Familienunternehmen

Wenn der Chef einen Nachfolger sucht


Beim Kühlgerätehersteller Kirsch ging der Senior einen ungewöhnlichen Weg

Offenburg. Sie wirken beinah wie Vater und Sohn. Beide stehen entspannt an einem Kühlschrank, den Arm lässig aufgelegt. Georg Kirsch, 70 Jahre alt, in vierter Generation früherer Chef des Familienunternehmens Philipp Kirsch. Und Jochen Kopitzke (33), neuer alleiniger Gesellschafter bei dem Kühlgeräte-Hersteller im badischen Offenburg.

Generationswechsel oft Überlebensfrage

Der Ältere hat den Betrieb gerade an den Jüngeren übergeben, obwohl er nicht zur Familie gehört. „Meine Kinder haben sich nun einmal anders orientiert“, sagt Kirsch verständnisvoll. Und so sichert der junge promovierte Kaufmann die Zukunft der 1865 gegründeten Firma.

Der Generationswechsel in Familienbetrieben – oft eine Überlebensfrage. Über 95 Prozent aller 3,7 Millionen deutschen Unternehmen sind in Familienbesitz, so das Bonner Institut für Mittelstandsforschung.

15 Millionen Menschen finden dort Arbeit. Jahr für Jahr wird in 22.000 Betrieben mit etwa 287.000 Beschäftigten die Nachfolge relevant. So manche misslingt.

Nicht so beim Unternehmen Philipp Kirsch, in dem 70 Mitarbeiter Kühlgeräte für die Lagerung von Medikamenten und Blutkonserven herstellen. Und dabei hatte alles mit einem Zufall begonnen. Eher beiläufig unterhielten Firmeninhaber Georg Kirsch und sein Prokurist sich vor gut drei Jahren über die Suche nach einem Nachfolger. Dabei entstand die Idee, es mit dem Sohn des Prokuristen zu versuchen – mit Jochen Kopitzke.

Schon beim ersten Kennenlernen im November 2009 wurden sich die beiden einig. Kirsch blickt zurück: „Der Einstieg in 2010 war zunächst auf ein halbes Jahr befristet. Damit der junge Mann sich klar werden konnte, ob er das wirklich will.“

Und Kopitzke ergänzt: „Für mich war es wichtig zu prüfen, ob mich die Mitarbeiter akzeptieren.“ Seit Jahresbeginn ist Jochen Kopitzke, der einmal im Alter von 16 Jahren in den Ferien bei Kirsch gearbeitet hat, nun alleiniger Gesellschafter. Den Kaufpreis bezahlt er aus seinem Einkommen als frischgebackener Unternehmer in Raten ab.

In den Standort investieren

Kirsch und Kopitzke wissen, dass die Vereinbarung nur hält, wenn das Unternehmen – das in 100 Länder liefert – auch weiterhin gut läuft. Doch auch dafür hat Georg Kirsch vorgesorgt und ein Polster an Investitionsrücklagen gebildet.

„Bei der Verwendung dieser Mittel habe ich mich bewusst zurückgehalten, damit mein Nachfolger nach seinen Vorstellungen investieren kann“, sagt er.

Der lässt jetzt neben dem vorhandenen Gebäude eine neue Lagerhalle bauen. „Damit gewinnen wir Produktionsfläche dazu und können unsere Fertigungsabläufe weiter optimieren“, erklärt Kopitzke. Dafür wird er in den nächsten Jahren erheblich in den Standort investieren.

Rat nimmt er dennoch gerne an: Von seinem Vater, dessen Chef er jetzt ist, und natürlich von Georg Kirsch. Der kümmert sich noch eine Weile um die Liegenschaften und hält so seinem Nachfolger den Rücken frei. Wie unter Familienmitgliedern.

 

 

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