Familienunternehmen

Wenn Tochter und Sohn die Nachfolge im Betrieb antreten

Calw. Michael und Nicolas Lindner sind nicht nur Vater und Sohn, sondern auch Kollegen: Michael Lindner, Chef beim Naturkosmetikhersteller Börlind, holte im Sommer mit seinem Sohn die dritte Generation in die Geschäftsführung des Unternehmens in Calw.

Familienbetriebe wie dieser gehören zum Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Sie beschäftigen mehr als die Hälfte aller Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft und tragen zu über 42 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei.

Die Weitergabe des Betriebes ist für Lindner senior selbstverständlich: „Wir haben die Firma als Lehen von der ersten Generation mit der Auflage erhalten, sie weiterzuentwickeln und dann der dritten Generation anzuvertrauen“, sagt er. Seine Mutter Annemarie hatte 1959 den Grundstein für das Unternehmen gelegt und Börlind zu einer internationalen Marke aufgebaut.

Macht die Übergabe an die Kinder nicht Probleme? Lindner lächelt: „Es gibt im Zwischenmenschlichen immer Reibungspunkte“, räumt er ein. „Egal ob mit Familienmitgliedern oder Nicht-Angehörigen. Wichtig ist, dass man bereit ist, zu diskutieren und gute Argumente zu akzeptieren.“ Dazu benötigt man Erfahrungen außerhalb des Familienbetriebs: Nicolas Lindner arbeitete nach der Ausbildung zum Industriekaufmann und seinem Betriebswirtschaftsstudium bei einer Unternehmensberatung.

Viele der nachrückenden Führungskräfte verdienten sich ihre Sporen in fremden Unternehmen und im Ausland. So war es auch bei Stefan Fuchs, der seit zwölf Jahren die Geschicke des börsennotierten Mannheimer Schmierstoffherstellers Fuchs Petrolub lenkt.

Er arbeitete in den USA und fragte sich, ob er wirklich in die väterlichen Fußstapfen beim familiengeprägten Kapitalmarktkonzern treten wollte. Was gab den Ausschlag? „Als ich nach der Uni ein Vertriebspraktikum bei Fuchs in Chicago machte, stellte ich fest, wie tief unser Unternehmen beim Kunden verankert ist“, erzählt Fuchs. „Da wurde mir klar, dass ich in unserem Konzern arbeiten will.“ Ein guter Schritt: 2014 wurde er zum Familienunternehmer des Jahres gekürt.

Ohne zu zögern hat sich dagegen Beatrice Kiesel-Luik auf ihre Rolle in der Geschäftsführung bei der Kiesel Bauchemie in Esslingen vorbereitet. Auch ihr Weg führte zunächst ins Ausland: Nach dem Betriebswirtschaftsstudium arbeitete sie ein Jahr bei einem Industrieklebstoff-Spezialisten in den USA. Und durchlief im Anschluss jede Abteilung im Familienbetrieb: „Ich wollte ihn von der Pike auf kennenlernen“, berichtet die 35-Jährige.

2011 nahm ihr Vater sie in die Geschäftsführung auf, seit 2014 ist sie geschäftsführende Gesellschafterin. Ein geschickter Schachzug, um den Generationenübergang einzuleiten. Kiesel-Luik: „Jeder hier sieht in mir jetzt nicht nur die Kollegin, sondern auch die Unternehmenschefin.“


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