Forschung

Wetter-Fee: Eine Physikerin entwickelt Weltraum-Teleskope für Satelliten


Vom Weltraum begeistert: Ute Förster zwischen zwei Satelliten-Modellen. Foto: Bodmer

München. Regenguss statt Sonnenschein – und zu allem Überfluss keinen Schirm dabei! Dass solche Pannen künftig nicht mehr passieren, daran arbeitet Ute Förster (33). Im Raumfahrt-Unternehmen Kayser-
Threde in München entwickelt sie ein Teleskop für die nächste Generation der Meteosat-Satelliten. Diese machen den Wetterbericht noch genauer und starten 2018 ins All.

Die Münchnerin bewarb sich als Entwicklerin für Optik – und bekam eine Riesenchance: Kayser-Threde setzte sie als technische Leiterin an die Spitze des Großprojekts. Förster: „Keine Frage, ich habe zugesagt.“ Heute führt die promovierte Physikerin eine Gruppe von 25 Ingenieuren und Technikern.

Nicht nur Fachwissen ist gefragt – auch Stehvermögen und Geschick im Umgang mit Mitarbeitern und Kunden. Das trainierte Förster im Förderprogramm „Frauen in Führungspositionen“. An dem Projekt der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeber-Verbände bayme und vbm machten bereits 100 weibliche Fachkräfte mit. In Seminaren lernen sie, ihr Wissen gezielt einzusetzen und sich zu vernetzen.

Für Förster endet das zweijährige Programm im Herbst. „Man lernt, sich selbst und andere besser zu managen“, so die Projektleiterin.

Kayser-Threde hat gleich zwei Mitarbeiterinnen zum Kurs geschickt. „Wir haben so viele Ingenieurinnen wie nie zuvor an Bord“, sagt Personalleiter Gerd Bräunig. „Immer mehr bringen die Voraussetzung mit, Teams zu führen.“

Förster tüftelt an dem Messinstrument FCI: Das steht für „Flexible combined Imager“. Das Himmelsauge tastet die Erdoberfläche im Zehn-Minuten-Takt ab und überträgt hochauflösende Bilder der Atmosphäre.

Das Teleskop steckt hinter einem großen Trichter, der verhindert, dass Sonnenlicht das Instrument blendet. Der Trichter ist 1,65 Meter lang. Förster lacht: „Genau wie ich.“

Zum Start kommt ein Deckel drauf, der erst im All aufgeklappt wird. Alles muss perfekt geplant werden. Denn ist der Wettersatellit erst mal ganz weit oben, kann man ihn nicht mehr reparieren.

271 Grad unter null hält das Teleskop im Weltall aus

Hohe Belastungen beim Start steckt die Technik ebenso weg wie eisige Weltraum-Temperaturen von minus 271 Grad Celsius. Es geht an die Grenze der Machbarkeit, dass sich die Spiegel vor der Kameralinse da nicht verziehen, so Förster. Zugleich hat sie als Projektleiterin Zeit und Kosten im Blick.

Im All ist der Satellit noch lange nicht, doch ein Etappenziel hat Förster im Frühjahr erreicht. Die Bauart des Instruments hat eine wichtige Prüfung bestanden. Förster: „Das war ein entscheidender Schritt.“

Förster hält Kontakt zum Auftraggeber, der Europäischen Raumfahrt-Organisation ESA, und vernetzt die Spezialisten. Die Hälfte ihrer Arbeitszeit verbringt sie in Besprechungen. Täglich liest sie viele E-Mails: „Ich will wissen, was läuft, sonst kann ich nicht eingreifen, wenn’s mal kritisch wird.“

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Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Puppen waren als Kind zu langweilig. Lego-Technik fand ich besser. Die Raumfahrt hat mich schließlich zur Physik gebracht. Ich wollte wissen, wie das alles funktioniert.

Was reizt Sie am meisten?

Mir gefällt die Mischung: Technische Probleme lösen und mit Menschen umgehen – zu meinem Job gehört beides.

Worauf kommt es an?

Im Projektgeschäft immer optimistisch bleiben, sich nicht von Kleinigkeiten ins Bockshorn jagen lassen und den Überblick behalten

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Kayser-Threde GmbH

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Kayser-Threde GmbH
Perchtinger Straße 5
81379 München

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