Technik

Wenn die Nacht zum Tag wird


Echt erhellend: Wie Hella an neuen Autoleuchten tüftelt

Lippstadt. Das Licht ist spärlich, der Asphalt scheint im Nichts zu enden – wie eine Landstraße, die von der Dunkelheit verschluckt wird. Diese Strecke hier ist nur 140 Meter lang. Denn sie befindet sich im Anbau der Zentrale von Hella in Lippstadt, einem renommierten Hersteller von Lichtsystemen.

Diese Straße ist ein Lichtkanal. Hier testet Hella seine Autoleuchten: „Der Kanal ist weltweit einmalig und bietet die gleichen Bedingungen wie eine Straße in freier Natur“, so Michael Schneider, der zuständige Lichtspezialist. „Ihn buchen auch der ADAC sowie Autohersteller.“ Und zeigt auf eine Leiste mit Leuchten, die ihr Licht hineinwerfen.

Dann drückt er auf eine Steuerung mit vielen Knöpfen: Plötzlich bekommt die Straße Seitenrandmarkierungen. Dann tauchen Fußgänger- und Auto-Attrappen auf. „Selbst Regen und widrige Sicht können wir nachstellen“, sagt Schneider, als er gerade  ein Kunststoffnetz herunterfährt, das dichten Nebel vortäuscht.

Vorreiter schon beim Xenon-Licht

Damit alles so wirkt wie draußen unter dunklem Himmel, musste eigens ein Spezialasphalt her. „Den hat die Uni Darmstadt entwickelt“, erzählt Schneider.

Manchmal rollen die Hella-Leute auch einen Oberklassewagen in Position, dem vorn und hinten Versuchsleuchten eingebaut sind. Um zu checken, wie gut die sind. Dabei geht es immer um die Frage, wie innovative Licht­lösungen die „Sicht“ erhellen.

Denn die sind das Metier von Hella – seit gut 100 Jahren. Mit opulenten Kutschenleuchten fing die Lampenproduktion in Lippstadt an. Kaum 50 Jahre später setzte der Hersteller mit den runden Glupschaugen von VW Käfer und Porsche Maßstäbe. In den 90er-Jahren brachte Hella das Xenon-Licht auf den Markt. Jetzt folgen Voll-LED-Scheinwerfer.

Voll heißt, dass alle Funktionen in LED-Technik sind: Stand-, Abblend- und Fernlicht, selbst Blinklicht. „Bei diesem Produkt ist Hella einer der Technologieführer“, berichtet Steffen Pietzonka, Marketing-Leiter Licht. Das Licht ist weiß wie Tageslicht. Allein dieses Weiß zu entwickeln sei Hightech pur. Voll-LED-Scheinwerfer von Hella wurden erstmals bei einem Luxusschlitten von Cadillac eingebaut. Nun fährt auch Audi mit der Technologie vor – als Sonderausstattung im A6 und A8.

Diese Technik, die nicht nur optimales Licht erzeugt und Sprit spart, will Hella künftig auch für Systeme auf den Markt bringen, die dem Fahrer mehr Komfort bieten.

Die Basis bildet beispielsweise die Hella-Weltneuheit „Dynamic Light Assist“ von 2010 – noch mit Xenon-Technik. Sie ermöglicht Fahren bei stets eingeschaltetem Fernlicht – ohne zu blenden. Ein Mix aus Frontkamera, leistungsfähiger Software zur Bildverarbeitung sowie modernster Lichttechnik ermittelt die exakte Position der entgegenkommenden Fahrzeuge. Und passt die Lichtverteilung automatisch an.

„Sie kann noch mehr“, erklärt Markus Bannert, Leiter des Werks 2, in dem die Scheinwerfer montiert werden. „Eine walzenförmige Blende bewegt sich so zwischen Lichtquelle und Projektionslinse

im Scheinwerfer, dass andere Verkehrsteilnehmer ausgespart werden.“

Aufregende Optiken möglich

Die LED-Leuchten bringen schließlich noch etwas: mehr Gestaltungsspielraum. Sie erlauben extrem sportliche und individuelle Designs.

Getestet wird all das im Lichtkanal. Am BMW wurde gerade ein futuristisches LED-Entwicklungsmuster montiert. Da wundert sich sogar der Lichtkanal-Verantwortliche Schneider: „Die Vielfalt ist phänomenal.“

Ulrike Wirtz

Info: Hella KGaA Hueck & Co.

Der Hersteller von Lichtsystemen hat mehr als 70 Standorte in 30 Ländern. Hella mit Zentrale in Lippstadt beschäftigt rund 22.850 Mitarbeiter. 3.600 davon arbeiten allein in der Forschung und Entwicklung, in die der Konzern Jahr für Jahr rund 300 Millionen Euro investiert. Der Umsatz lag  im Geschäftsjahr 2009/2010 bei 3,6 Milliarden Euro.

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