Ausbildung

Wenn Azubis Tarife aushandeln


Seminarleiter Josef Baußmann und die Azubis Florian Gores, Tobias Beyer und Simone Dreckmann (von links) diskutieren engagiert. Fotos: Eifrig (5)

Akademie Biggesee: Junge Leute spielen Unternehmer und lernen so Wirtschaft

Heiße Diskussion der jungen Firmenchefs von „Exclusive Print“: Exportieren oder nicht? Christopher Machholz, Jenny Aven, Mona Probst und Florian Gores debattieren heftig über das Pro und Kontra des Auslandsgeschäfts. „Können wir überhaupt genug Kopierer herstellen?“, bringt Vertriebsleiter Gores die Debatte auf den Punkt. Noch einmal checken die vier die Zahlen. Um wie viel können wir die Produktion steigern? Was kosten Vorprodukte, Mitarbeiter und Vertrieb? Dann steht die Entscheidung: „Wir wagen es!“, sagt Christopher.

Ein mutiger Schritt. Damit hat das Quartett nun alle Chancen, am Ende die Nase vorn zu haben. Denn alles ist nur ein Spiel und die vier sind eigentlich Azubis bei Infracor in Marl, BP sowie PPG Coatings in Bochum. Sie nehmen zusammen mit zehn weiteren Lehrlingen aus dem Ruhrgebiet und Westfalen an einer Studienwoche der Akademie Biggesee teil.

Azubis kämpfen um Marktanteile

Das Unternehmens-Planspiel gehört dazu. Vier Tage lang kämpfen die Azubis in vier fiktiven Firmen am Laptop um Marktanteile, Exporterfolge und gute Gewinne im Geschäft mit Kopierern.

Veranstaltet wird die Studienwoche von „arbeitgeber ruhr“,  einem Netzwerk regionaler Arbeitgeberverbände im Ruhrgebiet. „Wir wollen damit den angehenden Fachkräften unsere Wirtschaftsordnung und die Marktgesetze verständlicher machen“, erklärt Dirk W. Erlhöfer, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Chemie Westfalen, das Engagement. „Vielleicht sind ja zukünftige Führungskräfte darunter.“

Der Nachwuchs ist jedenfalls mit Feuereifer dabei. In den Teams wird hart um die Unternehmenslinie gerungen: Stimmt der Preis? Rechnet sich ein Großeinkauf an Material? Was macht wohl der Wettbewerb? „Es ist richtig spannend, im Team zu entscheiden“, findet Simone Dreckmann, Auszubildende bei Infracor.

Aber nicht nur im Team kommt es auf gute Argumente an, sondern ebenso in der Diskussion mit der Gewerkschaft. Deshalb gehören auch Tarifverhandlungen zum Spiel.

Langes Feilschen um mehr Lohn

Seminarleiter Josef Baußmann macht den Gewerkschafter. Er fordert für die Spiel-Belegschaften „einen Anteil vom Kuchen“: mehr Lohn und kürzere Arbeitszeiten.

Nun sind Argumente, Geschick und Strategie gefragt. Über eine halbe Stunde feilschen die Jung-Unternehmer mit dem Gewerkschaftsmann. Am Ende steht ein Kompromiss, mit dem beide Seiten leben können.

Spätestens jetzt sind die Azubis in der „Sozialen Marktwirtschaft“ angekommen. „Wir wollen den Jugendlichen zeigen, dass in unserer Wirtschaftsordnung jede Unternehmer-Tätigkeit auch mit einer gesellschaftspolitischen Verantwortung verbunden ist“, erklärt Seminarleiter Baußmann. Deshalb gehören die Tarifverhandlungen als Rollenspiel dazu.

Natürlich gibt es am Biggesee auch Vorträge dazu, wie die Wirtschaft funktioniert und welche Aufgaben Arbeitgeberverbände haben.

Das Seminar kommt gut an, so Verbandschef Erlhöfer. „Wir mussten schon Zusatztermine schalten.“

Info: Soziale Marktwirtschaft in der Praxis

Etwa zehnmal im Jahr bietet die Akademie Biggesee eine viertägige Studienwoche für Auszubildende im zweiten und dritten Lehrjahr. Das Thema: die Soziale Marktwirtschaft. Im Mittelpunkt steht ein Unternehmens-Planspiel am Computer. In Teams üben sich die jungen Leute dabei als Unternehmer, testen ihr Markt- und Wirtschaftswissen. So lernen sie Grundprinzipien der Sozialen Marktwirtschaft kennen.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang