Wissensmanagement

Wie bei der Kautschuk-Firma Jäger die Erfahrung älterer Mitarbeiter nicht verloren geht

Hannover. Slawomir Zardzewialy (55) muss jetzt richtig zeigen, was er draufhat. „Ein Kollege hat den Betrieb verlassen – und ich habe einen Teil seiner Aufgaben übernommen.“

Eine Herausforderung, wie sie in vielen Betrieben immer wieder auftritt. Zardzewialy arbeitet seit 16 Jahren im Außendienst des Kautschuk-Unternehmens Jäger Gummi und Kunststoff GmbH in Hannover. Er verkauft technisch anspruchsvolle Formteile, Schläuche und Profile an Kunden aus Maschinenbau, Industrietechnik und Erdölbranche in mehreren europäischen Ländern.

Für die nun zusätzlich zu betreuenden Kunden muss er sich nicht nur Fachwissen aneignen. „Um die Aufgabe von Anfang an richtig zu bewältigen, brauche ich auch viel Erfahrungswissen.“

Wie dieses bei Übergängen nicht verloren geht, sondern sich vom Vorgänger auf den Nachfolger überträgt, ist bei Jäger jetzt einmal wissenschaftlich begleitet worden: im Rahmen des Projekts „InnoFaktor“, an dem die Jäger-Unternehmensgruppe mit drei weiteren Firmen teilnimmt und das von der EU und vom Bundesbildungsministerium gefördert wird.

Als klar war, dass der Kollege aus dem Außendienst ausscheiden würde, trat deshalb die Soziologin Paulina Zelazowska-Müller auf den Plan – und nahm dessen Erfahrungswissen in den Blick.

Sie führte mit ihm ein mehrstündiges Interview, befragte zudem seinen Vorgesetzten nach formellen Anforderungen, Kundenstamm, Produkten und Terminen. Daraus entwickelte sie eine „Job Map“: ein Übersichtsplan über den Arbeitsbereich und -alltag des Ausscheidenden. Am Ende stand ein Workshop zu dritt mit dem „Wissensnehmer“ Zardzewialy.

Wie bei einem Eisberg, erklärt die Wissenschaftlerin, sei auch beim Wissen nur der kleinere Teil sichtbar: eben das Fachwissen. Das unter der Oberfläche liegende Erfahrungswissen „drückt sich durch die Fähigkeit aus, in verschiedenen Situationen intuitiv, sicher und umsichtig handeln zu können“.

Alexander Walter, der Personalleiter von Jäger, bestätigt: „Häufig zeigt sich ja erst nach dem Weggang von Mitarbeitern, welche Lücken entstanden sind. Dann muss man nachträglich einarbeiten, verliert Zeit und Geld.“ Während das Fachwissen in Aktenordnern und auf elektronischen Plattformen abgelegt und immer wieder aufgerufen werden kann, verschwindet das Erfahrungswissen oft mit dem Weggang von Mitarbeitern aus dem Unternehmen.

Weil in den nächsten Jahren viele Arbeitnehmer in Rente gehen, ist „das Halten von Wissen im Unternehmen von hoher Bedeutung“, betont Walter. Vom Sprung ins kalte Wasser als Einarbeitungsmethode für neue Mitarbeiter hält er nichts. „Das gefährdet Kundenbeziehungen und verschwendet Ressourcen.“


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