Mode

Wer zieht den Mann zur Hochzeit an?


Am 10.10.10 vielerorts im Einsatz: Festliche Anzüge von der Firma Wilvorst

Northeim. Das magische Datum bringt sogar den Amtsschimmel auf Trab. An diesem Wochenende ausnahmsweise: Sonntagsarbeit!

Vielerorts zeigen sich die Standesbeam­ten flexibel, damit sich Hochzeitspaare am 10.10.10 das Jawort geben können. Der Bräutigam – der dann auch ganz bestimmt jedes Jahr an den Hochzeitstag denkt – wird am Sonntag häufig einen Anzug aus Northeim tragen: In dieser Kleinstadt bei Göttingen ist Wilvorst zu finden, Spezialist für festliche Herrenmode – und nach eigenen Angaben deutscher Marktführer für solche „Anlasskleidung“.

Unter den 235 Beschäftigten sind die Männer eher Mangelware. Fast überall schwingen Frauen das Zepter: an den Bügel- und Nähmaschinen, beim Zuschnitt, in der Verwaltung, im Marketing. Für Geschäftsführer Karl-Wilhelm Vordemfelde spielt das keine Rolle. Ob Mann oder Frau – stets gilt: „Nur mit sehr guten Mitarbeitern hat man eine Basis für Geschäftserfolg.“

Export in 35 Länder

Und erfolgreich ist Wilvorst in der Tat, die Zahlen sind tiefschwarz. 20 Millionen Euro setzt die Firma jährlich um: mit Fracks, Gehröcken, Smokings, Sakkos – und mit besonders edlen Anzügen für den schönsten Tag im Leben.

Exportiert wird auch, in 35 Länder weltweit. Ein Grund für diesen Erfolg: „Wir sind modisch immer auf dem letzten Stand“, sagt Vordemfelde, „mittlerweile richten sich unsere Mitbewerber an uns aus.“ Er verweist auch auf die große Auswahl an Stoffen, Farben und Schnittmustern, die sich kombinieren lassen. „Wir können allein 40 verschiedene Taschen-Formen bieten.“

Wilvorst-Ware findet sich in fast allen wichtigen Fachgeschäften. Gerade wurde die Firma von den Händlern erneut mit dem „Modatex-Preis“ für die beste Bräutigam-Kollektion ausgezeichnet.

„Der Kunde kann in den Geschäften entweder von der Stange kaufen“, erklärt die Betriebsleiterin Renate Borghs, „oder er lässt sich dort vermessen, wählt das ihm genehme Modell – und der Händler bestellt es dann bei uns.“

Sakko aus 130 Teilen

Das Nähen eines Anzugs ist wie ein gut geordnetes Puzzlespiel. „Ein Sakko kommt auf gut 130 Einzelteile, eine Hose auf gut 30“, zeigt Borghs.

Ein CAD-gesteuerter Cutter liefert exakte Einzelteile des gewünschten Stoffes. Die werden gesäumt, genäht, mit Futter versehen, verbunden, Knöpfe werden angenäht – und so fort. Bis ein Stück gebügelt im Lager hängt, kommen etwa drei Wochen in der Fertigung zusammen.

Rund 200 Anzüge stellen die Näherinnen in Northeim an einem einzigen Tag her, das sind gut 40 Prozent der Wilvorst-Ware. Der andere Teil wird in Lohnfertigung in Kroatien hergestellt.

„Schnell und flexibel sind wir vor allem durch die Produktion in Deutschland und das Know-how der Mitarbeiter“, betont Geschäftsführer Vordemfelde. Ein Großteil der Belegschaft ist im Betrieb ausgebildet worden; im Moment lernen 16 Azubis ihr edles Handwerk.

 

Info: Etikette

Was heißt „black tie“ auf einer Einladung? Wie wird ein Einstecktuch gefaltet? Und was trägt Mann eigentlich wann? Solche und viele andere Etikette-Fragen beantworten die Wilvorst-Experten auf der Homepage www.wilvorst.de (in den Rubriken „Hochzeit & Knigge“ sowie „FAQ – Antworten“).

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang