Motorsport

Wenn Asphalt-Cowboys mit dem Bleifuß spielen…


Hagener Unternehmen liefert Hochleistungsfedern für die US-Nascar-Serie

Das Dröhnen steigert sich, Reifen drehen durch, das Starterfeld verschwindet in einer Staubwolke. Wrrroouuuumm!  Die Asphalt-Cowboys spielen mit dem Bleifuß, rasen mit mehr als 200 Sachen durch enge Kurven. Dicht an dicht kreisen die frisierten Kisten Hunderte Mal um den Kurs, so manches Rennen verwandelt gleich eine ganze Meute aus bis zu 850 PS starken Autos in Schrotthaufen. Veranstaltungen der US-Nascar-Serie fordern Extremes – von Mensch und Maschine.

„Nascar ist der Volkssport der Amerikaner“, sagt Paul-Bernd Vogtland. „Bei jedem Rennen schauen mindestens 100.000 Leute zu.“ Der Geschäftsführer der VDF Vogtland Federntechnik kennt sich aus. Denn Motorsport ist eine Nische, in der sich die Firma flott bewegt. Sie liefert Hochleistungsfedern für die großvolumigen Sportwagen.

Feder hält 34 Tonnen aus

Szenenwechsel: In einem blitzsauberen Raum gehen zwei Maschinen leise ihrem Tagwerk nach. Jede staucht vier Federn  bis  zum  Anschlag. Nonstop drücken die beiden Apparaturen die Federn zusammen,  um  dann  wieder kurz von ihnen zu lassen. Das passiert bis zu eine Million Mal – Tag für Tag und Nacht für Nacht. „Die Versuche dauern bis zu zwei Wochen“, erläutert der Geschäftsführer: „Da gehen wir ganz auf Nummer sicher.“

Besonders im Rennsport gilt: Nullfehler-Toleranz! Die Federn, jeweils zwei vorne und hinten am Fahrzeug, sorgen in Verbindung mit den Stoßdämpfern dafür, dass der Wagen wie ein Brett auf der Straße liegt. Die Fliehkräfte sind bei einem Tempo weit jenseits der 200-Marke enorm – da muss auf die Technik absolut Verlass sein, damit die Kiste nicht aus der Kurve fliegt.

Während eines Nascar-Rennens reißt jedes Auto bis zu 1.500 Kilometer ab. „Und bei dieser Tour dürfen sich unsere Federn nicht mal um einen Millimeter verkürzen“, sagt Ingenieur Norbert Wilke.

Deshalb sind sie hammerhart: In den Federn stecken hochfeste Stähle aus einer Chromsilizium-Vanadium-Legierung.  Obwohl die Federn nur einen Durchmesser von 14,75 Millimetern haben, sind sie, gemessen an dem, was sie leisten, Schwergewichte. Man kann bis zu 34 Tonnen dranhängen, ohne dass das Material reißt – fast das Gewicht eines kompletten Lastzuges.

Niederlassung in Kalifornien

Seit sieben Jahren verkauft die Firma Spezialfedern für Nascar-Rennautos. Vorausgegangen war die Gründung einer US-Niederlassung. Die befindet sich in Kalifornien. Kein Zufall: Denn hier ist die Hochburg der US-Tuner. Und so kam man auch mit der Rennsportszene in Kontakt. „Nascar ist für uns eine kleine, aber lukrative Nische“, sagt Vogtland.

Weit höhere Umsätze bringen jedoch die Federn und Sportfahrwerke für Alltagsautos – und die  Tuner-Branche. In den Pkws finden die Federn – außer im Fahrwerk – auch Verwendung in Schließmechanismen, Bremsen und in der Lenkung. Vogtland liefert zudem Federn für Nutzfahrzeuge, Motorräder,  Landmaschinen, Waschautomaten, Trockner, Produktionsanlagen und die Medizintechnik.

Die Hagener mischen auch bei einem Produkt mit, das uns vor allem an heißen Sommertagen begegnet, wenn wir Lust auf eine Erfrischung haben: Die Rede ist vom Eisportionierer.

Wilfried Hennes

 

Info: VDF Vogtland Federntechnik GmbH

Die Hagener Firma VDF Vogtland Federntechnik beschäftigt 200 Mitarbeiter. Sie setzte mit ihren Federn und Komponenten 2007 rund 28 Millionen Euro um. 35 Prozent gehen in den Export – direkt. Rechnet man auch die indirekte Ausfuhr hinzu, sind es mehr als die Hälfte. Denn viele Kunden, etwa aus der Auto-Industrie und dem Maschinenbau, leben gut vom Auslandsgeschäft. Das Familienunternehmen wird von den beiden Brüdern Paul-Bernd und Martin Vogtland geleitet.

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