Tarifkongress zum demografischen Wandel

Wie Ältere besser im Betrieb bleiben können – das beschäftigt die Kautschuk-Industrie

Fulda. Einige haben Probleme mit dem Rücken, andere mit der Schulter oder den Gelenken: Nach langer Zeit im Schichtbetrieb sind Kollegen körperlich mitgenommen. „Sorgen macht uns, dass es immer mehr werden“, sagte jetzt Gerhard Bachmann, Betriebsratschef beim Autozulieferer ContiTech in Waltershausen, auf dem Tarifkongress von Arbeitgebern und Gewerkschaft der Kautschuk-Industrie in Fulda.

Grund ist der demografische Wandel: Die Belegschaften werden älter, darauf müssen sich Betriebe einstellen. Hilfe versprachen im Juli der Arbeitgeberverband ADK und die Gewerkschaft IG BCE: Sie schnürten in ihrem Tarifvertrag ein Demografiepaket – mit stufenweiser Arbeitszeitverkürzung für Ältere im Schichtbetrieb und mit Beratung für Betriebe. ADK-Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt betonte auf dem Tarifkongress: „Es geht um die Zukunft der Produktion am Standort D.“

Mit dem Tarifvertrag, so Schmidt, habe man „ein neues Kapitel aufgeschlagen“, um den Wandel zu gestalten. Die zentrale Frage laute: Was können Unternehmen tun, um Beschäftigte über 60 länger zu halten?

Rund 100 Betriebe werden jetzt ganz konkret beraten

Auch die IG BCE spricht von einem wichtigen Schritt. Gewerkschaftssekretärin Karin Erhard betonte: „Wenn längeres Arbeiten möglich sein soll, müssen bestimmte Rahmenbedingungen vorherrschen.“ So müsse es ab einem bestimmten Alter „Entlastungsphasen“ geben.

Die Beratung der Betriebe erfolgt durch die „Demografieagentur“ in Hannover. Deren Geschäftsführer, Lutz Stratmann, wies in Fulda darauf hin, dass es bis 2030 etwa vier Millionen Erwerbstätige weniger gibt. „Was wir jetzt brauchen, ist schlicht und einfach aktives Handeln.“ Die Agentur geht nun auf rund 100 Betriebe zu.

Bei ContiTech in Waltershausen (Thüringen) setzten sich, auf Anregung von Personalleiter Holmer Struck, schon vor Jahren Arbeitgeber und Arbeitnehmervertreter an einen Tisch. Zunächst widmete man sich den Arbeitsplätzen, erstellte Belastungsanalysen und setzte Verbesserungen um. „Im zweiten Schritt müssen wir uns auf die Qualifizierung konzentrieren“, so Struck auf dem Kongress.

Auch beim Autozulieferer Veritas in Gelnhausen (Hessen) tut sich einiges. Vorstand Uwe Hehl berichtete, dass derzeit an der Einführung eines „gesundheitsgerechten Schichtsystems“ gearbeitet wird. Und Betriebsratschef Udo Faßbinder lobte den neuen Tarifvertrag: Kollegen hätten ihn auf die Möglichkeit angesprochen, schrittweise die Arbeitszeit zu reduzieren. „Für uns bei Veritas ist es ein wichtiges Instrument, um älteren Mitarbeitern zu helfen.“


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