Lernen bei den Auslandstöchtern

Wer beim Progress-Werk Oberkirch eine Ausbildung macht, kann China oder Mexiko kennenlernen

Oberkirch. Mal sechs Wochen lang in Mexiko arbeiten oder vier Monate im chinesischen Tochterwerk, mal vier Wochen die Produktion in Tschechien kennenlernen oder dieselbe Zeit in Kanada verbringen – für die Auszubildenden beim Autozulieferer Progress-Werk Oberkirch (PWO) ist das während der Ausbildung möglich.

Klingt toll – und das ist es auch. „Es war eine spannende Zeit“, erzählt Sarah Baschnagel. Die 20-jährige angehende Industriekauffrau hat sich ganz schön weit weg getraut. Vier Monate ihrer Ausbildung hat sie im PWO-Tochterunternehmen in der Nähe von Schanghai absolviert.

Probleme mit der Kommunikation gab es nicht. „Dort haben alle englisch gesprochen, und mit der Zeit, vor allem nachdem ich mit Yoga angefangen hatte, kannte ich ein paar Chinesen, die mir oft weitergeholfen haben.“ Für alle Fälle aber gibt es vor Ort einen Ansprechpartner. „Wir lassen niemanden im Ausland allein, es ist immer ein Betreuer da, der sich um die jungen Kollegen kümmert“, erklärt Katharina Benz, bei PWO in Oberkirch zuständig für den Bereich Ausbildung.

Auch Marco Blust, 19 Jahre und künftiger Werkzeugmechaniker, ist im tschechischen Tochterwerk mit offenen Armen aufgenommen worden und hat ziemlich schnell Anschluss gefunden. Er und ein weiterer Auszubildender aus Oberkirch haben auch in der Freizeit mit einheimischen Auszubildenden gemeinsam viel unternommen. „Wir hatten richtig viel Spaß dort“, sagt er.

Seit 2013 bietet PWO die sogenannte Auslands-Ausbildungsstation an. Egal, ob sie an der dualen Hochschule studieren, ob sie in die gewerbliche oder in die kaufmännische Richtung gehen, die Auslandsmöglichkeit wird vielen der 135 Azubis angeboten.

Die Kosten für Flug, Unterkunft und Englischkurs werden vom Ausbildungsbetrieb übernommen

„Die heutige Generation ist offen für das Kennenlernen anderer Kulturen“, sagt die Leiterin der Ausbildung, Elisabeth Spraul. „Ein wesentliches Ziel ist die persönliche sowie fachliche Entwicklung der Auszubildenden und Studierenden.“

Der Autozulieferer, der im Stammwerk 1.500 Mitarbeiter beschäftigt, investiert dafür eine ganze Menge: Das Unternehmen bezahlt den Flug, stellt die Wohnung vor Ort und sorgt zudem für Mobilität seiner Azubis in dem fremden Land. Und zur Vorbereitung bietet PWO allen Lehrlingen einen kostenlosen Englischkurs an.

Andere Sitten hat Denis Gartwick in Kanada kennengelernt. Der 26-Jährige lernt Fachkraft für Lagerlogistik und hat die Menschen in Übersee als besonders offen und freundlich erlebt. Die Arbeitsweise sei anders gewesen. „Die hohen Produktionsstandards des Mutterkonzerns finden sich auch im kanadischen Werk wieder. Interessant ist aber, wie sie jeweils umgesetzt werden.“

Ähnliches hat Dominik Walz in Mexiko beobachtet. „Die Leute dort gehen ruhiger an Probleme ran. Sie schauen sich die Sache erst mal gemütlich an“, erzählt der 19-jährige angehende Mechatroniker. „Sie brauchen zwar manchmal etwas länger, aber am Ende finden sie die Lösung wie wir.“


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