Nanotechnik

Wenn Spiegeleier haltlos rutschen


Die neue Leichtigkeit des Seins: Wie die Firma Weilburger Coatings Lacke immer raffinierter macht

Weilburg. Kochen wird immer einfacher: Bratkartoffeln gleiten knusprig gebräunt aus der Pfanne, der Gugelhupf löst sich locker aus der Form, Finger hinterlassen keine Spuren mehr auf der glänzenden Edelstahl-Abzugshaube.

Hinter der neuen Leichtigkeit steckt jede Menge Forschung – und Nanotechnik.

Winzige Teile, riesige Wirkung

Nano ist eigentlich nur eine Größenangabe. „Es ist der milliardste Teil eines Meters“, erklärt Andreas Kramer, Laborleiter beim Lack-Spezialisten Weilburger Coatings in Weilburg (Hessen). „Zwischen zwei Millimeter-Strichen auf einem Lineal ist also Platz für eine Million Nanometer.“

Kramer beschäftigt sich mit winzig kleinen Partikelchen, die nur wenige Nanometer groß sind. Was macht sie so attraktiv? „Ihre verblüffenden Effekte. Sie verleihen Materialien völlig neue Eigenschaften, machen sie etwa härter, weicher, durchsichtig, wasserfest, hitze-, kälte- oder lichtbeständig.“

So wird Parkett-Fußboden schon durch eine hauchdünne Beschichtung kratzfest. Besonders harte und damit strapazierfähige Lacke schätzt die Deutsche Bahn AG, ein guter Kunde der Weilburger, aber auch die Automobil- und Elektronik-Branche.

Die Firma Weilburger Coatings setzt stark auf die Forschung. Jeder vierte der insgesamt 220 Mitarbeiter ist in der Entwicklungsabteilung tätig. „Das Know-how geht von hier aus um die Welt“, sagt Antonio Cuddemi, einer der beiden Geschäftsführer. „Made in Germany hat immer noch einen exzellenten Ruf.“

„Sie tun genau, was ich ihnen sage“

Im neuen, mehrere Millionen Euro teuren Labor tüfteln Entwicklungsteams daran, wie man sich die Nanoteilchen für die Lack-Produktion zunutze machen kann.

Die Sorge, dass sie durch Einatmen zu gesundheitlichen Schäden führen, kann der Laborleiter parieren. „Sobald sie fest in einer Matrix – etwa Lack – eingebunden sind, ist das gar nicht mehr denkbar“, versichert Kramer. Zudem stünden die verwendeten Nano-Materialien permanent auf dem Prüfstand: „Die angeblichen Tiger sind bei näherem Hinsehen meist nur Hauskätzchen“, formuliert es Kramer. „Und im Labor bin ich der Dompteur. Sie tun genau das, was ich ihnen sage.“

Aus seinem Labor kommen praktische Dinge wie zum Beispiel korrosionsfreies Kochgeschirr oder spiegelglatte Pfannen. Anbacken? Keine Chance! Manchmal nimmt Kramer auch eine Testpfanne mit an den heimischen Herd. Dann greift seine Ehefrau gnadenlos zu scharfen Messern und Gabeln mit den Worten: „Ist die von euch? Dann muss sie das aushalten!“

Jährlich verlassen 7.500 Tonnen maßgeschneiderte Lacke das Werk an der Lahn, manche mit exotischen Anwendungen wie für Mundharmonikas oder für die Schnittflächen von Rasierklingen.

Geschäftsführer Cuddemi: „Die weltweit aufgestellte Grebe-Gruppe, zu der wir gehören, hat ihre Kompetenzzentren in Deutschland. Einmal hier am Standort sowie im bayerischen Gerhardshofen. Darauf können wir sehr stolz sein!“

Sabine Latorre

 

Mehr Infos zum Thema

Mit jährlich 146 Millionen Euro fördert das Bundesforschungsministerium die Nanotechnik. Damit die Bürger wissen, worum es geht, unterstützt die Regierung das von mehreren Wissenschaftsinstituten errichtete Info-Portal www.nanopartikel.info – das auch individuelle Fragen beantwortet. Sehenswert sind auch diese Ausstellungen:

Im Deutschen Museum in München kann man Nanotechnologie im „Zentrum Neue Technologien“ lebendig erleben. Auf „Youtube“ gibt’s eine vielversprechende Kostprobe: www.youtube.com/watch?v=0pNr5v6ZAUE

Der von der Regierung finanzierte Nano-Truck, ein Science-Center auf Rädern, informiert Jugendliche über Nanotechnologie und damit zusammenhängende Berufsfelder. Nächster Stopp: Europapark Rust, Baden-Württemberg (14. Oktober). Mehr dazu: www.nanotruck.de

Das Mannheimer Technoseum zeigt eine der euro-paweit größten Präsentationen zum Thema. Die Sonderschau „Nano!“ ist noch bis zum 14. November zu sehen. www.technoseum.de

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang