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Wenn der Berg ruft


Martin Steiner von Deckel Maho leitet Rettungseinsätze im Gebirge

Pfronten. Hörer auflegen, ein kurzes Servus an die Kollegen und nix wie weg: Etwa zweimal im Jahr muss es für Martin Steiner ganz schnell gehen. In den Allgäuer Alpen wird er dann dringend gebraucht. Ein Notruf.

Der 46-jährige Maschinenbautechniker arbeitet im Technischen Vertrieb von Deckel Maho in Pfronten. Ab und zu hat er jedoch noch einen anderen Job zu erledigen. Steiner leitet die Bergwacht im benachbarten Füssen.

100-mal im Jahr rücken die Männer aus

Es ist eine Aufgabe mit viel Verantwortung und wenig Berechenbarkeit. Denn Lawinen warten nicht auf den Feierabend. Den Bereitschaftsdienst und die Arbeit beim Werkzeugmaschinen-Hersteller unter einen Hut zu bringen, benötigt viel Organisation – und verständnisvolle Chefs.

„Kritische Situationen gibt es immer wieder“, sagt Steiner. Das kann ein verschütteter Skifahrer sein. Oder ein abgestürzter Kletterer. Den erfahrenen Einsatzleiter und Chef von 35 aktiven Rettern drängt es dann zu seinen Kollegen an den Unglücksort.

Seit mittlerweile 30 Jahren engagiert sich der gebürtige Allgäuer in der Bergrettung. Angefangen hat er mit 16 Jahren – ein typisches Alter: Klettern und Skifahren stehen bei vielen jungen Männern hoch im Kurs. Freunde und Feiern ebenso.

„Man findet viele Menschen mit gleichen Interessen“, sagt der Bergwachtler, der das Klettern besonders liebt. Die Faszination: „Aufsteigen, wo nicht jeder rauf kann. Und dann das Gefühl auf dem Gipfel genießen.“

Leider muss Steiner auch oft genug zum Berg, wenn es keine Freude macht. So war es beispielsweise 2006: Ein Snowboarder war in einer Lawine umgekommen. „Ich war zwar nicht bei der Bergung dabei, sondern im Tal“, sagt der Einsatzleiter. „Aber so etwas nimmt einen sehr mit.“

Etwa 100-mal im Jahr werden die Füssener Bergwachtler zum Einsatz gerufen. Doch meist geht es nicht um Leben und Tod, versichert Steiner. „Die Allgäuer Alpen sind nicht so extrem.“

Oft sind es naive Gipfelstürmer, die sich in eine missliche Lage bringen. „Bergsteiger in Turnschuhen und Wanderer mit Sandalen – alles schon gesehen“, sagt Steiner und schüttelt den Kopf. Die Handy-Notrufe wegen Lappalien hätten massiv zugenommen. „Früher“, erzählt der Bergwachtler, „haben sich die Leute oft selbst runtergeschleppt.“

In harmlosen Fällen lässt Steiner in seinem Büro meistens nicht sofort alles liegen – auch wenn er gerade Bereitschaftsdienst hat. „Und einfach so Kunden stehen lassen – das geht eigentlich auch nicht“, sagt er. Kollegen der Bergwacht springen dann für ihn ein. Das ist abgesprochen.

Auch der Chef ist bei der Bergwacht

Der Personalleiter von Deckel Maho, Udo Lademann, ist sich sicher, dass Steiners Arbeit nicht zu kurz kommt. Im Gegenteil: „Mitarbeiter wie er gehören in der Regel auch im Betrieb zu den Engagierteren. Und sie kennen ihre Verantwortung gegenüber dem Arbeitgeber.“

Steiners direkter Vorgesetzte hat ebenso größtes Verständnis, wenn sich sein Mann wieder einmal Hals über Kopf davonmacht: Cornelius Nöß ist nämlich selbst langjähriger Bergwachtler. Allerdings in Pfronten.

Meine Arbeit

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ich habe mich schon immer für Technik interessiert. Zunächst habe ich als Trainer Programmierkurse für Maschinen geleitet. Danach war ich in der Anwendungstechnik tätig. Erst später bin ich in den Technischen Vertrieb gekommen.

Was gefällt Ihnen besonders?

An einem Auftrag für ein interessantes Projekt zu arbeiten.

Worauf kommt es an?

In unserer Abteilung sind technisches Wissen und gute Kommunikationsfähigkeit zu den Fach- abteilungen erforderlich. Außerdem ist es wichtig, ein Vertrauensverhältnis zu den Kunden aufzubauen.

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Schlagwörter: Ausbildung

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