Beispiel Teeklammer

Wie aus feinsten Alu-Drähten Alltagsprodukte werden


Neuenrade. Wenn die ehemalige Tennis-Queen Steffi Graf für „Teekanne“ Werbung macht und dabei ihren Teebeutel in heißes Wasser taucht, dann ist immer auch ein Stück Sauerland mit in der Tasse. Denn das Drahtwerk Elisental in Neuenrade zieht den feinen, 0,5 Millimeter dünnen Aluminiumdraht, der – zum Klämmerchen verarbeitet – Jahr für Jahr Milliarden von Teebeuteln sicher mit Faden und Etikett verbindet.

Die Firma ist nicht irgendein Drahtzieher, sondern der größte für Alu in ganz Deutschland. 140 Mitarbeiter ziehen Jahr für Jahr mehr als 6.500 Tonnen Aluminiumlegierung, die als daumendicker Draht auf Coils angeliefert wird, zu feinen silbernen Spaghetti.

Draht schälen? Geht! Wie beim Spargel

Einer der Drahtzieher ist Juan Benitez. Der 52-Jährige versteht sich auf das perfekte Einrichten der Ziehsteine. In der lauten Werkhalle schält er feinen Draht wie eine endlose Spargelstange. „Du musst Geduld haben mit dem Draht, weil er nicht immer so will wie du“, betont er. „Nach der Verarbeitung muss er blitzeblank sein und darf keine Macken haben.“

Denn aus ihm stellen die Kunden etwa Sprenghülsen her, die in Bergwerken dickes Gestein zerlegen. „Nicht auszudenken, wenn da was schiefgeht“, sagt Benitez.

Fachkräfte wie er kennen sich mit den verschiedenen Legierungen aus, den unterschiedlichen Ziehsteinen und Düsen – und mit Heiß und Kalt: Beim Ziehen wird das Aluminium spröde und hart. Wird es erhitzt und dann abgekühlt, verändert sich die Struktur. Erst so lässt sich der Draht weiterverarbeiten.

Da auf dem Arbeitsmarkt gute Leute kaum zu finden sind, sorgt das Unternehmen mit 13 Auszubildenden für den eigenen Nachwuchs. Daniel Wingen, der stellvertretende Geschäftsführer: „Wir bilden sogar über Bedarf aus.“ Und wer in dem Drahtwerk erst einmal angefangen hat, bleibt ihm in aller Regel treu. „Hier gibt es Familien, die seit Generationen bei uns arbeiten“, erzählt Wingen.

Die verarbeiteten Produkte verlassen als Draht oder Stange das Werk. Daraus fertigen die Kunden Schrauben, Nieten und andere Verbindungselemente für Autos und Züge. Oder Teile für die Baubranche. Oder Stricknadeln. Oder Sprenghülsen. Oder eben Klämmerchen für Steffi Grafs Tee. Wingen: „Wir bedienen ganz bewusst auch Nischenmärkte.“ Um das leisten zu können, lassen sich die Sauerländer einiges einfallen: In den 50er-Jahren erfanden sie den Teebeutel-Draht, in den 60ern den Schweißdraht aus Aluminium. In den 90ern entwickelte die Firma die „Legierung 6056“ aus Aluminium, Kupfer, Magnesium, Mangan und Silizium, die weniger kälte- und hitzeempfindlich ist als die bis dahin verwendeten „Rezepturen“. Sie brachte den Durchbruch in der Auto-Industrie. Heute sparen Schrauben und Nieten so manches Kilo pro Fahrzeug.

Auch Künstler setzen immer wieder auf den Draht: Sechs Kilo ließ Christo auf seine Folie aufdampfen, damit der umhüllte Reichstag in Berlin in der Sonne glitzerte.

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Fakten

Tückisch: Heißes Alu glüht nicht

• 13 Kilo Alu-Draht braucht man für 1 Million Teebeutel-Klämmerchen. 600.000 Kilo verarbeitete das Unternehmen im vergangenen Jahr für rund 46 Milliarden Teebeutel.

• Aluminium schmilzt bei knapp über 600 Grad. Dabei glüht es aber nicht wie Eisen oder Stahl. Deshalb erkennen die Mitarbeiter im Drahtwerk nur an der abgestrahlten Hitze einer AluRolle, dass sie aufpassen müssen.

Unternehmen in diesem Artikel

Drahtwerk ELISENTAL W. Erdmann GmbH & Co.

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Drahtwerk ELISENTAL W. Erdmann GmbH & Co.
Werdohler Straße 40
58809 Neuenrade

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