Airbag-Technik

Wenn Schrauben Leben retten


Ingenieurkunst vom Feinsten: Airbags werden vollautomatisch von Spezialmaschinen montiert

Wolfratshausen. So ein Unfall ist schnell passiert: Ein Reh läuft plötzlich vors Auto. Oder der Vordermann bremst scharf. Wenn’s hart auf hart geht, kann ein Airbag Leben retten.

Seit 1980 gibt es solche „Insassen-Schutzsysteme“. Heute ist jedes Auto serienmäßig mit bis zu zehn Airbags ausgestattet. Damit diese zum richtigen Zeitpunkt einsatzbereit sind, ist viel Vorarbeit nötig.

Etwa in der Montage: „Jede Schraube am Airbag muss 100-prozentig nach Vorgabe montiert sein“, sagt Heinrich Sick, Geschäftsführer der Weber Schraubautomaten. Denn dass so ein Ding ohne Anlass losgeht, „das darf nicht sein“.

Airbags werden bei Auto-Zulieferern vollautomatisch von Spezialmaschinen montiert. Die Kunst ist es, solche Maschinen für die Fertigung zu entwickeln und zu bauen – wie das bei der Firma Weber Schaltautomaten im oberbayerischen Wolfratshausen geschieht. Da steckt viel Know-how und Erfahrung dahinter.

Jedes Detail wird aufgezeichnet

Beispiel Schrauben: In der Fabrik wird jeder Arbeitsschritt, der mit der Befestigung eines Airbags verbunden ist, in aufgezeichnet. Sick: „Dasist aus versicherungstechnischen Gründen notwendig.“ Die Automaten können einen Schraubprozess aufs Genaueste steuern, messen und überwachen  –  den Eindrehwinkel ebenso wie das Drehmoment oder die Spannkraft beim Anziehen.

Weber baut solche Spezial-Schraubautomaten nicht nur für die Automobilindustrie, sondern auch zur Fertigung von Haushaltsgegenständen, Möbeln oder Spielgeräten.

Präzise, schnell und rund um die Uhr arbeiten  Schraubautomaten. In der großindustriellen Serienfertigung nehmen sie dem Personal viel Arbeit ab.

Und sorgen doch dafür, dass Jobs im Land bleiben. So fertigt die  Firma  Bauknecht  im schwäbischen Schorndorf Waschmaschinen für den amerikanischen und den europäischen Markt.

Auch der Audi-Konzern  setzt auf  Weber-Automaten. Mehrere Hundert Schraubverbindungen halten die Alu-Karosserie eines Audi TT zusammen. „Bei einer Verbindung von Aluminium und Stahl ist Schrauben in puncto Festigkeit und Sicherheit das ideale Fügeverfahren“, so Sick. Bewährt haben sich Schrauben zudem bei der Wiederverwertung. „Weil die Teile besser wieder lösbar sind.“

Die Spezialisierung auf Schraubautomaten hat für Weber Vorteile. Sick: „Wir können Dinge, die andere nicht können.“ Alle Sondermaschinen entwickelt, fertigt und montiert die Firma selbst, nach Kundenwunsch – seit 51  Jahren.

195 Mitarbeiter zuständig für Qualität

40 Millionen Euro Umsatz erzielt Weber im Jahr – davon rund die Hälfte in Deutschland. 5 Prozent des Umsatzes fließen in die Entwicklung.

„Der Name Weber ist im Nischenmarkt der Schraubautomaten weltweit ein Begriff für langlebige Technik, Qualität und guten Service“, stellt Sick fest. Anteil daran haben vor allem die 195 Mitarbeiter in Wolfratshausen.

Pro Woche baut Monteur Michael Witulski 10 bis 15 Zuführtrichter für Schrauben am Automaten. „Das perfekt einzustellen, ist jedes Mal eine Herausforderung“, sagt er.

Vor Inbetriebnahme testet und programmiert Elektroingenieur Josef Seidl jede Maschine. Auf  Feinheiten zu achten, ist hier besonders wichtig.

Damit ein Schraubautomat gut schraubt, braucht er eine sogenannte Spindel. Da ist das Know-how von Mechatronik-Meister Hubert Socha gefragt.

Ausgefeilte Technik hält besonders lange

Er kümmert sich auch um die Reparatur älterer Spindeln. „Manche Kunden bringen solche Maschinenteile selbst nach 40 Jahren Betrieb noch zu uns, um sie warten zu lassen.“ 

Michaela Geiger

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang