Energietechnik made in NRW

Wie Breuer Motoren vom amerikanischen Fracking-Boom proftiert

Bochum. Andre Kirch öffnet einen Backofen, zieht ein Gitter raus. Doch zum Vorschein kommt nicht etwa eine knusprige Pizza. Auf dem Gitter liegen aufgewärmte Platinen. „Die sind für eine elektronische Steuerbox bestimmt“, sagt der Energieanlagenelektroniker. „Sie wird den Antrieb eines Bohrturms regeln.“

Auf bis zu 70 Grad werden die Platinen erhitzt, anschließend schockgefroren – auf bis zu minus 40 Grad. Heiß-kalt, heiß-kalt, und das mehrere Stunden lang. „So finden wir heraus, ob die Bauteile Macken haben“, erklärt Kirch, der bei Breuer Motoren in Bochum arbeitet. Dies ist ein Unternehmen mit 160 Mitarbeitern, das die Öl- und Gasbohr-Industrie mit Frequenzumrichtern und Motoren beliefert. Und zunehmend vom Fracking profitiert.

Diese Technologie boomt in den USA seit einigen Jahren: Dabei wird mit hohem Druck ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien ins Gestein gepumpt, um es zu zertrümmern und die eingeschlossenen Gasvorräte zu gewinnen.

„Wir haben schon vor zehn Jahren erkannt: Das ist ein Markt“, sagt Firmeninhaber Dirk Linnepe. „Das Spezial-Know-how dafür haben wir.“ Sein Unternehmen baut die sogenannten Top-Drives, die das Bohrgestänge Stück um Stück in die Erde treiben. „Wir haben auch starke Motoren für Hebeanlagen und solche für Matschpumpen, die das zerbröselte Gestein heraufholen“, ergänzt der Firmenchef.

Geräuscharm und fein dosierbar

Für die Top-Drives haben die Bochumer kompakte Motoren entwickelt, die geräuscharm und mit fein dosierbarem Drehmoment arbeiten. Mit dieser Technik ist Breuer weltweit im Geschäft – und will den amerikanischen Markt künftig verstärkt ins Visier nehmen.

In Europa stößt Fracking meist auf große Vorbehalte, wobei Polen der Technik allerdings offener gegenübersteht, hat Linnepe festgestellt. Ansonsten werde die Antriebstechnik aus dem Revier europaweit vor allem dafür verwendet, Ölvorkommen und große Gasblasen anzubohren.

Früher belieferte der Betrieb hauptsächlich den Kohlebergbau. Doch der Markt wandelt sich. Grund: Das billige Schiefergas in den USA hat dort die Nachfrage nach Kohle gesenkt. Gleichzeitig zwingen Smog und andere Umweltschäden zum Beispiel China dazu, sich nach Alternativen umzusehen. Das Riesenreich verbraucht jede zweite weltweit geförderte Tonne. Folge: Der Preis für Kohle fällt. Allein in den vergangenen fünf Jahren wurde sie nach einem Bericht der Internationalen Energieagentur IEA um ein Fünftel billiger.

Breuer reagiert auf die Veränderungen im Markt. Und baut deshalb eine neue Montage- und Logistikhalle. Mit der 4 Millionen Euro teuren Investition setzt die Firma ihre Strategie fort, möglichst viel aus einer Hand anzubieten. Bisher werden die Umrichter für Bohrtürme von einem Lieferanten in Spezial-Container eingebaut. Linnepe: „Wir planen, die Container selbst zu bestücken. Dadurch werden wir noch flexibler.“


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