Innovationen

„Wer nicht selbst entwickelt, hat das Nachsehen“


Röder Präzision setzt auf elektrische und elektronische Geräte in Flugzeugen

Egelsbach. Ob Hilfstransporte in Katastrophengebiete oder Nachschublieferungen für die Bundeswehr in Afghanistan: Seit über 40 Jahren bringt sie die Transall zuverlässig selbst in die entlegensten Winkel.

Seit dem Start der ersten Transall leistete die Flotte bei der Luftwaffe inzwischen fast 950.000 Flugstunden und es wurden über 600.000 Tonnen Ladung transportiert. Für die reibungslose Funktion des Ausnahme-Flugzeugs sorgt unter anderem auch ein hessisches Familienunternehmen: Röder Präzision in Egelsbach.

Bauteile für den Airbus

Mit einer Zylinderschleiferei für Kfz-Motoren legte Wilhelm Röder 1922 den Grundstein für das Unternehmen, das heute mit 350 Mitarbeitern zu den wichtigsten Instandsetzungsbetrieben der deutschen Luftfahrt-Industrie zählt.

„Bei uns gibt es das breiteste Technik-, Teile- und Serviceangebot mit Werkvertretungen bedeutender Anbieter der Luftfahrt-Industrie“, betont Geschäftsführer Hartmann Burandt.

Röder am Flugplatz in Egelsbach überholt Flugzeuge bis zu 5,7 Tonnen Abfluggewicht in den eigenen Werkstätten. Räder und Bremsen der Flugzeuge großer Airlines werden hier ebenso gewartet, so die Fahrwerke des Kampf-Fliegers Tornado und die Propeller des Transporters Transall. Avionik-Komponenten wie Navigations-Instrumente und andere elektronische Bauteile werden sorgfältig kontrolliert und repariert. Dank besonderem Know-how in der Oberflächentechnik und einer eigenen Galvanik fertigt Röder sogar Bauteile für den Airbus.

Seit Mitte 2008 ist die Firma zudem mit einer Außenstelle im neuen Eurocopter Hubschrauber-Technologiepark in Donauwörth vertreten. „In ganz Europa ist unsere Vielfalt im Bereich der Luftfahrtdienstleistungen außergewöhnlich“, sagt Geschäftsführer Oliver Bär.

Die Kunden sind Airbus-Unterauftragnehmer, Luftfahrtbetriebe und Airlines sowie Geschäfts- und Privatflieger aus Europa, Südamerika und Asien. Andere Kunden kommen aus den Bereichen der Nato-Luftwaffen. Etwa die Hälfte des Umsatzes, der 2008 bei rund 48 Millionen Euro lag, wird im militärischen Bereich erwirtschaftet.

Neben der Instandhaltung will sich Röder zukünftig verstärkt nun auch auf die Entwicklung und Fertigung eigener Produkte konzentrieren. Denn die Branche wandelt sich. Die Flugzeughersteller gehen inzwischen oft mit den Entwicklungskosten in Vorleistung und müssen deshalb das Instandhaltungsgeschäft selbst übernehmen, um wirtschaftlich zu arbeiten. „Betriebe, die nichts selbst entwickeln und produzieren, haben dann das Nachsehen“, befürchtet Bär.

Das erste Produkt ist auf dem Markt

Chancen für Röder sehen die beiden Geschäftsführer vor allem im Bereich der Avionik und den elektrischen und elektronischen Geräten an Bord eines Flugzeuges.

Eine entsprechende Zulassung der europäischen Luftfahrtbehörde für die Entwicklung von elektronischen Bauteilen und für Faserverbundbauteile liegt bereits vor.

Seit einigen Monaten ist bereits das erste Produkt, eine Innenbeleuchtung für Flugzeugkabinen von Boeing und Airbus, in Vorbereitung. Bär: „Sie ist sparsamer im Stromverbrauch, hat eine längere Lebensdauer und ist leichter zu wechseln, als die Originalbaugruppen.“

Beide Geschäftsführer sind überzeugt, dass von Röder entwickelte Systeme am Markt gut ankommen werden. Burandt: „Gerade in der Luftfahrt basiert Vertrauen vor allem auf Präzision. Die schätzen die Kunden von Röder Präzision seit über 50 Jahren.“

Maja Becker-Mohr

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