Kreuzfahrten

Wer bringt eigentlich den Müll raus?


Die Meyer Werft setzt auch in Sachen Entsorgungstechnik Standards

Die Party ließ keine Wünsche offen: Üppige Bü-fetts, Champagner in Strömen. Und als ein Feuerwerk den Hafen von Palma de Mallorca in bunte Farben tauchte, stießen 2.000 Gäste auf das Schiff an, das soeben auf den Namen „Aidaluna“ getauft wurde.

Am nächsten Tag ist von den Hinterlassenschaften der großen Feier nichts mehr zu sehen. Restaurants und Decks sind tadellos sauber. Alle Abfallbehälter sind leer. Wo ist der ganze Müll geblieben?

Ortswechsel – die Meyer Werft in Papenburg. Hier wird gerade die jüngste Schwester der Aidaluna fertiggestellt – die „Aidasol“. Das 252 Meter lange Kreuzfahrtschiff wird einmal 3.200 Personen Platz bieten.

Auf Deck 3 treffen wir Bernd Wiltfang. Der Gruppenleiter Ver- und Entsorgungstechnik bei der Meyer Werft inspiziert heute Einbauten, die kein Urlauber jemals zu sehen kriegen wird, die aber das Leben an Bord erst möglich machen.

Weltmarktführer aus Oldenburg

Kilometerlange Rohrleitungen, Abwasserreinigung, Müllverbrennungsofen: Das Entsorgungssystem muss große Mengen meistern.

„Pro Person fallen täglich etwa 1,2 Kilo Verpackungsmaterial und 2,4 Kilo Speisereste und Klärschlamm an. Außerdem 1,3 Kilo Glas und Dosenblech“, rechnet Wiltfang vor. „Bei einem großen Kreuzfahrtschiff wie der Aidasol ergibt das ungefähr 15 Tonnen. Und das Tag für Tag.“

Know-how und Technik für diese Herausforderung kommen von der Firma Deerberg-Systems, dem Weltmarktführer für Abfallentsorgung auf Schiffen. Das Oldenburger Familienunternehmen ist seit vielen Jahren ein enger Partner der Meyer Werft. Und auf den Weltmeeren sind 163 Passagierschiffe, 72 Marine- und weit über 650 Handels- und Spezialschiffe mit Deerberg-Technik aus Oldenburg unterwegs.

Diesmal ist es die Aidasol, die mit einer Anlage des Unternehmens ausgerüstet wird. wird. Das ist der Job des Deerberg-Teams. Firmensprecher Ingo Eden erklärt: „Ein Schiff dieser Größenordnung ist ja eigentlich ein schwimmendes Luxushotel mit eigenen Stadtwerken an Bord, die die Technik an Land teilweise noch deutlich übertreffen. Sie muss mit Abfällen aller Art fertig werden – unabhängig davon, ob sie klein oder groß, fest oder flüssig, organisch oder nicht organisch sind.“

Ein Zwischenlagern des Abfalls unter Deck ist wegen der großen Mengen keine Lösung. Der Müll muss also weg. Doch vorher wird er getrennt.

Rohrpost für die Küchenabfälle

Eden: „Die Anlage besteht aus verschiedenen Komponenten, die über mehrere Decks verteilt sind. Sie lässt sich grob in vier Bereiche aufteilen:

Recycling, Trocken- und Nassmüll, dampfbetriebene und mechanische Trocknung und Verbrennung.“ Im Recyclingbereich geht es  vor allem um Dosenblech, Glas, Kunststoff, Papier und Kartonagen. Das Material wird gesammelt, sortiert, zerkleinert und gepresst, um später an Land wiederverwertet zu werden. Die Abwasserbehandlung ist ähnlich aufgebaut wie ein Klärwerk an Land. Quer durch das Schiff zieht sich ein kilometerlanges Rohrsystem. Darüber gelangt das Abwasser in die Klärstation.

Dort wird das benutzte Wasser mithilfe eines Bioreaktors und eines Filtersystems so weit gereinigt, dass man es bedenkenlos über Bord pumpen kann. Ein Rohrsystem gibt es auch für die Küchenabfälle. Sie werden per Vakuum-Leitung transportiert und mit dem Klärschlamm der Abwasser-Anlage entwässert, ehe sie ihren Weg in den dampfbetriebenen Trockner antreten.

Asche für den Straßenbau

Das Herz der Anlage aber ist der Ofen, in dem alles landet – inklusive Klärschlamm –, was brennbar ist. Er hat eine Leistung von 1.800 Kilowatt und ist mit einem beweglichen Rost ausgestattet, der für perfekte Verbrennung sorgt.

Und was passiert mit der Asche? Ingenieur Wiltfang von der Meyer Werft zeigt auf einige unscheinbare Säcke: „Von den 15.000 Kilo Abfall bleiben nur 400 Kilo Asche übrig, die unter anderem im Straßenbau eingesetzt werden. So haben auch die Landratten was davon.“

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