Der Computer ist immer dabei

Wie Betriebe die modernen Medien für Azubis nutzen

Schwandorf/Ebern/Landsberg. Wie sehen Horsch-Landmaschinen eigentlich von innen aus? Für die Azubis der Firma im oberpfälzischen Schwandorf ist die Antwort nur einen Wisch entfernt: Alle nötigen Infos, Pläne und Illustrationen liefert ihnen ihr handliches iPad.

Unser Leben wird immer digitaler: Nach einer Studie der Managementberatung Bain & Company nutzen 91 Prozent der Deutschen zwischen 15 und 25 Jahren ihre Smartphones und Tablets zum Fernsehen und Abspielen von Videos. Die modernen Geräte sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Und was fürs Private gilt, trifft zunehmend auch fürs Berufsleben zu. Betriebe binden Computer und moderne Medien in die Ausbildung ein.

Das Einordnen von Online-Quellen wird für Azubis immer wichtiger

„Ein Unternehmen kommt heute nicht mehr daran vorbei, sonst wird es abgehängt“, sagt Anton Grauvogl, Ausbildungsleiter von Horsch. Der Landmaschinen-Hersteller hat deshalb vor zwei Jahren iPads für die rund 60 Auszubildenden angeschafft. Ein Teil der Lerninhalte wird nun mithilfe der mobilen Tablet-Computer vermittelt. „Sie gehören zur Lebenswirklichkeit der jungen Menschen, bereiten sie auf eine immer digitalere Arbeitswelt vor und lassen sie viel selbstständiger lernen“, erklärt Grauvogl.

Die Nachwuchskräfte recherchieren mit den iPads auch für den Unterricht – und müssen dabei lernen, Quellen und deren Vertrauenswürdigkeit zu bewerten. „Wir haben es mittlerweile mit einer wahren Flut an Informationen zu tun, da ist es besonders wichtig, Azubis dazu anzuleiten, diese kritisch zu hinterfragen und zu filtern“, sagt Grauvogl.

Eine große Herausforderung stellen moderne Medien allerdings auch für die Ausbilder dar. Denn Azubis sind im Umgang mit der Technik meist deutlich fitter. „Das ist eine Situation, die sehr viel Mut erfordert“, erklärt Grauvogl. „Ausbilder müssen sich trauen, aus der Rolle des allwissenden Lehrenden in die Rolle des Lernenden zu schlüpfen.“ Einen Respektverlust habe er in der Folge aber noch nie erlebt, berichtet der Ausbildungsleiter. Die Erfahrungen seien uneingeschränkt positiv: „Wenn Azubis ihren Chefs etwas erklären können, ist das natürlich ein Riesenschub fürs Selbstbewusstsein.“

Auch in der Ausbildung beim Automobilzulieferer FTE automotive im unterfränkischen Ebern spielen Computer eine wichtige Rolle. Sie werden dort fürs sogenannte E-Learning eingesetzt. Das heißt, dass in diesem Fall eine Software und nicht der Ausbilder den 50 gewerblichen Azubis bestimmte Themen und Inhalte näher bringt. Auch bei praktischen Übungen sind Computer und Bildschirme nicht weit, um Informationen und Hilfestellungen zu bieten.

„Wir setzen Computer vor allem ein, um Basiswissen zu vermitteln“, erklärt Stephan Walter, Leiter der gewerblichen Ausbildung. Das sei zwar etwas unpersönlicher, biete aber andererseits große Vorteile. „Der Wissensstand der Auszubildenden ist häufig sehr unterschiedlich“, sagt Walter. Deshalb sei es ideal, wenn jeder in seinem eigenen Tempo die Themen durcharbeiten könne. „Der eine Auszubildende hat vielleicht nach drei Stunden alles verstanden, während ein anderer dafür zwei Tage braucht.“

Da jeder Einzelne über Zeitpunkt und Umfang seines Lernens selbst bestimmt, sind Eigenverantwortung und Eigeninitiative gefragt. Und genau diese Kompetenzen will Walter seinen Azubis über das fachliche Wissen hinaus vermitteln. „Sie kommen schließlich aus der Schule, wo ihnen der Lehrer jeden Schritt vorgibt“, sagt er. „Aber im späteren Berufsleben muss man sich nun einmal stärker selbst einbringen und sich vor allem selbst motivieren.“

Laut Umfrage des Instituts für Medien- und Kompetenzforschung in Essen nutzen bundesweit drei von fünf Unternehmen die Möglichkeiten des E-Learnings. 20 Prozent der Firmen wollen dies spätestens bis 2017 tun. Neben der Flexibilität und dem eigenständigeren Lernen ist auch die Ersparnis von Zeit und Kosten ein großes Plus.

Im Landsberger Werk der Münchner Firma Iwis, einem Hersteller von Präzisionsketten und Antriebstechnik, ist E-Learning ebenfalls im Einsatz. Auch hier werden mithilfe des Computers vor allem Grundlagen der Ausbildung vermittelt. „Das spart viel Aufwand, auch für die Ausbilder“, hebt Ausbildungsleiter Andreas Eppeneder hervor. Sie müssten sich bei einfachen Themen nicht mehr so stark einbringen, erklärt er. „Das schafft Zeit für Wichtigeres.“

Hilfe und Tipps gibt es in Internet-Foren

Für die Fragen ihrer 84 Schützlinge stehen die Iwis-Ausbilder natürlich immer zur Verfügung. Zumal am Computer behandelte Inhalte anschließend in der Gruppe noch einmal besprochen werden. „Bei komplexeren Themen, etwa dem Umgang mit CNC-Maschinen, ist der Ausbilder hingegen von Anfang an gefordert“, erklärt Eppeneder.

Die Erfahrungen mit der Lernhilfe Computer sind auch bei Iwis sehr gut. „Ich kann es mir eigentlich nicht mehr ohne vorstellen“, sagt der Ausbildungsleiter. Denn über das eigentliche Lernen am Bildschirm hinaus tauschen sich Azubis auch in Internet-Foren aus und helfen sich so untereinander. „Ich muss da eigentlich nur noch kontrollieren, ob die Antworten und Tipps auch stimmen“, berichtet Eppeneder.

Weil bisher alles so gut funktioniert, wird bei Iwis gerade darüber nachgedacht, für Teile der betrieblichen Weiterbildung in Zukunft ebenso auf die Hilfe von Computern zu setzen. Eppeneder ist sich sicher: „Was in der Ausbildung funktioniert hat, klappt auch da.“

 

 


Interview

Foto: TUHH
Foto: TUHH

„Wir brauchen eigenständige Mitarbeiter“

Warum Unternehmen in der Ausbildung auf digitale Medien setzen sollten, erklärt Professor Sönke Knutzen, Leiter des Instituts für Technik, Arbeitsprozesse und berufliche Bildung an der TU Hamburg-Harburg.

Computer und digitale Medien in der Ausbildung – was haben die ­Unternehmen davon?

Sie wirken schon mal modern und attraktiv. Viel wichtiger ist jedoch, dass sie junge Leute in ihrem Alltag abholen. Die beschäftigen sich 24 Stunden mit Computern und Smartphones. Da ist es klug, auch in der Ausbildung diese beliebten Kanäle zu bespielen.

Lassen sich so die Inhalte auch besser vermitteln?

Nicht immer, aber häufig. Es ist allerdings falsch, moderne Technik einzusetzen, nur weil es sie gibt. Es braucht ein Lernkonzept dahinter.

Wo werden die Möglichkeiten schon genutzt?

Informationen finden, Daten hochladen, Inhalte bereitstellen: Viele Firmen machen das. Und es bringt viel – wie auch die Visualisierung mit Simulationen und Videos. Wenn ich in ein Differential­getriebe reinschauen kann, verstehe ich einfach viel besser, wie es funktioniert.

In welchen Bereichen steckt noch Potenzial?

Es wird dadurch auch die Kommunikation zunehmen – zwischen den Azubis und auch mit ihren Ausbildern. Die werden stärker zum Mentor und Lern-Coach, während gleichzeitig mehr Eigenverantwortung gefragt ist. Die jungen Leute müssen sich selbst um ihren Lernprozess kümmern – und das ist gut so. Wir brauchen in den Betrieben schließlich eigenständige Mitarbeiter.

Können Firmen sich ­der Entwicklung entziehen?

Sie müssen nicht alles mitmachen, sollten aber keine Blockadehaltung entwickeln. Sonst laufen sie Gefahr, den Anschluss zu verlieren.

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