MINT-Nachwuchs

Wettkampf der Mathe-Asse


565 Olympioniken machten die Jacobs University Bremen zum Mathe-Mekka

Bremen. Schon Stunden vor dem Wettbewerb sprühten die sechs deutschen Teilnehmer der 50. Internationalen MatheOlympiade (IMO) vor Ehrgeiz und Selbstbewusstsein: „Wir wollen als bestes Team West­europas  abschneiden und sechs Medaillen holen.“ Eine Woche und sechs knifflige Aufgaben später war’s geschafft: Die Mathe-Genies hielten sechs Medaillen in den Händen.

Mit einmal Gold, viermal Silber und einmal Bronze belegte Deutschland in der Länderwertung Platz neun von 104 Nationen. Erfolgreichstes Mitglied im deutschen Team war die 16-jährige Dresdnerin Lisa Sauermann. „Ich habe alle Aufgaben vollständig gelöst, sogar die ‚Grashüpfer-Aufgabe’, was außer mir nur zwei Jungs schafften.“ Bereits zum dritten Mal war Lisa bei der IMO am Start. Mit ihren 41 von 42 möglichen Punkten belegte sie in der Gesamtwertung den dritten Platz.

Ihre Mitstreiter freuen sich mit ihr. „Wir finden es klasse, dass Lisa es wieder geschafft hat“, sagt Christoph Kröner (19) aus Stein. Er selbst holte Bronze, seine Teamkollegen Mar­tin  Merker  (18),  Malte Lackmann (18, Neumünster), Bertram Arnold (17, Halle) und Jens Reinhold (17, Bielefeld) Silber.

Pro Teilnehmerland hatten sich bis zu sechs Mathe-Asse unter 20 Jahren fürs Finale qualifiziert. Hier mussten sie in zwei viereinhalbstündigen Klausuren Gleichungen aufstellen, Formeln ausknobeln und komplizierte Beweise führen. „Mit dem, was man sonst im Mathe-Unterricht macht, ist das nicht zu vergleichen“, so Lisa. Ein Beispiel dafür ist die „Grashüpfer-Aufgabe“, die als zweitschwierigste Aufgabe in der 50-jährigen IMO-Geschichte gilt (Kasten rechts).

Insgesamt reisten 565 Mathetalente mit 524 Begleitern aus 104 Nationen an. Um die Wege für die rund 1.100 Teilnehmer kurz zu halten, fanden Wett­bewerb und Unterbringung größtenteils auf dem Campus der Jacobs University statt. „Hier ist das gemeinsame Leben und Lernen junger Menschen aus rund 100 Ländern kein Ausnahmezustand, sondern Alltag“, be­tont Dierk Schleicher, Mit­organisator und Mathematikprofessor an der Jacobs Uni­versity. Er war maßgeblich daran beteiligt, dass die Olympiade  für  2009  nach  Bremen vergeben wurde.

Die besondere Campusat­mosphäre förderte jedoch nicht nur die Begegnung über Team-, sondern auch über Ländergrenzen hinweg.

Völkerverbindendes Flair

„Nordkorea, Südkorea und Vietnam in einer Fußballmannschaft, das gibt’s nur auf der IMO“, freut sich Harald Wagner, Geschäftsführer vom Verein Bildung und Begabung, der die IMO im Auftrag des Bundesbildungsministeriums organisierte.

Vom völkerverbindenden Flair waren auch die deut­sch­en Teilnehmer angetan. „Wer denkt, dass wir den ganzen ­Tag nur Funktionen und Geometrie im Kopf haben, irrt gewaltig“, sagt Bertram. Der 17-Jährige aus Halle spielt seit acht Jahren Trompete ­und ist Mitglied in einer BigBand.

Wie auch immer: Die rund 1,6 Millionen Euro Kosten der IMO haben sich gelohnt. 2010 wird Kasachstan das Gastgeberland sein.

Info: Die Grashüpfer-Aufgabe

Es seien n eine positive ganze Zahl, a1, a2, … , an paarweise verschiedene positive ganze Zahlen und M eine Menge von n - 1 positiven ganzen Zahlen, die nicht die Summe s = a1 + a2 + … + an als Element enthält. Ein Grashüpfer springt längs der reellen Zahlengerade. Er startet im Nullpunkt und vollführt n Sprünge nach rechts mit Längen a1, a2, … , an in beliebiger Reihenfolge. Man zeige, dass der Grashüpfer seine Sprünge so anordnen kann, dass er nie auf einem Punkt aus M landet.

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Schlagwörter: Naturwissenschaften

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