.

Weidmüller produziert am Stammsitz mehrere Millionen Klemmen und andere elektrische und elektronische Bauteile für die Verbindungstechnik. Pro Woche! Sie stecken „überall dort, wo Daten, Signale und Energie übertragen, umgewandelt und gesteuert werden“, sagt Vorstandssprecher Peter Köhler. Also in unzähligen Maschinen, Schaltschränken und Umspann-Anlagen.

Im letzten Jahr konnte der Weltmarktführer für elektrische Verbindungstechnik seinen Umsatz erneut deutlich steigern, um 16 Prozent. Damit lag das Familienunternehmen weit über dem Durchschnitt der deutschen Elektro-Branche, die einen Anstieg von 9 Prozent schaffte.

Kleine Ursache, große Wirkung

Besonders der asiatische Markt legte stark zu. „In China werden die Infrastruktur und die erneuerbaren Energien ausgebaut. Hier haben wir sogar noch Marktanteile hinzugewonnen“, sagt Firmenchef Köhler. Die hohe Nachfrage in Asien, aber auch in Ost- und Nordeuropa gleicht den massiven Absatzeinbruch in einigen Euro-Ländern aus.

Obwohl das Geschäft so brummt, läuft es in der Produktion reibungslos. Grund: In den drei Schichten ist alles bis ins letzte Detail durchgetaktet. Und doch gibt man sich bei Weidmüller mit dem Erreichten nicht zufrieden. „Unsere Mitarbeiter machen pro Woche 20 bis 30 Verbesserungsvorschläge“, sagt Ralf Hoppe, der für Produktion zuständige Geschäftsführer.

Kaum zu glauben, dass es in der peinlich sauberen, aufgeräumten und hochautomatisierten Fabrik immer noch so viel zu perfektionieren gibt. „Man muss sehen lernen! Den Blick für Details, den wird man dann nicht mehr los“, sagt Hoppe und hebt einen Tonnendeckel auf, der auf dem falschen Platz liegt.

„Es sind kleine Schritte“, setzt Marcus Püster nach. Mit seinem Team arbeitet er an der Optimierung der Maschinen: „Wenn wir den Nutzungsgrad auch nur um 5 Prozent erhöhen, ist das eine Menge.“

Woran lag’s, dass der Kegel an einer Anlage beim Einschrauben immer wieder brach? „Wir haben eine Kameraüberwachung installiert“, erzählt Püster. „Und stellten fest: Die Schraube beißt rein. Jetzt schrauben wir eine viertel Umdrehung zurück – und die Maschine bleibt nicht mehr stehen.“

Im letzten Jahr viele neue Arbeitsplätze

Probleme kreativ angehen: Das macht den Stammsitz zum Vorbild für alle Entwicklungs- und Produktionsstandorte von Weidmüller weltweit. Sie alle orientieren sich an Detmold.

Und weil man so hart am Erfolg arbeitet, schafft man auch neue Arbeitsplätze: 2011 kamen weltweit 400 hinzu, jeder vierte davon in Detmold. „Wir haben in der Fertigung nur Fachkräfte, keine Angelernten“, betont Gechäftsführer Hoppe. Die Firma bildet aus, sie hat sogar eine eigene Akademie.

Trotzdem ist der Fachkräftemangel in der Region ein großes Thema: Weidmüller schaut sich deshalb auch in Südeuropa nach Spezialisten um.

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Info: Weidmüller

Das Unternehmen stellt Reihenklemmen, Relais, Elektronikgehäuse und andere Komponenten für die Automatisierung her. Wichtigster Kunde ist der Maschinenbau. Zum Einsatz kommen die Produkte auch in der Chemiebranche, der Energieerzeugung und -verteilung, im Transportwesen und in der Gebäudetechnik. Die 4.400 Beschäftigten weltweit erwirtschafteten 2011 rund 620 Millionen Euro. Am Firmensitz Detmold sind es 1.800 Mitarbeiter.

Unternehmen in diesem Artikel

Weidmüller Interface GmbH & Co. KG

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Weidmüller Interface GmbH & Co. KG
Klingenbergstraße 16
32758 Detmold

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