Auf die Konzentration kommt es an

Wie Chemikant Daniel Bergbold bei Lanxess seine Anlage und die Karriere im Griff hat

Daniel Bergbold hat den derzeit gesuchtesten Beruf der Branche: Über 5.500 Chemikanten bilden die Chemiefirmen bundesweit aus. Was den Berufsalltag ausmacht, verrät der Mitarbeiter von Lanxess in Mannheim hier.

Hoch hinaus: Der Abschluss zum Meister ist bereits in Reichweite. Foto: Sandro

Hoch hinaus: Der Abschluss zum Meister ist bereits in Reichweite. Foto: Sandro

In der Messwarte: Auf den Bildschirmen kontrolliert Daniel Bergbold die Prozesse. Foto: Sandro

In der Messwarte: Auf den Bildschirmen kontrolliert Daniel Bergbold die Prozesse. Foto: Sandro

Mannheim. Zu Hause tunt Daniel Bergbold sein Auto. Im Job optimiert er Chemieanlagen: Der 24-Jährige hat 2010 seine Ausbildung zum Chemikanten beim Spezialchemie-Konzern Lanxess am Standort Mannheim (früher RheinChemie) gestartet. Jetzt ist er auf dem Weg zum Meister.

Bergbold hat den derzeit gesuchtesten Beruf der Branche: Über 5.500 Chemikanten bilden die Chemiefirmen bundesweit aus, mehr als doppelt so viele wie die Lieblingsberufe zwei und drei, Industriekaufmann und Chemielaborant. Auch am Mannheimer Lanxess-Standort mit seinen gut 400 Mitarbeitern werden seit Anfang des Monats wieder zehn junge Frauen und Männer zu Chemikanten ausgebildet. Ihre Chancen zur Übernahme sind hervorragend: Sie liegen bei fast 100 Prozent.

Die Frühschicht beginnt um 6 Uhr – hart für alle, die gerne lange schlafen. Bergbold lacht: „Das Fünf-Schicht-System lässt mir schon genügend Gelegenheit dafür.“ Hellwach ist der junge Mann jedenfalls immer, wenn er Dienst hat: „Konzentriert sein und alles im Blick haben, darauf kommt es an“, beschreibt er seinen Job in der Messwarte.

Als Chemikant betreut er die Anlagen zur Herstellung chemischer Zusätze (Additive). Diese lassen zum Beispiel Dämmstoff feuerfest werden, Kunststoff geschmeidig, Autoreifen spritsparend und Schmierstoffe noch leistungsfähiger.

Hier wird nicht in Gramm oder Kilos gerechnet, sondern in Tonnen

Bergbold steuert den kompletten Prozess: „Ich prüfe den Arbeitsauftrag und gebe dann die entsprechenden Zutaten in die Anlage.“ Das geschieht von der Messwarte aus per Knopfdruck am Computer. „Wir arbeiten im Tonnenmaßstab und rechnen nicht in Kilo oder gar Gramm.“ Im Schnitt stecken zehn Tonnen Material in einem chemischen Reaktor. Die Masse wird durch verschiedene Prozesse teils über Tage hinweg in das gewünschte Produkt verwandelt.

„Dabei muss ich – je nach Rezept – heizen und kühlen, rektifizieren, extrahieren, separieren und destillieren“, erklärt der Chemikant versiert. Jeder Vorgang wird akribisch dokumentiert: „Wie war der Verlauf? Waren Temperatur und Druck durchweg korrekt oder gab es Probleme?“ So lässt sich später genau nachvollziehen, wo und wie jede Charge entstanden ist.

Er kümmert sich aber nicht nur um ein einzelnes Produkt: „Meist sind es vier oder fünf Produkte in unterschiedlichen Prozessstufen.“ Sobald ein Additiv fertig ist, wird es abgefüllt und der Behälter neu bestückt oder gereinigt. Zu dieser Aufgabe kommen Rundgänge durch die Anlage: „Dann schaue ich nach, ob irgendwo etwas tropft oder zischt und ob alle Rettungswege frei sind.“

Und ständig grübelt Bergbold darüber nach, wie es in der Anlage noch besser laufen könnte: „Ich habe bereits 15 Verbesserungsvorschläge eingereicht, einige davon wurden umgesetzt“, sagt er mit erkennbarem Stolz. Jetzt stemmt er seit über einem Jahr in seiner Freizeit noch eine Weiterbildung zum Meister. „Jeden Dienstag und Samstag heißt es lernen“, so Bergbold. Sein Teamleiter Müslüm Sahin findet das großartig: „Hut ab!“, lobt er. „Neben dem Betrieb noch die Meisterausbildung, das ist eine echte Herausforderung!“

In anderthalb Jahren will Bergbold fertig sein. Dann steht ihm der Job als Teamleiter, Schichtführer oder sogar mal als Schichtmeister offen. Bleibt bei dem Lernprogramm noch genügend Freizeit übrig? „Aber klar“, sagt der junge Mann vergnügt. Seine Leidenschaft gehört seinem Audi A5, den er tiefergelegt und mit Flügeltüren ausgestattet hat. Auch das Fitnessstudio und Radfahren zählen zu den Hobbys.

Chemikant als Beruf? „Auf jeden Fall“, versichert Bergbold. „Ich kann’s nur empfehlen!“

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Schon in der Schule hatte ich eine starke Vorliebe für die Naturwissenschaften. Ein Praktikum bei der BASF hat mich dann überzeugt.

Was reizt Sie am meisten?

Ideen entwickeln, um Prozesse und Verfahren zu verbessern. Und die starke Gemeinschaft der Kollegen. Durch die Schichtarbeit sind wir wie eine Familie.

Worauf kommt es an?

Dauerhafte Konzentration! Ich bin für sehr große Produktmengen verantwortlich. Geht da etwas schief, wird es schnell teuer oder gefährdet die Sicherheit.


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