Mehr freie Ausbildungsplätze als „unversorgte“ neue Bewerber

Wer eine Lehrstelle sucht, hat beste Chancen

Bonn/Berlin. Lehrstellen-Lücke? Davon hat diese Jugendliche wohl noch nie was gehört. Und sie muss sich, so wie es aussieht, darüber auch nie Gedanken machen.

Schon vor dem neuen Ausbildungsjahr hat die Bundesagentur für Arbeit eine Zwischenbilanz gezogen: Im Juli waren bundesweit zwar noch 155.000 neue Bewerber um einen Ausbildungsplatz „unversorgt“ – zugleich aber noch 163.000 Lehrstellen frei! Zumindest rechnerisch gibt es also eher eine Azubi-Lücke, besteht in Deutschland kein Lehrstellenmangel mehr. Das hätten sich die Eltern der jungen Dame früher nicht träumen lassen.

„Der Ausbildungsmarkt bietet Jugendlichen so viele Chancen wie nie zuvor“, sagt denn auch Bildungsministerin Johanna Wanka.

Betriebe suchen Azubis – und finden sie nicht

Dass es 2015 wohl zum vierten Mal in Folge weniger neue Lehrverträge geben wird, steht dazu nicht im Widerspruch. Es sind weniger Schulabgänger als früher – und ihre Zahl wird weiter sinken. Zudem sind der Anteil der Abiturienten und die „Studierneigung“ gestiegen – das entschärft den früher oft so harten Kampf um die Lehrstellen zusätzlich. Die Zahl der Studienanfänger ist seit 2013 höher als die Zahl der Anfänger in der dualen Berufsausbildung.

Was junge Leute fröhlich stimmen kann, wird für die Wirtschaft zunehmend zum Problem. „Viele Betriebe suchen händeringend geeignete Auszubildende“, sagt Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer. Und sie finden sie oft nicht. Schon 2014 blieben rund 37.000 gemeldete Lehrstellen unbesetzt – ein neuer Höchstwert. Auch, weil nicht jeder „Unversorgte“ für den Job einen Umzug in Kauf nehmen will.

Auch Flüchtlinge rücken in den Blick

In Hessen und Nordrhein-Westfalen etwa fehlen aktuell Ausbildungsplätze, in Bayern und Baden-Württemberg dagegen gibt es deutlich mehr Stellen als Bewerber.

Kein Wunder also, dass Unternehmen verstärkt auch auf junge Leute etwa aus Südeuropa setzen. Im EU-Schnitt ist die Erwerbslosenquote der unter 25-Jährigen dreimal so hoch wie bei uns.

Auch Flüchtlinge bringen Potenzial mit, das man laut Kramer nutzen sollte: „Wir müssen die Voraussetzungen dafür verbessern“, fordert er, „dass junge Menschen, die auf der Flucht vor Krieg und Vertreibung nach Deutschland gekommen sind, hier eine Ausbildung aufnehmen und erfolgreich abschließen können.“


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang