Voll der Hammer!

Werkzeug aus NRW für die ganze Welt


Wuppertal. Jedes ehrbare Handwerk hat einen Schutzpatron. Die Dachdecker haben es besonders gut erwischt: Einerseits hält der heilige Vinzenz schützend die Hand über sie. Andererseits bekommen sie von einem guten Freund das Werkzeug in die Hand gelegt, mit dem sie ihr tägliches Brot verdienen. Und das schon seit fast 170 Jahren!

„Wir bauen alle Handwerkszeuge für Fassade und Dach, die der Zimmermann, Dachdecker und Bauklempner braucht“, sagt Hans-Dieter Sanker, Geschäftsführer der Wuppertaler Firma Freund.

Unter seiner 30-jährigen Leitung wurden das Unternehmen zur Marke auf- und das Sortiment ausgebaut. Sanker: „Am besten erkennt man das an unserem Warenkatalog. 1987 hatte er 24 Seiten, heute sind es fast 170.“ Da gibt es die Rinneisen-Abbiegezange und – sozusagen als Gegenstück, wenn zu viel gebogen wurde – die Rinnen-Richtzange. Auf geübte Hände wartet die Schieferhandschere ebenso wie das Dachdecker-Nageleisen, ein Werkzeug, das mächtig an den Ersatz-Arm des legendären Captain Hook aus „Peter Pan“ erinnert.

Aber über allem kreist der Hammer. Genauer gesagt: der Dachdeckerhammer. 15.000 Stück pro Jahr produziert der 30-Mann-Betrieb. Freund ist der weltweit größte Hersteller von Schieferhämmern. Sanker: „Handwerker rund um den Globus schätzen ‚Made in Germany‘. Profis wollen Werkzeug, das lang­lebig, zuverlässig und sicher ist.“

Fast jedes zweite Produkt geht in den Export. Ein Grund: Gewinnen heimische Hersteller von Fassadenverkleidungen einen internationalen Auftrag, so lassen sie ihn häufig von deutschen Handwerkern ausführen. Und die haben im Ausland am liebsten ihre guten „Freunde“ dabei.

Mit 100.000 Handwerkszeugen pro Jahr erzielt das Unternehmen einen Umsatz von 6 Millionen Euro. 30 Prozent der Artikel stammen aus eigener Herstellung, 70 Prozent sind Handelsware. Und die kommt zum größten Teil von Firmen aus dem Bergischen Land – „in Top-Qualität, denn sonst hätten wir alle verloren“, betont Sanker.

Derweil schleift Roland Flottmann einen Hammer-Rohling, Funken sprühen: „Ich bin seit 40 Jahren im Beruf und habe so ziemlich alles geschliffen, was man schleifen kann – Bestecke, Armaturen und auch sechs Meter lange Meißel für den Bergbau, die mir Kollegen zum Bearbeiten erst einmal auf die Schulter hieven mussten.“ Flottmann liebt seinen Beruf: „Was wir machen, ist Präzisionshandarbeit, bei der es auf den hundertstel Millimeter ankommt.“

So manches Produkt gehört in die Vitrine – statt aufs Dach

Hämmer, das sind traditionelle Ur-Werkzeuge des Menschen. Doch auch vor der Tradition macht die Moderne nicht halt: Die nächste Generation wird Griffe aus einem wiederverwertbaren organischen Verbundmaterial haben und besonders gut in der Hand liegen. Das freut die Umwelt und den Dachdecker, dessen Handgelenk spürbar entlastet wird. Entwickelt wurde das Freund-Produkt in Zusammenarbeit mit der landeseigenen Effi­zienz-Agentur NRW.

Nur an einer Kleinserie wird die Neuerung vorübergehen. Es ist der mit 24 Karat vergoldete Dachdeckerhammer mit fein gedrechseltem Ledergriff, der bei Jubiläen und Meisterfeiern verliehen wird.

Aber der gehört ja auch nicht aufs Dach, sondern in die Vitrine.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang